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Okko Herlyn in der Ev. Kirche Heedfeld: „Sa-gen-haft!“

 

Humor haben sie, die Heedfelder. Und das sogar, wenn einer wie Okko Herlyn in seinem Kabarett-Programm mit Augenzwinkern auch die empfindlichen alltäglichen Kuriositäten in der ureigenen Sauerländer Mentalität erspürt, mit erstaunlicher Treffsicherheit pointiert und raffiniert durch den Kakao zieht. Nach gut zwei Stunden verabschiedete ein begeistertes Publikum in der Ev. Kirche Heedfeld den Duisburger Künstler mit großem Applaus aus dem Altarraum. Mit Witz und manchmal bissiger Ironie hatte sich der Theologe in seinem Programm direkt in die Herzen der Zuschauer gespielt und gesungen.

„Kabarett ist keine Verkündigung!“, stellte Herlyn gleich zu Beginn klar, um seine Gäste anschließend humorvoll mit auf eine Reise in den evangelischen Alltag mit hohem Wiedererkennungswert mitzunehmen. Da gab es die Begegnung mit dem unkonventionellen jungen Prediger, der erst mit sich selbst zu klären hatte, ob er bei der Kollekte nun vor, neben, hinter oder gar unter dem Altar sein sollte. Oder den Beginn einer Predigt, die vom verlorenen Autoschlüssel ohne Umwege direkt in die Heilige Schrift führte, bis hin zu Pfarrer Herkenrath, der mit einem schwierigen Bibeltext kämpfte und kurzerhand die „Einflugschneise“ über eine Begegnung im Supermarkt fand. Beim Gedanken der „Kirche für Alle“ fragte Herlyn sich und das Publikum mit erdigem Ruhrpott-Slang: „Watt ham die Pastoren da eigentlich noch zu tun?“, und die Prädestinationslehre sah der Kabarettist mit den Augen des Fußballfans ganz schlicht: „Datt ich hier die Sportschau gucken tu – da kann ich gar nix für. Datt is allet vorbestimmt.“

Ein fiktiver Besuch in der Seniorentagesstätte mündete in der Gesangszeile „Ich jammere dir von früh bis spät die Hucke voll, denn mein Gejammere finde ich vor allem selber toll.“ Beim Thema Luther kam Herlyn schließlich auch zur Kirchen- und Chormusik und stellte seine Entertainer-Qualitäten deutlich unter Beweis. Mit Gesangsübungen eines fiktiven Chorleiters, der durch seine stereotypen Übungen die eigenen kleinen Marotten offenbart, hielt er sein Publikum in Schwung und ließ alle unisono und monoton singen: „Martha möchte morgens manchmal Marmorkuchen machen.“

Vom Rednerpult wechselte Okko Herlyn in Hanns-Dieter-Hüsch-Manier immer wieder zum Piano, schmetterte neben Klangvollem hie und da auch zum entsprechenden Text passende Disharmonie ins Publikum und empfahl nach kontroverser Betrachtung von Luthers Zwei-Reiche-Lehre ganz direkt: „Einfach mal selber nachdenken!“

Im letzten Teil des Programms gab Herlyn seinen Zuschauern mit der Betrachtung aktueller Geschehnisse in der Welt noch einmal Stoff zum Nachdenken, lieferte ein Statement gegen Fremdenfeindlichkeit und Stammtisch-Parolen und nahm das Vokabular aus den aktuellen Nachrichten unter die Lupe. Die Frage „Wo ist der Krieg so plötzlich hingekommen?“ beantworte Herlyn mit „Korrekt entsorgt im Plauderton der Zeit.“ und zeichnete damit ein entlarvendes Bild medialer Betrachtung.

Dem begeisterten Beifall der Zuschauer in der Ev. Kirche Heedfeld antwortete Okko Herlyn zum Ende sein er Darbietung mit dem von ihm erdachten „Heedfelder Dreisatz“: „Sa-gen-haft!“

 

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