< zurück zur Übersicht

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst.“

 

Klaus Majoress, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg (Foto: EKKLP)

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Durch das kommende Jahr 2018 soll uns ein Losungswort begleiten, das ich als sehr wegweisend empfinde. In der Offenbarung 21, 6 heißt es: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst.“

Wahrscheinlich haben Sie das auch schon mal erlebt: Ich war kürzlich auf der A45 von Meinerzhagen nach Lüdenscheid unterwegs. Plötzlich war ich mitten in einer dichten Nebelwand. Von einem Moment auf den nächsten geht die Orientierung verloren, das Sicherheitsgefühlt wird in schlimme Mitleidenschaft gezogen. Nichts erscheint mehr so klar wie zuvor. Die ganze Konzentration galt den weißen Strichen auf der Autobahn als letzte Orientierungshilfe. Wie wohltuend ist es da, wenn auf einmal wieder gute Sicht ist und der Nebel weicht.

Ich musste an diese Situationen denken bei dem Wort der Jahreslosung. Sie steht im letzten Buch der Bibel in der Offenbarung oder Apokalypse. Apokalypse heißt wörtlich übersetzt Entschleierung. Es hebt den Schleier. Oder um es in dem anderen Bild zu sagen. Es vertreibt den Nebel. Es zeigt, was ist und werden wird. Es offenbart sich etwas, das wir in unserer begrenzten Menschlichkeit nicht fassen und begreifen können. Da von einem Geschehen die Rede, das schrecklich über uns hereinbricht, einem Endzeitgeschehen. Viele Bilder von Katastrophen und Zerstörung unserer Tage lassen mich aufschrecken, wenn ich die biblischen Bilder der Offenbarung dazu lese. Da ist aber auch davon die Rede, dass nach allen erschreckenden Ereignissen Gott eine neue wunderbare Welt eröffnen wird denen, die an ihn glauben, ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Geschrei. Tränen werden abgewischt. Die Nebel dessen, was wir nicht fassen können, wenn Krankheit, der Tod und Schmerzen nach uns greifen, werden beseitigt, die Schleier sozusagen gelüftet. Alles bekommt einen Sinn und alles ist aufgehoben in Jesus Christus, als dem, der mit seinen liebenden Armen uns umfängt.

Eines der wunderbaren Bilder ist auch dieses Wort der Jahreslosung. „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst“. Wasser ist die Grundlage des Lebens überhaupt, Wassermangel bedeutet Lebensrisiko. Man kann ohne Essen lange Zeit auskommen und leben, aber ist kein Wasser mehr da, dann mergelt der Körper in kurzer Zeit aus. Durst nach Wasser kennen wir in unseren Breiten nicht wirklich. Aber es gibt viele andere Menschen auf der Welt, die das erleben und erfahren müssen, im Nordosten Afrikas in besonderer Weise. Unvorstellbare Bilder stehen mir vor Augen. Aber ich frage mich manchmal, ob wir nicht auch an so etwas wie Lebensdurst leiden. Wer damit groß wird, dass es im Leben darauf ankommt, alles zu haben, zu besitzen und jeden Wunsch sofort erfüllt zu bekommen, für den bricht das Leben zusammen, wenn Brüche ins Lebens kommen und unser ganzes Lebenskonzept ins Wanken kommt.

Den Durst nach Leben stillt Gott, das ist Botschaft der Jahreslosung. „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst“. Zu denken, wenn ich alles habe, dann bin ich auch etwas, das ist der große Irrtum. Aber zu leben mit Vertrauen zu meinem Nächsten, zu leben mit der Liebe, die trägt auch wenn es schwer wird, das Leben als Geschenk zu nehmen und nicht immer mit dem Gefühl des Verlustes, das ist das, was Gott schenkt in unserem Glauben.

Vieles bleibt noch im Nebel, vieles das auch ich nicht verstehen und fassen kann, aber entschleiert oder ‚entnebelt‘ ist das, was Gott uns geben will und wird. Das zu erfahren, ist die Chance, wenn wir dieses Wort mitnehmen in das neue Jahr.

Es mag für sie ein erfülltes und gesegnetes Jahr werden, und wenn Sie den Durst nach Leben verspüren, dürften Sie gewiss sein, dass Gott ihren Durst stillen wird.

Ein gesegnetes neues Jahr.

Klaus Majoress, Superintendent

 

 

< zurück zur Übersicht

Veranstaltungen und Termine

Alle Veranstaltungen und Termine >