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Herzlichen Glückwunsch!

Am 15. Januar 2014 feierte Sabine Schneider ihr 25jähriges Dienstjubiläum in der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes Lüdenscheid-Plettenberg. Von ihrem Dienstantritt 1989 (damals noch in den Räumlichkeiten in der Kirchstraße) bis heute ist sie vielen suchtkranken Menschen und deren Angehörige eine große Hilfe gewesen und hat dabei in unzähligen Einzel- und Gruppengesprächen Einfühlungsvermögen und Expertise bewiesen. Intern erlebte sie viele strukturelle, konzeptionelle und personelle Veränderungen, doch egal in welchen Räumen, mit welchen Kollegen oder in welchem therapeutischen Setting sie tätig war, stand eines stets im Mittelpunkt: der hilfesuchende Mensch.

 *     Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 25jährigen Dienstjubiläum als Suchtberaterin und Suchttherapeutin im Diakonischen Werk, Frau Schneider.

 *           Sabine Schneider: Vielen Dank.

 *     Eine erste spontane Reaktion auf die Berufsangabe „Suchtberaterin“ ist bei vielen Menschen häufig, dass sie es sich nicht vorstellen könnten, diesen Beruf auszuüben. Was muss oder sollte man mitbringen?

 *    Sabine Schneider: Das Wichtigste ist die positive Einstellung zu suchtkranken Menschen und der Glaube daran, dass sie ihre Suchterkrankung überwinden können. Geduld, eine hohe Frustrationstoleranz und eine generell positive Lebenseinstellung auf der Grundlage des christlichen Glaubens haben mir dabei sehr geholfen. Suchtarbeit ist in erster Linie Beziehungsarbeit, das heißt, sich immer wieder auf neue Menschen mit ihren speziellen Problemen einzustellen. Erfolg bedeutet dabei nicht unbedingt eine dauerhafte Abstinenz, sondern es sind manchmal auch die kleinen Schritte der Veränderung, die das Leben der Klienten verbessern.

 *     Sie haben am 16. Januar 1989 Ihren Dienst in der Suchtberatungsstelle angetreten. Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag erinnern?

 *     Sabine Schneider: Ich habe mich sehr auf die Arbeit gefreut und war sicherlich auch am Morgen etwas aufgeregt und nervös, was da jetzt auf mich zukommt. Man hat mich aber sehr nett empfangen und ich konnte auch jederzeit bei den erfahrenen Kollegen und Kolleginnen nachfragen, so dass ich mich sehr schnell eingelebt und mich in meiner Aufgabe sicher gefühlt habe. Ich kann mich zwar nicht mehr an mein erstes Beratungsgespräch erinnern, aber ich weiß, dass ich aufgrund meines doch sehr jungen Alters mit den teilweise wesentlich älteren Klienten anfänglich immer einen schweren Stand hatte. Oft wurde ich zu Beginn einer Beratung nicht ernst genommen, doch es gelang mir dann in der Folge fast immer, mir Respekt zu verschaffen und meine Kompetenzen einzubringen.

 *     Haben sich die damaligen Suchtkranken von den heutigen wesentlich unterschieden?

 *     Sabine Schneider: Ich denke, dass es heute mehr junge Suchtkranke gibt, zumindest unter denjenigen, die Hilfe suchen. Ein großer Unterschied ist auch, dass die Suchtkranken früher fast alle noch eine Arbeit hatten. Die Mehrfachabhängigkeit hat auch deutlich zugenommen, zum Beispiel die Kombination Alkohol mit Drogen, das gab es früher nicht. Und wenn ich intensiver über die Frage nachdenke, dann hat auch der Anteil der Frauen zugenommen.

 *    Damals waren Sie in den meisten Fällen wesentlich jünger als Ihre Klientel. Wie unterscheidet sich die Arbeit, wenn im Laufe der Jahre die Klientel jünger als man selbst wird?

 *    Sabine Schneider: Das hat die Arbeit für mich zunächst einmal leichter gemacht, aber neben dem Alter ist die langjährige Erfahrung und die Weiterqualifizierung in diesem Zusammenhang von Bedeutung.

*     Hat die Arbeit sich im Laufe der Jahre generell verändert?

 *      Sabine Schneider: Sicher, der heutige Suchtkranke kommt mit ganz anderen Voraussetzungen und Erwartungen in die Beratungsstelle als vor 25 Jahren. Früher war die Suchtberatungsstelle Schnittstelle zur Vermittlung in die stationäre Therapie, was damals als Königsweg der professionellen Suchtkrankenhilfe galt. Die stationären Therapien haben damals auch deutlich länger gedauert, in der Regel 6 bis 9 Monate, während heute nur noch 14wöchige Langzeittherapien bewilligt werden. Im Vergleich zu früher vermitteln wir heute nicht nur Therapie, sondern bieten sie auch selbst im ambulanten Rahmen an. Eine ambulante Begleitung und Therapie mit anschließender Nachsorge kann summa summarum schon mal mehrere Jahre dauern, das heißt, dass wir suchtkranke Menschen über einen viel längeren Zeitraum begleiten als früher. Die Suchtarbeit war vor 25 Jahren sicherlich niedrigschwelliger angelegt. Manch alter Klient erinnert sich vermutlich gerne daran, dass er früher jederzeit die Beratungsstelle besuchen konnte - sogar wenn er akut volltrunken war – darin rauchen durfte und Kaffe angeboten bekam. Dieses Angebot war aber für mich und meine damaligen Kollegen eine enorme Belastung und war mitunter auch nicht ungefährlich. Mit unseren professionelleren Angeboten wie zum Beispiel der ambulanten Therapie erreichen wir vielleicht nicht mehr jedermann, können aber vielen suchtkranken Menschen nachhaltiger helfen als früher.

 *     In 25 Jahren haben Sie eine ganze Menge an Veränderungen – sei es in der Suchthilfelandschaft als auch intern im Diakonischen Werk und in der Suchtberatungsstelle - miterlebt.

 *     Sabine Schneider: Veränderungen sind etwas ganz Normales, und vermutlich hat es in der Geschichte der Suchtberatungsstelle, die seit 1972 besteht, immer wieder kleinere und größere Veränderungen gegeben. Für mich bedeutsame Veränderungen waren meine therapeutische Zusatzausbildung und der Umzug der Beratungsstelle in das Paul-Gerhardt-Haus Mitte der 90er Jahre, der Beginn meiner Zusammenarbeit mit Frank Horstmann im Jahre 1997 und die Suchtvereinbarung Märkischer Kreis im Jahre 1999, die die finanzielle Existenz der Beratungsstelle mit absicherte. In dieser Zeit initiierten wir zudem Veränderungen hinsichtlich einer zunehmenden Professionalität mit ersten Therapieangeboten und verschiedenen indikativen Gruppen und Projekten. Mit einem weiteren Umzug innerhalb des Paul-Gerhardt-Hauses konnten wir mit den verbesserten räumlichen Möglichkeiten auch unser Angebot erweitern und insgesamt kundenfreundlicher gestalten. Das Gesicht der Suchtberatungsstelle hat sich aber mit Beginn des neuen Jahrtausends durch die Einführung des Qualitätsmanagements mit folgender Zertifizierung sowie der aktiven Mitarbeit im Therapieverbund ARS-MK nachhaltig verändert. Seit 2009 ist es uns gelungen, am Standort Plettenberg sowohl die ambulante Nachsorge als auch die ambulante Rehabilitation Suchtkranker als festen Bestandteil unserer professionellen Suchtkrankenhilfe zu etablieren.

 

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Seit 1997 arbeiten Sie mit Ihrem Kollegen Frank Horstmann zusammen. Macht nach so vielen Jahren jeder „sein Ding“ oder gibt es noch viele Schnittstellen oder gemeinsame Projekte?

 *     Sabine Schneider: Wir wissen uns gegenseitig sehr zu schätzen und ergänzen uns in unserer gemeinsamen Arbeit sehr gut. Gerade in der Suchtarbeit ist es wichtig, einen zuverlässigen Kollegen an seiner Seite zu wissen, gemeinsam die Arbeit zu reflektieren, dabei auch Kritik und Korrektive zuzulassen und sich auch immer wieder gegenseitig für die mitunter nicht leichte Arbeit zu motivieren.

 

 Seit 2006 sind Sie auch Qualitätsbeauftragte der Suchtberatungsstelle. Eine Aufgabe, die Ihnen liegt?

 *     Sabine Schneider: Unbedingt. Anfangs war es für mich lediglich mal die Chance, eine ganz andere Aufgabe wahrnehmen zu können. Inzwischen jedoch weiß ich die Möglichkeiten des Qualitätsmanagements sehr zu schätzen. Ich denke, dass es eine Stärke von mir ist, Probleme und Abläufe strukturiert anzugehen und entsprechend praxistaugliche Prozesse im Team zu entwickeln und fortlaufend an die sich wandelnden Begebenheiten anzupassen.

 *     Bis zum wohlverdienten Ruhestand sind es noch ein paar Jahre. Wo sehen Sie Ihre zukünftigen Arbeitsschwerpunkte? Wie sehen Sie die Zukunft der Suchtberatungsstelle?

 *     Sabine Schneider: Sicherlich wird es im Laufe der Jahre immer schwieriger, sich neue Reizpunkte zu setzen. In meinen 25 Dienstjahren ist es mir aber immer gelungen, mich auf neue Aufgaben einzustellen und mir die Freude an der Arbeit zu erhalten. Egal, ob ich mich in der professionellen Suchtarbeit weiterqualifiziert oder zehn Jahre in der Mitarbeitervertretung mitgewirkt habe, ich bleibe ganz sicher auch in der Zukunft offen für Neues. In diesem Zusammenhang war es für mich immer sehr wichtig, eigenverantwortlich und selbstbestimmt arbeiten zu können und dabei von unserem Geschäftsführer – Herrn Hans-Jürgen Vormschlag - stets unterstützt worden zu sein. Ich hoffe natürlich, dass nach dem anstehenden pensionsbedingten Wechsel in der Geschäftsführung Ende 2015 diakonische Arbeit mit dem gleichen Geist und Vertrauen fortgeführt wird.

 *     Vielen Dank für dieses Interview.

(Anmerkung: Die beiden Photos oben zeigen Sabine Schneider als Berufanfängerin ca. 1989/1990)

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