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"Ein Lied hat Macht, die Dämonen zu vertreiben!"

  

Pfarrer Bodo Meier als Martin Luther. (Foto: Raith)

Von Guido Raith 

In Erwartung eines außergewöhnlichen Abends, der es sowohl in kirchlich-kultureller Hinsicht als auch in lukullischer Form werden sollte, kamen insgesamt 63 Gäste in das Martin-Luther-Haus nach Herscheid, um hier das Bühnenstück „Luther und seine Lieder“ zu sehen und anschließend mittelalterliche Gaumenfreuden beim „Luthermahl“ zu erleben.

Als kleine Einstimmung in den Abend in mittelalterlichem Rahmen servierten als Burgfräulein verkleidete junge Helferinnen des Jugendkreises zur Begrüßung der Gäste Honig-Met als Willkommenstrunk. Und auch einige Besucher hatten sich schon im Vorfeld auf das Thema Mittelalter eingestimmt und kamen bereits verkleidet in Kutte, Wams oder Tunika in den Saal des Luther-Hauses. Dort erwartete die Teilnehmer eine rustikal mit stilechtem Tongeschirr dekorierte Tafel im Kerzenlicht nebst Dolch und Trinkkrug für jedes Gedeck.

Presbyterin Ruth Rabenschlag, die keine Mühe gescheut hatte, alles für ein gefühlt echtes Mittelalterambiente mit Luthermahl mitten in Herscheid zu planen und zu organisieren, begrüßte die Gäste und leitete über zum Bühnenstück „Luther und seine Lieder“.

Hier zeigte sich Pfarrer Bodo Meier in der Rolle Martin Luthers einmal von einer ungewohnten Seite: Als Rezitator, Schauspieler oder virtueller Wegbegleiter des Reformators gab Meier - in seiner Studierstube sinnierend - aufschlussreiche Einblicke in das Leben Luthers und ließ seine Zuschauer teilhaben an dessen musikalischer Ideenfindung und Motivation zu ersten Kirchenliedern. „Die rechte Musik und das rechte Wort – gemeinsam zum Lobe Gottes!“, so habe Luther es gewollt, beschrieb Bodo Meier gestenreich und stimmgewaltig. Und wie das dann im Ergebnis schließlich klang, ergänzte die Kirchenmusikerin Christine Wallnau-Töpfer aus Brilon mit ihren solistischen Gesangseinlagen, in denen sie einfühlsam vergessenen Melodien alter Luther-Choräle neues Leben einhauchte. Um selbst einen Eindruck dessen zu gewinnen, was Luther an Melodien zur Verbreitung seiner reformatorischen Ideen erdachte, lud Christine Wallnau-Töpfer die Gäste dann immer wieder ein, mit einzustimmen. „Ein Lied hat Macht, die Dämonen zu vertreiben“, zitierte Bodo Meier Martin Luther und gab so wieder, wie der Reformator gedachte, mit der Musik und der Reformation, ganz Deutschland im Sturm zu erobern, was dann doch nicht ganz so einfach gelingen sollte. Wegpunkte im Kirchenjahr sollten durch festliche Lieder unterstützt werden, erläuterte Bodo Meier, und erklärte Ursprünge und Intention Luthers. In seinem rund einstündigen Bühnenstück ließ Meier einen derben, humorvollen und auch launischen Reformator auftreten. Er litt, ereiferte sich, zeterte und hielt dann Ansprachen zum Lobe Gottes. Nicht ohne Selbstkritik und dennoch immer wieder mit der für Martin Luther typischen Portion Eigenlob machte Meier auch die Zweifel und Zerissenheit des Reformators deutlich. Dem Publikum gefiel es, und der verdiente Applaus war Bodo Meier und Christine Wallnau-Töpfer sicher.

 

Christine Wallnau-Töpfer.

Abgerundet wurde das mittelalterliche Erlebnis in Herscheid schließlich mit dem stilechten Luthermahl – unverfälscht, kräftig, üppig und deftig. Als Vorspeise servierte das Küchenteam nach Ideen von Ruth Rabenschlag „im steinernen Ofen gebackenes Brot, dazu Schmalz aus dem Speck des gemeinen Hausschweines und Rahm von jungen Zicklein“. Nach „rahmigem Karotten-Süpplein“ kam als Höhepunkt ein „deftiger Ritterschmaus aus feinen Stücken vom  Borstenvieh“ auf den Teller. Umrahmt wurde das Luther-Mahl mit Auftritten von Karsten Söhnchen, der seine Späße als „Kasper, der Gaukler“ trieb und den Ausflug in die Welt des Mittelalters abrundete.

 

Das Team der Helfer mit Initiatorin Ruth Rabenschlag (Mitte).

 

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