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Ein Stückchen Himmel

Samuel Koch, hier mit Mirjam Thöne, erzeugte in der voll besetzten Kirche in Oberbrügge eine ganz 'dichte' Atmosphäre, voller Offenheit, Persönlichkeit, Hoffnung und Humor (Foto: Weiland)

 

OBERBRÜGE + „Ich hätte nicht gedacht, dass hier so viele Menschen leben“, erklärte Samuel Koch, als er mit seinem Rollstuhl in die bis hin zur Empore „vollgestopfte“ evangelische Kirche in Oberbrügge fuhr. Die 330 Besucher -  aus Oberbrügge, Halver, Lüdenscheid und einigen anderen Orten – nahm diesen Kommentar mit einem großen Lachen auf. Mehr Besucher hätte das Gotteshaus an diesem Abend nicht fassen können, der Abend war schon Wochen vorher ausverkauft gewesen. So bildeten sich an der Abendkasse sogar Warteschlangen von Interessierten, die hofften doch noch ein Ticket ergattern und damit „den bekanntesten Rollstuhlfahrer Deutschlands“ live erleben zu können.

Timo Groß, Mitarbeiter in der Jugendarbeit der gastgebenden Gemeinde, begrüßte dann zu Beginn der Veranstaltung auch alle Besucher mit den Worten: „Ich habe unsere Kirche noch nie so voll gesehen, ich freue mich somit sehr, dass sie alle heute Abend gekommen sind“. Groß hatte sich für das Zustandekommen der Veranstaltung mit Samuel Koch in Oberbrügge stark gemacht, nachdem er einen Bühnenauftritt von ihm erlebt hatte. In der Folge konnte Groß das Presbyterium für seine Idee gewinnen und Abend gemeinsam mit einem Team vorbreiten.

Mit Samuel Koch waren Mirjam Thöne (Gesang und Keyboard) und Dirk Menge (Keyboard, Kontrabass und Gesang) nach Oberbrügge gekommen, die mit zum Programm passenden Songs wie „Jesus, I need you“, „Gott trocknet deine Tränen“, „His Glory Appears“, „Somewhere over the rainbow“ und weiteren Stücken starke Eindrücke hinterließen. Mirjam Thöne war auch „Buch-Halterin“ für die Lesungen Samuel Kochs aus seinen Büchern „Rolle vorwärts“ und „Zwei Leben“, in denen er seine Gefühle und Erlebnisse bezüglich des Wendepunkts in seinem  Leben schildert. Dieser war bekanntlich sein Unfall als Wettkandidat bei „Wetten, dass…“, den am 4. Dezember 2010 Millionen Zuschauer am Bildschirm miterlebten. Seitdem ist der ehemalige Kunstturner querschnittsgelähmt und auf permanente Hilfe angewiesen. Er kämpfte gegen Schmerzen, Wut und Verzweiflung an. Was ihm am meisten geholfen hat, wie er erklärte, ist die Überzeugung, „dass das Beste noch kommt“. Da seine Beatmung und seine Motorik sich verbessert haben, hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er sich eines Tages wieder wie früher bewegen kann. Dann möchte er  erst einmal „laufen um des Laufens willen“. „Spätestens im Himmel“ - so meinte er - „werde ich alles wieder tun können.“

Mirjam Thöne und Dirk Menge (r.) bereicherten den Abend mit passenden Liedern, welche die Vorträgen von Samuel Koch nochmal untermauerten (Foto: Weiland)

Diese Überzeugung unterstich er mit den Worten „Es ist der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“. Seine „Dankbarkeitsliste“, mit der er sich für die Hilfe durch seine Angehörigen, für die Schönheit der Schöpfung und etliche andere Dinge bedankt, hilft ihm, dem Leben trotz seiner körperlichen Beeinträchtigungen viel Positives abzugewinnen. Glücksmomente gibt es für ihn nicht nur, wenn alles im Leben zu stimmen scheint, sondern auch, wenn Menschen ihm durch das Zusammenpressen seines Brustkorbs zu einem „Nießvergnügen verhelfen“. Und selbst, als er nach einem Rollstuhlunfall mitten in der Nacht hilflos auf einem Maisfeld lag, fühlte er sich „selig“, weil er die Freiheit seiner Gedanken genießen konnte. So fand er aus manchem Stimmungstief wieder heraus und zu der Überzeugung, „dass das Leben weitergeht, als man denkt“.

Dies schilderte er auf eine bewegende, aber auch auf eine humorvolle Weise. Er beantwortete Fragen aus dem Publikum, bei denen es um seine Theater- und Filmrollen und um seinen christlichen Glauben ging, der ihn seit seiner Kindheit prägt und ihn zu der Überzeugung gebracht hat, „dass uns alles zum Besten dient“. Als er sich nach seinem Unfall einsam und hilflos fühlte, bestand die einzige logische Konsequenz für ihn drin, sich an Gott zu wenden. Mit seiner Hilfe gelang es ihm, sich zunehmend mit seiner Situation zu arrangieren. Auf für ihn offene Fragen wie „Warum lässt Gott das Leid zu?“ hofft er irgendwann einmal eine Antwort zu bekommen – und sei es spätestens im Himmel. Bis dahin möchte Samuel Koch „mit so vielen Menschen wie möglich schon jetzt ein Stückchen Himmel auf Erden finden“. Der Wert eines Menschen – so betonte er – hängt nicht von seiner Leistung ab. „Gott liebt mich, weil ich bin. Wir sind wertvoll - einfach, weil wir sind“. Mit Kindheitserinnerungen weckte Koch in dem gesamten Publikum den Wunsch, das Kindergottesdienstlied „Ja, Gott hat alle Kinder lieb“ zur spontanen Orgelbegleitung von Dirk Menge zu schmettern und somit für einen besonderen Programmhöhepunkt zu sorgen.

Dankeschön von Pfarrer Thomas Wienand (r.) an Hauptorganisator Timo Groß (l.), an Samuel Koch (2.v.l.) und Mirjam Thöne (Foto: Weiland)

Pfarrer Thomas Wienand richtete schließlich ein herzliches Dankeschön an „Samuel Koch & friends“ für den gelungenen Abend sowie an Organisator Timo Groß, dessen Team und an die Sponsoren, welche die Realisierung des Abends tatkräftig unterstützt hatten. Nach der mehr als dreistündigen Veranstaltung und einer musikalischen Zugabe nahm sich mancher der begeisterten Gäste noch ein Buch von Samuel Koch und/oder eine CD von den Musikern mit nach Hause, um den besonderen Abend noch ‚nachklingen‘ lassen zu können. ©IH

 

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