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Letzter Gottesdienst in der Werdohler Kreuzkirche

7.2.2019

Ein letztes Mal Gitarrenklänge in der Kreuzkirche: Pfarrer i. R. Martin Kämper griff noch einmal zu dem Instrument, mit dem er so viele Gottesdienste begleitet hat (Foto: Teipel)

WERDOHL + Vor 52 Jahren war der Neubau der Kreuzkirche in Werdohl ein Zeichen für Veränderungen. Die Stadt und die Kirchengemeinde wuchsen. Die Kirchen zogen in die Außenbereiche. Jetzt steht das Gotteshaus im Ortsteil Königsburg erneut für einen Wandel. Die Zahl der Gemeindeglieder sinkt unaufhörlich. Aus ehemals fünf Pfarrstellen in Werdohl sind inzwischen zwei geworden. Konsequenz: Die Kreuzkirche wird geschlossen. Nun wurde im Gotteshaus auf der Königsburg der letzte Gottesdienst gefeiert. Die Zukunft des Kirchengebäudes ist noch ungewiss.

 

In der Kreuzkirche wurde schon immer gern gesungen. Das war auch beim letzten Gottesdienst an der Oststraße nicht anders. „Wir haben hier keine bleibende Stadt“ stimmte der Kirchenchor unter der Leitung von Detlef Seidel an – ein durchaus symbolträchtiger Einstieg. 19.054 Tage nach der Einweihung des Gotteshauses müssen sich die evangelischen Christen von der Königsburg neu orientieren. Die Mannschaft auf dem Schiff, das sich Gemeinde nennt, legt einen neuen Kurs an. Dazu gehört jetzt viel Gottvertrauen. Das Gemeindeleben soll sich in und rund um die Christuskirche und das Gemeindehaus in der Stadtmitte konzentrieren.

 

„Loslassen, das ist schwer“, sagt Pfarrer i. R. Martin Kämper in seiner Predigt. Er setzt ganz auf einen Abschied in Würde und voller Hoffnung. Sein Herz hängt an der Kreuzkirche. Auf ihn ist beispielsweise die Gestaltung der Wand hinter der Kanzel zurückzuführen. In großen Buchstaben prangt hier seit den 1980er Jahren der Psalm 33,4 aus der Luther-Bibel. „Des Herrn Wort ist wahrhaftig; und was er zusagt, das hält er gewiss.“ Kämper brachte auch in den 1980er Jahren  mit seiner Gitarre die neuen Kirchenlieder in das Gotteshaus auf der Königsburg. Am 30. Dezember hängte er sich in der Kreuzkirche das Instrument zum letzten Mal um und spielte zur Orgelmusik von Detlef Seidel Dietrich Bonhoeffers Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.

 

Die Zukunft des Gotteshauses an der Oststraße ist noch ungewiss. Findet sich kein Käufer, wird sie möglicherweise aus dem Ortsbild verschwinden. Ein Gutachten über den Abriss liegt bereits vor (Foto: Teipel)

 

 

Martin Kämper erinnerte an die Geschichte des Gotteshauses. Am 30. Oktober 1966 wurde die von dem Lüdenscheider Architekten Huth geplante Kreuzkirche an der Oststraße nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht. Der erste Spatenstich für den Neubau des Gotteshauses erfolgte am 21. Dezember 1963, im Sommer 1965 war der Glockenturm fertig. Er wurde mit seiner modernen Gestaltung zum Wahrzeichen der Kirche. Im Juni 1966 erhielt der Turm seine drei vom Bochumer Verein hergestellten Glocken.

 

Erster Pfarrer war von 1966 bis 1978 Kurt Ziesen. Auf ihn folgte Martin Kämper, der die Gemeinde über 30 Jahre prägte. Er ging 2011 in den vorgezogenen Ruhrstand. Seine Musik und seine wortgewaltigen Predigten sind vielen auch heute noch in guter Erinnerung.

 

Martin Kämper, Pfarrer Dirk Grzegorek und Gemeindepädagogin Kerstin Sensenschmidt setzten dann einen vorläufigen Schlusspunkt. Sie verließen die Kirche zusammen mit der großen Altarbibel. Anschließend hatten die Gottesdienstbesucher Gelegenheit, sich in aller Stille von ihrer Kirche zu verabschieden. Einige besuchten auch ab 14 Uhr die letzte Abendmahlsfeier im Altarraum der Kreuzkirche.

 

Der Kirchenchor sang im letzten Gottesdienst „Wir haben hier keine bleibende Stadt“ (Foto: Teipel)

 

 

Bis Ende März 2019 sollen jetzt die Bemühungen zur Vermarktung der Kirche fortgesetzt werden. Wie die künftige Nutzung aussehen wird, ist daher noch völlig offen. Die Evangelische Kirche von Westfalen bevorzugt Nutzungsmöglichkeiten, die dem besonderen Charakter einer ehemaligen Kirche und ihrer ursprünglichen Bestimmung nicht widersprechen. Möglich sind Nutzungen durch Kultureinrichtungen, Lager- oder Büroräume. Auch ein Umbau zu einem Restaurant wäre denkbar. Die Verwendung einer entwidmeten Kirche als Moschee ist ausgeschlossen. Andere christliche Religionsgemeinschaften dürften dagegen einziehen.

 

Für den Fall, dass sich kein Interessent für die Immobilie findet, könnte sie auch aus dem Ortsbild der Königsburg verschwinden. Die Gemeinde hat bereits ein Gutachten zum möglichen Abriss der Kirche erstellen lassen. ©WT

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