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Als ich nachschaute, was es mit diesem Tag auf sich hatte, machte ich für mich eine ganz neue Entdeckung: in NRW heißt dieser Feiertag offiziell gar nicht „Tag der Arbeit“ sondern „Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde“.
Das fand ich sehr interessant und bemerkenswert. Als ein Tag des Bekenntnisses zu etwas geht es um ein öffentlich machen eines Standpunktes, zu dem ich mich bewusst positioniere auch gegen andere Standpunkte. Und dieser Standpunkt ist ja schon etwas besonderes: Freiheit und Frieden, soziale Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde. Große Worte sind das. Und wenn ich mich dazu bekenne, dann muss ich auch bereit sein, mich dafür einzusetzen, damit diese Dinge Realität bleiben bzw. werden.
Freiheit und Frieden: Niemand soll unterdrückt werden. Jede und jeder darf entscheiden, wie er oder sie sein bzw. ihr Leben gestaltet, solange es in Frieden geschieht und ich auch meinen Nachbarn und meine Nachbarin- nahe und ferne- dieses Recht zugestehe und wir durch unser Handeln niemanden verletzen oder unter Druck setzen.
Ein Bekenntnis zur sozialen Gerechtigkeit ist ja durchaus eine echte Aufgabe angesichts eines immer größer werdenden Unterschieds zwischen arm und reich, Menschen mit und ohne Arbeit. Es ist ja wohl nicht gerecht, dass Menschen, die arbeiten kaum von ihrem Lohn leben können, während andere so viel verdienen, dass es kaum noch möglich ist, das Geld auszugeben. Es ist sicher auch nicht gerecht, dass Kinder aufgrund der finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern nicht die gleichen Möglichkeiten haben, was ihre Ausbildung und ihre beruflichen Chancen betrifft. Es ist sicher auch nicht gerecht, dass die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt für viele immer schwieriger werden, weil einfach zu wenig Arbeit da ist... Dabei sollte doch für alle genug da sein, sollten alle die Möglichkeit haben ein „schönes“ Leben zu führen.
Völkerversöhnung ist auch ein ganz großes Wort, dabei geht es, finde ich , nicht nur um das Große- Versöhnung zwischen Völkern mit einer bestimmten Geschichte-, sondern auch um die Völkerversöhnung im Kleinen, um unser Miteinander als Menschen verschiedener Herkunft, die in einer Multikulturellen Gesellschaft Tür an Tür leben.
All diese Punkte hängen für mich mit der Menschenwürde eines jeden Menschen zusammen. Wenn ich mich zur Menschenwürde bekenne, dann erkenne ich an, dass jeder Mensch geachtet werden soll, so wie er ist, mit seinen Eigenheiten und auch Besonderheiten, egal ob er oder sie arm ist oder reich, gebildet oder weniger gebildet, mit oder auch ohne Handicaps und Behinderungen. Ich versuche ihn zu achten und nicht zu übervorteilen, weil er einen Wert hat.
Für mich ist dieser Wert und diese Würde aller Menschen begründet in der Tatsache, dass ich alle Menschen als Gottes Geschöpfe sehen möchte, als Gottes geliebte Kinder, für die Gott nur das Beste will, eben dass sie Möglichkeiten haben zur Entfaltung und dass sie in Frieden miteinander leben können. Wenn ich mein Gegenüber auch als Geschöpf Gottes ansehen, als jemanden, der von Gott genauso geliebt ist wie ich selbst, dann kann ich ihm oder ihr nur mit Achtung begegnen und ihn oder sie nur so behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte.
Die in die Tat umzusetzen ist sicher nicht immer leicht und erfordert von uns immer wieder neu, Aufbruch und Suche nach Lösungen, die allen gut tun. Dabei können wir auf Gottes Beistand und Hilfe hoffen, wenn wir uns sozusagen mit der „Brille Gottes“ auf den Weg machen. Psalm 85 heißt es: Doch ist ja seine (Gottes) Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; dass uns auch der HERR Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe; dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.
Ich wünsche uns allen, dass wir immer wieder in unserem je eigenen Umfeld Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde erfahren und dass wir uns als von Gott geliebte und angenommene Menschen auch dafür einsetzen, dass es alles so geht.
Ihnen ein schönes Wochenende
Ihre Ramona Winkler-Rudzio, Pfarrerin in der Johannes-Kirche
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