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Warteschlangen, Warteschleifen oder volle Wartezimmer bringen mich gelegentlich ins Schleudern. Meine eiligen Zeitgenossen und ich sind darauf angewiesen, möglichst schnell und effizient zu arbeiten. Wer allerdings den gefüllten Terminkalender zur Unterstreichung eigener Wichtigkeit braucht ist selber schuld.
Neben der lästigen „Warterei“ gibt es auch die positive (Er)wart(ung). Sie drückt sich in der immer wieder gerne gestellten Kinderfrage aus: „Wie lange noch schlafen bis...?“
In diesem Jahr, dem Jahr 1 seit der Wirtschaftskrise, werden wir wohl auf das Ende derselben warten müssen...
Warten wird durchaus auch belohnt. Wenn die zigste Bewerbung Erfolg hatte, wenn das lange erwartete erste Enkelkind geboren wurde.
Von zwei älteren „Herrschaften“, die ziemlich lange in der Warteschleife waren und dann reich belohnt wurden, berichtet uns die Bibel direkt nach dem Bericht von der Geburt Jesu. (Lk.2). Hanna und Simeon warten auf den „ Trost Israels“ und die „Erlösung Jerusalems“.
Als sie im Tempel in Jerusalem Jesus im zarten Babyalter begegnen, bestätigt sich wieder, dass Jesus eine ganz besondere Person ist. Die beiden lebensklugen, lebenserfahrenen und geistlich topfiten Senioren nehmen Jesus auf den Arm und beginnen prompt, Gott zu loben und zu preisen. Und sie teilen ihr Glück. Bis zum heutigen Tag ist das so: wo Glaube entsteht, wo das Bewusstsein da ist: Jesus ist der Retter der Welt, wird geteilt. Diese Mund- zu Mund-Propaganda ist ein weltweites Phänomen, wie sich das für eine weltbewegende Botschaft gehört.
Wenn also schon in diesem Leben so manche Belohnung auf uns „wartet“, wie viel mehr ist es als eine riesengroße Belohnung anzusehen, dass Gott selbst derjenige ist, der uns er-wartet. Er wartet und freut sich über den Menschen, der ihm sein Leben anvertraut statt es nur für sich und seine eigenen Interessen zu (v)erleben. Seien wir ehrlich: die Gefahr ist groß, dass wir unser Leben dabei auch noch (z)erleben. Am Ende muss nicht die bittere Selbsterkenntnis stehen: Nichts geht mehr, ich hab´s verbockt und kann nichts mehr daran ändern.
Gott macht den Menschen zur Chefsache. Chefs warten lassen ist eher ungeschickt.
Also verschlafen wir nicht den alles entscheidenden Termin beim Chef des gesamten Unternehmens „Rettung meiner Schöpfung“. Diese wichtigste Begegnung überhaupt, wird unsere kühnsten Er-wart-ungen übertreffen. Worauf noch warten? Wir werden erwartet.
Herzlichst Ihre
Brigitte Kölling, Pfarrerin in Lüdenscheid
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