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Prof. Dr. Heinz Schilling: „Luther war kein Macho.“

 

 

 Von Guido Raith

Meinerzhagen. Wer war Martin Luther wirklich und wie wirkte er in seiner Zeit? – Diese und ähnliche Fragen bewegten zahlreiche Besucher der Aula des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen, die zur Lesung und anschließenden Fragerunde mit dem Autoren und Historiker Prof. Dr. Heinz Schilling gekommen waren. Schilling, von Lehrer und Moderator Thomas Walter als „einer der weltweit besten Experten in Sachen Luther“ gepriesen, ist unter anderem Autor einer der derzeit angesehensten Luther-Biographien mit dem Titel „Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs“. Als Veranstalter fungierten der Verein zur Förderung von Kommunikation und Kultur in Kierspe und Meinerzhagen (KUK e.V.), die Meinerzhagener Buchhandlung Schmitz und das Evangelische Gymnasium Meinerzhagen.

Prof. Dr. Heinz Schilling leitete den Abend mit einigen Zeilen aus seinem Buch „1517 – Weltgeschichte eines Jahres“ ein, in dem die Ereignisse von 1517 als Ausgangspunkt für eine Erkundung der Welt, in der Luther und seine Zeitgenossen leben, genommen werden. Schilling stellte die Reformationsbestrebungen in den Kontext der europäischen und globalen Ereignisse des 16. Jahrhunderts: „Hier beginnt an vielen Ecken und Enden etwas.“ Damals seien die Fragen unserer Zeit geboren worden, so zitierte der Autor und Historiker einen Rezensenten.

In seinen weiteren Ausführungen stellte Schilling fest, dass der religiöse Kern Luthers für uns heute nur schwer begreifbar sei. Schilling: „Diesem Mann ging es um das Leben nach unserem diesseitigen Leben.“ Luther gehe von dem Seelenheil erst in einem Jenseits aus. Einer der Hauptgedanken des Reformators sei die von Gott frei geschenkte Gnade.

Auf der Bühne befragte Thomas Walter den Autoren und Historiker schließlich zu verschiedenen Themengebieten rund um Martin Luther. Begonnen bei der Familie („Luther kam aus einer bäuerlichen Familie, nicht aus der Unterschicht.“), gefolgt von prägenden Lebensereignissen („Er hatte einen rächenden Gott vor Augen und erfuhr bei einem Blitzschlag, dass er plötzlich und unvorbereitet vor seinem Schöpfer stehen kann.“) über den Reichstag in Worms („Er hat ungeheuren Mut bewiesen. Ohne diesen Mann wäre die Entwicklung nicht in Gang gekommen.“), bis hin zu Luthers vermeintlichem Thesenanschlag („Ich halte das nicht für kriegsentscheidend, ob angeschlagen, oder geklebt wurde.“) gab Prof. Dr. Heinz Schilling mit profunder Kenntnis Einblicke in das Leben des Reformators und setzte sie häufig in Beziehung zur Zeitgeschichte.

Zu Luthers Sprachbildern befragt, konstatierte Schilling: „Er hat dem Volk aufs Maul geschaut. Ohne Zweifel war er eine große Sprachbegabung.“ Da er den Papst als Antichrist bezeichnete, sei kaum noch eine Übereinkunft möglich gewesen, aber auch das müsse man in Bezug auf Luthers Sprachtalent sehen, so Schilling weiter.

Auf Luthers Verhältnis zu den Frauen angesprochen, meinte Schilling: „Luther war kein Macho. Er hat Katharina von Bora in vielen Bereichen freie Hand gegeben.“ Es sei eine sehr gute Ehe gewesen. Das Ergebnis der Reformation wäre das rigide Durchsetzen des Zölibates gewesen und der protestantische Pfarrer musste verheiratet sein, so Schilling.

Dazu befragt, wer wohl für ihn heute eine Art Lutherfigur wäre, antwortete Heinz Schilling:“ Helmut Kohl.“ Auch er habe ein gewisses Selbstbewusstsein unter dem Motto „Ich bin auf dem richtigen Weg“ gezeigt. Für Luther und ihn sei das „Bohren dicker Bretter“ typisch gewesen. „Der Unterschied ist, dass Luther bald zu einer Art neuem Heiligen aufgestiegen ist“, so Schilling. Und im Nachsatz: „Bei Kohl sehe ich das nicht.“

Im Anschluss an das Gespräch auf der Bühne hatte das Publikum Gelegenheit, den Autoren zum Thema zu befragen.

 

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