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Des Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele, sagt Jesus Christus (Matth. 20, 28)
Dieser Vers aus dem Matthäusevangelium steht als Wochenspruch über der kommenden Woche.
Mit diesen Worten trat Jesus einem ganz menschlichen Streit unter seinen Jüngern entgegen. Wie es oft im Leben so ist, ging es auch damals schon um Macht und Herrschaft. Zwei Jünger wollten mehr sein als die anderen, die natürlich dagegen Sturm liefen.
Für Jesus war der Grund für diesen Streit - wie für viele Streitigkeiten unter uns Menschen - klar. Er sagte: Die Herrscher dieser Welt üben rücksichtslos Gewalt aus, ja, sie gebrauchen und missbrauchen oft ihre Macht. Ihnen geht es um ihr persönliches Fortkommen, ihren Einfluss, ihre Herrschaft über andere. Jesus wusste, wie groß die Gefahr ist, Macht und Einfluss so auszuüben, dass Lebensnerv und Lebensrecht der Abhängigen unterdrückt werden und untergehen. Das ist nicht Gottes Wille, stellt er ganz eindeutig seinen Jüngern vor Augen.
Nun verband er die Stellung der Jünger untereinander und zu ihren Mitmenschen mit seinem Leben. Er hatte als Sohn Gottes alle Macht im Himmel und auf Erden. Diese Macht nutzte er, um den einfachen Menschen, den Geringen, Abhängigen, Verlassenen und Ausgestoßenen das zu schenken, was sie von keinem Menschen erwarten konnten. Er schenkte ihnen Liebe und Fürsorge. In Wort und Tat diente er ihnen und ließ sie spüren, Gott kennt euch und ist wie ein guter Vater für euch da.
Daran müssen wir als Christen immer wieder erinnert werden. Bei all den Entgleisungen im Wahlkampf und den Affären in Kirche und Gesellschaft können wir den Missbrauch von Macht entdecken. In vielen Bereichen geht es um Herrschaft, Besitz und Stellung. Die Sorge für sich selbst geht manchmal auf Kosten derer, die abhängig sind. Das weiß jeder, doch es wird oft verdrängt.
Jesus eröffnete einen neuen Weg des Lebens. Er nahm bewusst den Tod auf sich, um uns Menschen zu befreien von dieser Sucht nach Anerkennung, Macht und Herrschaft, dem Ursprung aller Sünde und Gottesferne. Seine Auferstehung schenkt uns die Gewissheit, dass der neue Weg Jesu, der Weg des Dienens, der einzige Weg ist, der Verheißung über den Tod hinaus besitzt. Diesen Weg zu beschreiten, dazu lädt uns Jesus selbst ein.
Wo dieser Weg beschritten wird, da bricht Neues an in unserer Kirche und Gesellschaft. Da fragt die weltliche Macht danach, wie sie mit ihren Mitteln denen dienen kann, die Hilfe brauchen. Fürsorge bricht da Bahn, wo sonst Machtmissbrauch lockt. Kirchen- und Staatsdiener machen ihren Namen Ehre. Muss das ein Wunschtraum bleiben?
In der Passionszeit betrachten wir den Weg Jesu. Für uns ging er ans Kreuz, für uns erstand er vom Tod. In kleinen Diensten für andere können wir ihm danken. Das kann jeder.
Viel Freude daran und Kraft dazu,
Ihr Pfarrer im Ruhestand Rüdiger Schmale
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