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"Hat Hilfsbereitschaft eine Grenze? "

 

Klaus Majoress, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, richtet seinen Blick bei der Andacht zum Weihnachtsfest 2017 auf ein weiterhin aktuelles Thema (Foto: EKKLP / Raith)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

es gab vor zwei Jahren eine Predigt, über die ein ganzes Land und Menschen in aller Welt bis heute diskutieren. Sie stammt von der Tochter eines evangelischen Pastors, die ihrer großen Gemeinde voller Überzeugung sagte: „Wir schaffen das!“ Und als ihr immer weniger Menschen glauben wollten, dass es keine Obergrenze für Kriegsflüchtlinge geben dürfe, mahnte sie: „Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen, dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ Es waren untypische Worte für unsere Kanzlerin, aber sie kamen mir in der Weihnachtsvorbereitung immer wieder in den Sinn.

Hat Hilfsbereitschaft eine Grenze? Und wer darf sie ziehen? Sind wir nicht gerade Weihnachten gefordert darüber nachzudenken, dass es um Fluchtgeschichten geht, die uns in der Bibel erzählt werden? Kann es sein, dass sich Gott in diese Welt mit all ihrem Leid hineinbegibt und wir ziehen uns in die eigenen vier Wände zurück?

Ich gestehe, es ist nichts einfach im Leben und einfache Antworten auf drängende Probleme sind schon gar nicht angesagt. Das Weihnachtsgeschehen bleibt letztlich ein Geheimnis, unerklärlich, dass Gott in einem Kind Mensch wird und dass ein Kind zum Retter dieser Welt wird. Nicht in einem Zentrum der Macht, sondern am Rand der Gesellschaft kommt Gottes Sohn zur Welt. Nichts Besseres als ein Stall wird zum Ort seiner Geburt. Eine Frau auf der Reise ist seine Mutter. Einige Hirten, die in der Nähe ihre Tiere hüten, sind die ersten Gäste.

Aber die Botschaft, dass Gott Mensch wird, rückt in den Mittelpunkt, was sonst am Rand geschieht und von den wenigsten gesehen wird. Vergessen wir nicht, auf welcher Seite er steht. Vergessen wir nicht die, die umgetrieben sind vom Leben und die, die auf Heimatsuche sind und die, die kein Obdach haben und die vielen anderen, die das Leben angreift. Und vergessen wir auch die nicht, die Weihnachten nicht in familiärer Idylle erleben können, sondern sich für andere einsetzen, in den Krankenhäusern, Alteneinrichtungen und Pflegediensten, in den Rettungswachen und an vielen anderen Orten.

Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest

Klaus Majoress

Superintendent

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