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„Geburtstagsbrief und Gebet an mein Lüdenscheid“

Sabine Drescher, Gemeindediakonin mit pastoralen Aufgaben in der Ev. Kirchengemeinde Brügge-Lösenbach, mit einem Geburtstagsbrief an ihre Heimatstadt Lüdenscheid(Foto: Privat)

 

Von Sabine Drescher

„Liebes Lüdenscheid, viel Glück und viel Segen zum 750. Geburtstag! Meine Heimatstadt! Hier lebe ich und hier arbeite ich und frage mich als Christin, wie kann ich ein Segen für Dich sein?

Manches bewegt mich und lässt mich Dich nachdenklich betrachten. In der Bibel lese ich, das Gott mir den Auftrag gibt „der Stadt Bestes zu suchen” (Jeremia 29,7). Heißt, für sie zu beten und sie zu segnen. Darum bete ich für Dich, Lüdenscheid.

Wie gut, dass Du eine Stadt auf dem Berg bist. Übrigens ist das auch biblisch. Ich wünsche mir den Überblick zu behalten oder das Neue zu erkennen. Stadt des Lichts bist Du auch, oder?! Du brauchst gute Wächter und dafür möchte ich im Gebet einstehen und toll wäre es, wenn auch andere Christen hierfür beten und wir gemeinsame Wege gehen.

Ab und zu frage ich mich: Wie siehst Du in 20 Jahren aus? Ist das soziale Gefälle zwischen arm und reich dann größer geworden? Wird es noch Vereine und Organisationen geben, die sich sozial bemühen und ein Netzwerk für die Mitmenschlichkeit weben? Werden die Sport- und Fußballvereine wie Rot-Weiß Lüdenscheid, die Turbo Schnecken, der SC oder TuRa Brügge noch bestehen? Was bedeutet Dir die Bildung und Erziehung? Wie wird es den Kindern der Eltern gehen, die sich in den letzten 10 Jahren in Dir haben scheiden lassen? Womit werden wir Lüdenscheider beschäftigt sein? Werden wir Antworten auf die vielen Fragen von heute haben?

Ich bete: „Gott, behalte du die Kontrolle und lenke du die Geschicke dieser Stadt! Schenke ihnen Menschen die wach sind und Verantwortung tragen und ich bete für die Leitung dieser Stadt!“

Wenn ich von einer langen Reise zurückkehre und über die B 229 oder die A 45 in die Stadt hineinfahre, frage ich mich oft: „Lüdenscheid, wo willst Du hin? Welchen Maßstab willst Du für Dein Handeln anlegen? Welchem Gott willst Du dienen?“

Ich hab Dich gern Lüdenscheid! Nicht so sehr als Einkaufsstadt oder wegen Deiner Freizeit- und Kulturangebote.

2018 wohnen in Dir 76.045 Menschen. Das sind 76.045 Persönlichkeiten. Jeder hat seine eigene Geschichte, jeder ist auf der Suche nach Orientierung und nach einem Sinn für sein Leben.

Du bist Teil der großen Schöpfung Gottes – ist Dir das klar? Großartige Natur um Dich herum. Da ist das Sauerland mit seinen 1.000 Seen und Talsperren; ein attraktives Erholungsgebiet. Ich staune über die Vielzahl Deiner grünen Oasen. Deine Bürger freuen sich daran. Diese Natur gilt es zu bewahren.

Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde, hat Dir vieles gegeben, damit es den Menschen zum Wohle dient. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Deine Politiker in der Verantwortung vor Gott das Beste tun für die Einwohner.

Unter Deinen Sehenswürdigkeiten ist auch eine Gedenktafel, die an das Leiden von Juden, Oppositionellen und anderen Menschen, die entsprechend der menschenverachtenden Ideologie der Nationalsozialisten verfolgt wurden, erinnert. Eine Erinnerung an böse Zeiten und ein Mahnmal für den Frieden. Liebe Stadt – weißt Du, was zu Deinem Frieden dient? Ich bete um ‚Shalom‘!

Liebe Heimatstadt, machst Du in dem Ansehen je nach Einfluss und wirtschaftlicher Macht Unterschiede? Wie sieht Dein Gefälle zwischen Armen und Reichen aus?

Ich möchte Dir zu bedenken geben: vor Gott sind alle Menschen gleich. Ich wünsche Dir, dass Du in der Verantwortung vor diesem Herrn Deine politischen Entscheidungen triffst. Die Folgen haben Auswirkungen auf lange Zeit. Denke deshalb vor allen Dingen an die Menschen in Dir und an ihr Wohl.

Ich weiß: Du willst keinen sozialen Unfrieden. Trotzdem kannst Du ihn nicht verhindern. Die Verantwortung erfordert weise Entscheidungen.

Das möchte ich Dir sagen: Gott bietet Dir seine Hilfe an. Er sagt: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gesehen sollst. Ich will dich mit meinen Augen leiten.“ Diese Verheißung gibt der lebendige Gott denen, die auf ihn vertrauen wollen. Ob Du das willst, weiß ich nicht.

Liebe „alte-junge“ Heimatstadt – wer weiß besser als Du, dass alle Dinge einem ständigen Wandel unterliegen? Da ist die Bedeutung des Metallhandwerks, Drahtherstellung um 1400, die Textilindustrie 1740 bis zur Industrialisierung um 1845. Von der modernen Metallverarbeitung bis hin zur Knopfindustrie hast Du vieles erlebt. Menschen siedelten sich an – eine Infrastruktur kam auf.

Heute sind die Elektrotechnik, die Metallverarbeitung, der Maschinenbau und die Kunststoffverarbeitung Dein Markenzeichen. Auch die Licht- und Leuchtenindustrie genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Ja, Du bist heute der gesellschaftliche und kulturelle Mittelpunkt des Märkischen Kreises. Man nennt Dich auch „Stadt des Lichts!“

Meine Stadt, wo findet man in Dir wirklich Liebe, Vertrauen, Zuwendung und Geborgenheit? In den Familien? Auf der Straße? In den Betrieben, Büros und Fabriken? In den Schulen? In den Parteien? In den Sportvereinen? In den Kirchen? Klar, noch trauen sich die Menschen Beziehungen einzugehen und zu leben, aber über 50% gehen auch wieder auseinander. Erschreckend! Fehlt es in der Stadt an Liebe und Vertrauen um wirkliche Beziehung zu bauen und zu leben?

Das darfst Du wissen, meine Stadt: Eines hat sich nicht geändert: Es gibt den lebendigen Gott, der Dich liebt. Trotz Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, Kälte, Lieblosigkeit und Finsternis, trotz vieler Lichter.

Gottes Wirken sucht die Gemeinschaft mit seinen Geschöpfen. Das ist Hoffnung für unsere Stadt: Die Begegnung mit Jesus Christus verändert Menschen, heilt Persönlichkeiten und Ehen, führt Familien wieder zusammen. Lüdenscheid, hier ist Zukunft! Nimm sie an!

Ich möchte Dich herausfordern, auf die Suche zu gehen nach diesem lebendigen Gott, der uns durch Jesus begegnet. Jesus sagt von sich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich.“

Kennst Du eigentlich den Schatz in Deinen Grenzen? Nicht von Gebäuden, Denkmälern oder Wertgegenständen in stählernen Tresoren rede ich. Nein, ich meine die Christen, in evangelischen und katholischen Gemeinden, in Freikirchen, in eigenständigen Werken wie EC und CVJM. Sie haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Christus und damit auch Dir dienen. Manches miteinander wird auch schon gesucht. (19.-24.11.2018 Pro Christ in der Schützenhalle) Das ist gut! Welche Hoffnung für unsere Stadt, wenn dieser Schatz erkannt wird.

Mein liebes Lüdenscheid, freue Dich über diesen Schatz: Lass ihn nicht ungenutzt, sondern gib ihm Raum, damit er Dir weiterhin uneigennützig dienen kann. Ich wünsche Dir so sehr, dass Du einen Weg, einen Maßstab und den Gott findest, für den es sich lohnt zu leben – der Hoffnung für Dich hat.“

 

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