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Bestattungskultur im Wandel

 

Beim offenen Gesprächskreis gab es nicht nur viele aktuelle Informationen zu der „Bestattungskultur im Wandel“, sondern auch einen regen Austausch der Teilnehmer zu dieser Thematik (Foto: Salzmann)

  

Von Monika Salzmann

SCHALKSMÜHLE-DAHLERBRÜCK + „Im Sauerland sind noch 80 Prozent aller Bestattungen kirchlich. Ich gehe jedoch davon aus, dass das weniger wird.“ Einen Wandel der Bestattungskultur machte Pfarrer Dirk Vetter, der im Kirchenkreis vielfältige Aufgaben wahrnimmt, am Dienstag beim offenen Gesprächskreis der evangelischen Kirchengemeinde Schalksmühle-Dahlerbrück innerhalb der Gesellschaft aus. „Anonyme Bestattungen werden zunehmen“, mutmaßte der Pfarrer bei seinem interaktiv geführten Vortrag zum Thema „Bestattungskultur im Wandel – Geschichte und Verständnis aus christlicher Sicht“ in der Kreuzkirche. Lebhaft beteiligten sich die Zuhörer am Dialog.

Einen kurzen historischen Einblick in die Bestattungskultur vergangener Zeiten schob Vetter seinen Ausführungen über Gründe für den Wandel, persönliche Erfahrungen bei Trauergesprächen und Standpunkte der Kirche voran. Erdbestattungen seien durch den christlichen Glauben und jüdische Tradition aufgekommen, erläuterte er. Vorher habe es Feuerbestattungen gegeben. Über Jahrhunderte hinweg habe die Kirche Erdbestattungen favorisiert. In Großstädten liege die Zahl der Urnenbestattungen heutzutage allerdings schon bei 75 Prozent. Erste Feuerbestattungen habe es 1872 in Deutschland gegeben. Drei Krematorien – in Leipzig. Heidelberg und Hamburg – hätten damals existiert. Diese hätten eine antikirchliche Ausrichtung gehabt und seien von Freidenkern, die nicht an die Auferstehung geglaubt hätten, initiiert worden. „Die Kirche hat sich sehr schwer damit getan“, gab Vetter zu. Dabei sei die katholische Kirche noch stärker für die Erdbestattung eingetreten als die evangelische Kirche.

Pfarrer Dirk Vetter (trechts) sprach im Gemeindezentrum Kreuzkirche zum Thema "Bestattungskultur im Wandel - Geschichte und Verständnis aus christlicher Sicht“ (Foto: Salzmann)

Allerdings habe auch hier ein Umdenken eingesetzt. Für die Wahl von Erd- oder Urnenbestattung erlebe er in der Seelsorge unterschiedliche Gründe, berichtete der Pfarrer.  Es gebe Menschen, die ihr Leben lang Angst vor dem Feuer gehabt hätten und aus diesem Grund eine Feuerbestattung ablehnen. Auf der anderen Seite gebe es Menschen, die sich aus Angst vor Würmern gegen eine Erdbestattung aussprechen. Pro Urne spreche für viele die geringe Arbeit bei der Grabpflege. Finanzielle und Glaubensgründe für die Wahl der Bestattungsform sprach er an.

Große Veränderungen machte Vetter bei gängigen Ansichten über das, was nach dem Tod kommt, aus. Aussagen wie: „Die Seele lebt als Teil von etwas Größerem weiter“, würden nur noch 14 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen bejahen. Bei der Aussage: „Es kommt nichts mehr“, würden indes 49 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen zustimmen. Es sei eine zunehmende Individualisierung der Bestattungen feststellbar. Auf den in Mode gekommenen Friedwald, kommerziell betriebene Krematorien, anonyme Bestattungen („Werden zunehmen“), die Aufweichung des Friedhofzwangs in Bremen und vieles mehr ging er ein. Manch seltsame Blüten des Bestattungswesens wie die Möglichkeit, die Asche des Verstorbenen zu einem Diamanten pressen zu lassen wie in Holland oder die Raketenbestattung samt (Aschen)Feuerwerk in Tschechien kamen am dem Abend ebenfalls zur Sprache.

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