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Christa Bätz: „Die andere Sicht hat mich gereizt...“

Von Guido Raith

Lüdenscheid. Sie sind Tag für Tag in den Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg unterwegs, arbeiten im Kreiskirchenamt, dem Friedhofsverband, im Diakonischen Werk oder ehrenamtlich neben ihrem Beruf in den Kirchengemeinden. Und hinter jedem dieser Menschen steckt eine Geschichte, die ihn irgendwann zum Dienst in der Evangelischen Kirche führte, die jedoch kaum jemand kennt. Im Rahmen der Serie „Einer von uns...“ werden nun einige dieser Geschichten erzählt, rücken der Mensch und das Menschliche in den Vordergrund und Kirche bekommt einmal mehr ein Gesicht.

„Eine von uns...“ ist Christa Bätz aus Lüdenscheid. Die Lust am Leben steht der freundlichen 72-jährigen Pensionärin ins Gesicht geschrieben, und wer sich von ihr erzählen lässt, wo überall sie in der Evangelischen Kirche ehrenamtlich aktiv ist, der ist sicher erstaunt darüber, dass da überhaupt noch Platz für das Hobby Wandern bleibt. Die Leidenschaft, sich zu engagieren und mit zu gestalten spricht aus Christa Bätz, die beruflich als Lehrerin in Lüdenscheid aktiv war – zuerst an einer Grundschule in der Oberrahmede, später viele Jahre am Bergstadt-Gymnasium.

In Heidelberg, wo sie geboren wurde, kam Christa Bätz im Konfirmanden-Unterricht erstmals in näheren Kontakt mit der Evangelischen Kirche. Hier war die Musik der Schlüssel zu ihrem Herzen und sie sang mit viel Freude im Chor. „Ich kann bis heute noch viele der Strophen, der Lieder die wir damals gelernt haben, auswendig“, lacht sie. Und so lag es während ihres Studiums nahe, auch dem Chor der evangelischen Studentengemeinde beizutreten. Die Intensität des Singens begeisterte Christa Bätz. Häufig ging sie damals mit anderen Sängern sonntags vor dem kirchlichen Gottesdienst in verschiedene Krankenhäuser Heidelbergs und sang dort für die Kranken. Während des Studiums lernte sie ihren heutigen Mann Erhard kennen, der Theologie studierte. Mit ihm konnte sie bereden, was sie bei ihrem bis heute geschätzten theologischen Lehrer Professor Eisinger lernte. Das war spannend und unterschied sich sehr von dem, was sie durch die Gottesdienste ihrer Heimatgemeinde in Heidelberg-Handschuhsheim wusste. „Die andere Sicht hat mich gereizt und dass man lernt, Zweifel richtig einzuordnen“, sagt sie.

Ihrem Mann, der an die westfälische Kirche gebunden war, nach Lüdenscheid folgend, wurden Christa Bätz und ihr Mann 1968 von Pfarrer Heinrich Schäfer getraut, ihre Kinder Cordula und Matthias kamen auf die Welt. In den 1970er Jahren absolvierte sie dann ein Studium der Theologie und der englischen Sprache. Als sie schließlich 1981 am Bergstadt-Gymnasium als Religion- und Englischlehrerin eingestellt wurde, erinnert sie sich: „Ich habe hauptsächlich Religion unterrichtet. Es gab ausreichend Englischlehrer, aber nur wenige für das Fach Religion.“

Damals erwachte auch ihr Interesse an feministischer Theologie. „Es gab spannende Bücher darüber und ich entdeckte, wie viele Frauen um Jesus waren und welch bedeutende Rolle Frauen in der frühen Kirche spielten“. Im Kreis der Pfarrerfrauen, wo sie früh gemeinsame Treffen mit organisierte, wurde Christa Bätz dann „irgendwann einmal“ gefragt, ob sie nicht einen Vortrag zu dem ein oder anderen theologischen Thema halten wolle, und so entwickelte sich hieraus eine Aufgabe, die sie später in den Leitungskreis des Pfarrfrauendienstes auf landeskirchlicher Ebene brachte. Hier organisierte sie dann komplette Tagungen für Pfarrfrauen. Heute noch ist sie für die Öffentlichkeitsarbeit und die Homepage des Pfarrfrauenforums der westfälischen Landeskirche zuständig.
Auch in kirchlichen Frauengruppen wie Abendkreisen oder bei Frühstückstreffen wurde sie zu Vorträgen eingeladen.

Im Ökumenekreis „Frauen in der Kirche“ plant und gestaltet Christa Bätz gerne Abende mit Gesang, Gebeten und Gesprächen oder – wie auch andere der Frauen in diesem Kreis - stellt interessante neue Bücher vor.

„Mein Glaube bewegt mich dazu, das Leben zu lieben und dankbar zu sein für alles Schöne. Aber er bewegt mich auch dazu, aktiv zu werden gegen Ungerechtigkeit, Vorurteile, Hass und Gewalt. Deshalb engagiere ich mich zum Beispiel im Interreligiösen Forum.“ Als Mitbegründerin und eine der Sprecherinnen des Interreligiösen Forums Lüdenscheid setzt sie sich für Vielfalt, Toleranz und ein Miteinander der Religionen ein. Dieses Engagement versteht sie als Friedensarbeit im Sinne der Bergpredigt Jesu.

Ihrem Hobby, dem Singen im Chor, ist sie natürlich auch treu geblieben. Regelmäßig wirkt sie im Kirchenchor Heedfeld mit. Und zum Wandern trifft sie sich gemeinsam mit ihrem Mann regelmäßig mit Freunden, „um die heimische Umgebung zu erkunden“. Immerhin vier der 30 deutschen Jakobswege ist sie mit ihrem Lebensgefährten auch schon entlanggewandert. Und wären da nicht die beiden fünf und sieben Jahre alten Enkelinnen Mathilda und Magali, mit denen Oma gerne zum Spielplatz geht und ab und zu auf dem Trampolin springt, könnten es vielleicht auch schon ein paar mehr sein.

 

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