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Liebe Leserinnen und Leser,
„gib dem Hungrigen dein Brot und mach den Darbenden satt! Dann geht in der Finsternis dein Licht auf, und deine Nacht wird hell wie der Tag!“ dazu fordert Jesaja die Menschen in seiner Zeit auf. Das ist wahrer Gottesdienst. Man kann sich auf viele Beispiele christlicher Nächstenliebe berufen. Taten christlicher Nächstenliebe gibt es in allen Bereichen kirchlichen Lebens. Bis heute genießen die christlichen Kirchen ein großes Vertrauen der Menschen in ihre diakonischen Einrichtungen und Taten.
Aber der Hunger der Menschen in der dritten Welt, die vielen Opfer von Krieg und Terror stellen uns vor die Fragen: Wie steht es mit gerechten Strukturen? Können wir das einfach so hinnehmen, dass auf der eine Seite der Erdhalbkugel die Industrienationen an der Armut der anderen Länder profitieren und auf der anderen Seite Menschen verhungern müssen? Ist der Wohlstand der Industrienationen nicht auf der Armut Millionen anderer aufgebaut? Es geht in dem Jesajawort nicht mehr nur um Almosen, vielmehr müssen wir in ganz neuer Weise das Lebensrecht aller Menschen dieser Erde verstehen lernen.
Einsatz für den Glauben an Jesus Christus bedeutet immer auch Einsatz für Gerechtigkeit, unter uns und in weltweiten Zusammenhängen. Ein Besuch in Indonesien hat es mir deutlich gemacht. Vor einigen Jahren war ich auf Sumatra in unserem Partnerschaftskirchenkreis. Sumatra ist ein Landstrich voller Reichtum an Naturprodukten und Bodenschätzen. Die Menschen haben keinen Hunger. Und dennoch sind sie erschreckend arm. Ihr Reichtum verhilft ihnen nicht zu Fortschritt und Wohlstand, weil ihre Produkte auf dem Weltmarkt keine Abnahme finden. Umgekehrt sogar, westliche Firmen lassen wegen der Billiglöhne dort produzieren, mit denen sie die Arbeitskraft der Menschen nutzen, um sich selbst zu bereichern. Ganz aktuell verschärft sich die Situation durch die erneute Katastrophe mit Überschwemmungen, Vernichtung von Land und Häusern und tausenden von Toten.
Der Wohlstand der Industrienationen lebt auf Kosten der Armut vieler Länder in dieser Welt. Ob das dem Geiste Jesu entspricht?
Manchmal komme ich mir sehr hilflos vor, wenn ich das sehe und weiß keinen Rat, wie ich etwas ändern kann. Dennoch ist es wichtig, sich der Verantwortung in weltweiten Horizonten bewusst zu werden. Die große Welt ist klein geworden, längst können wir nicht mehr so tun, als würde sich das nicht auf das Miteinander in der Welt auswirken.
Es gibt kleine Zeichen, in denen Menschen Konsequenzen aus dieser Erkenntnis ziehen. Der Kauf von Produkten aus dem „Fairen Handel“ steht gläubigen Menschen gut. Sie tragen dazu bei, dass kleine Schritte getan werden, um Gerechtigkeit im Miteinander der Menschen zu schaffen.
Mich bewegen Menschen, auch kirchliche Würdenträger, die in aller Konsequenz Verantwortung für die Armen dieser Welt übernehmen und für Gerechtigkeit einstehen – auch mit ihrem Leben. Sie setzen Zeichen, die uns aufhorchen lassen müssen, uns ins Nachdenken bringen.
„Und deine Nacht wird hell wie der Tag“. Gottes Verheißung ist unübersehbar. Wer sich auf den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens unter den Völkern begibt, ist auf dem Weg Gottes, den er mit seinem Sohn – Jesus Christus – gegangen ist. Befreien wir die Glaubensverkündigung von ihrem Charakter, nur dem ewigen Heil der individuellen Seele verpflichtet zu sein. Die Nacht unserer Glaubwürdigkeit nimmt dann ihr Ende, wenn wir dazu beitragen, den Menschen ihr menschliches Antlitz und damit ihr Recht auf Menschenwürde und Achtung, ihr Recht auf Leben, wiederzugeben.
Erntedankfest, d.h. aus der Dankbarkeit für das Gegebene erwächst Licht, wenn es uns zum Nächsten weist. Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Erntedankfest.
Ihr Klaus Majoress
-Superintendent-
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