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Große Festmusik erlebt die Rönsahler Servatiuskirche: mit dem berühmten Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach feiern nicht nur die Rönsahler Kirchenkonzerte ihr 20-jähriges Bestehen, sondern erklingt ein Meisterwerk des großen Barockkomponisten in unserer Stadt. Gemessen an seinem vielfältigen Wirken und nachhaltigen Einfluss auf die Musikgeschichte müsste er ‚Meer‘ statt ‚Bach‘ heißen - zeichnet aber bescheiden seine Werke mit dem Kürzel SDG: Soli Deo Gloria - Gott allein zur Ehre! Gottesehre und Menschenfreude gleichermaßen verspricht das heutige Oratorium: großer Chor, konzertantes Orchester und vier ausdrucksstarke Solostimmen singen und spielen die Weihnachtsgeschichte in die Herzen der Zuhörer, ein Glanzpunkt geistvoller Musik und geistlicher Dichtung, ein Ohrenschmaus für Leib und Seele.
Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage!
Rühmet, was heute der Höchste getan!
Mit einem wahren Paukenschlag setzt das Weihnachtsoratorium ein und beginnt mit Pauken und Trompeten, Querflöten und Streichern den Eingangschoral. Jubelnde Frauen- und kräftige Männerstimmen rufen die Botschaft von der Geburt des Gottessohnes aus: das darf alle Welt wissen, sollen alle Menschen erfahren, wie sehr Gott diese Erde liebt und am Leben hängt. Immer wieder nimmt die Musik das Eingangsmotiv auf, als wollte sie die Zuhörenden zum Aufbruch ermuntern: Komm mit, das musst du selbst erlebt haben! Gott bleibt nicht im fernen Himmel, sondern wird ein Mensch aus Fleisch und Blut! Seit Weihnachten kennt Gott die Erde von unten und lernt das Leben von Kindesbeinen an. Er ist wie du und ich geworden, damit wir nicht ohne ihn sind, nicht gottlos bleiben müssen. Darum komm zur Krippe und freu dich satt an der Freundlichkeit Gottes!
Lasset das Zagen, verbannet die Klage!
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!
Was nun in sechs einzelnen Kantaten folgt, ist nichts anderes als das komponierte und musizierte Weihnachtsevangelium nach Lukas und Matthäus, das ursprünglich für die sechs Gottesdienste vom Christfest bis zum Dreikönigstag bestimmt war und erstmals 1734 in Leipzig aufgeführt wurde: die Geburt Jesu in Bethlehem während einer staatlichen Volkszählung in Israel, das helle Licht des Himmels auf stockfinsteren Schafweiden und erschrockene Hirten der Nachtschicht als erste Geburtstagsgäste an der Krippe. Aber auch die Anbetung des Gottessohnes durch weit gereiste Sterndeuter und seine Beschneidung im Tempel nach jüdischem Ritus berichten die volltönenden Choräle und Arien des Oratoriums.
Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören!
Lasst uns den Namen des Herrschers verehren!
Zwischen den Jubelchören erklingen auch leise Weisen, die behutsam und verhalten von der Traurigkeit der Welt und Dunkelheit der Zeit erzählen: gerade weil die Welt, das Leben, die Menschen an vielen Stellen so trist und unheil sind, sehnen wir uns nach Licht, brauchen wir das Heil unseres Gottes. Diese Sehnsucht nach Geborgenheit und Hoffnung auf Gottes Gnade drückt kein Geringerer als der Dichterpfarrer Paul Gerhardt aus, dessen Lieder das Oratorium auf den Punkt bringen: Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir selbst gegeben! In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und herzlich willkommen zum Weihnachtsoratorium!
Ihr Pfarrer Martin Ahlhaus
Evangelische Kirchengemeinde Rönsahl
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