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Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Luk. 18, 31
Wer Jerusalem besuchen will, der muss bergauf gehen, denn diese Stadt liegt auf dem Berge.
Das war damals zur Zeit Jesu so, das ist noch heute so. Als die Jünger mit Jesus nach Jerusalem zogen, da hatten sie ein Ziel vor Augen, dort sollte etwas Großartiges geschehen.
Es ging bergauf, das spürten sie, das machte sie glücklich. Bald würde Jesus seine Maske abfallen lassen und sich endlich als der erwartete Messias erweisen. Sie gingen bergauf, und sie fühlten, mit uns geht es bergauf. Bald gehören wir zur Regierungsmannschaft Jesu, dann haben wir es geschafft, dann sind wir oben.
Als es bergauf ging, da waren sie geblendet. Sie hatten ihre Hoffnungen und Pläne, sie hörten gar nicht, wie Jesus das Ziel beschrieb: „Der Menschensohn wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten und am dritten Tag wird er auferstehen.“
Sie hörten gar nicht zu, als Jesus ihnen das Ziel angab. Sie wollten es auch nicht hören. Es ging doch bergauf, bald war der Berg erklommen. Dann waren sie oben, ein herrliches Gefühl.
Bergauf geht man einem Ziel entgegen, dem man immer näher kommt. Solche Ziele brauchen wir, wenn es bergauf gehen soll. Dafür wird auch manches Opfer verlangt.
Da frage ich mich zum einen: Für welche Ziele und Werte würde ich mich einsetzen, meine Knochen hinhalten oder auch Opfer bringen? Dieser Weg bergauf führt doch irgendwohin. Was erwarte ich oben auf dem Berg? Es gibt in unserer Welt viele, die jahrelang nur bergauf gestiegen sind. Nun sind sie oben – und die meisten sind am Ende. Wer eine Leiter emporsteigt, findet hinter der obersten Sprosse den Abgrund. Wer zu dem Ziel „herrschen und leben“ emporsteigt, der findet sich da oben nicht zurecht.
Jerusalem, das Ziel Jesu, ist bei Lukas mehr als ein Ortsnamen. Es ist der Ort, wo das Reich Gottes verwirklicht wird, wo Liebe und Fürsorge den Tag bestimmen. Es ist das Ziel der Vollendung des Heils, das Gott den Seinen bereitet hat. Dort oben auf dem Berg ist Golgatha, die Stätte der Kreuzigung, und dort ist Ostern, die Stätte der Auferstehung.
Da frage ich mich zum andern: Weiß ich eigentlich, dass meine Wege auch nicht immer die himmelhochjauchzenden sind, dass das Kreuz des Versagens, des Stolperns und des Sterbens mich auch auf dem Weg bergauf still begleitet?
Doch ich gehe den Weg nicht allein. Neben mir sind Menschen wie Petrus, Johannes oder Judas, alle gehen mit ihren Gedanken den Weg bergauf – und der, der unsichtbar mit uns geht, der weist uns auf das Ziel hin. Das muss nicht eitel Sonnenschein sein, es darf etwas ausstrahlen von Gottes Erbarmen, Liebe und Fürsorge. Kreuz und Sterben, Auferstehung und neues Leben liegen vereint in dieser Stadt. Lasst und gemeinsam hinaufgehen nach Jerusalem, dem Ort des lebendigen Gottes.
Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen
Ihr Rüdiger Schmale, Pfarreri.R. aus Werdohl
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