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Sensibel werden für Bedürfnisse alter Menschen

23.5.2019

Vor dem praktischen Einsatz erfolgte die Sensibilisierung für die Gefühle älterer menschen. Foto: Wolfgang Teipel

Plettenberg. Alt sein und alt werden, das kann ganz schön beschwerlich sein. Wie sich beispielsweise eingeschränkte Bewegungsfreiheit oder auch schwindendes Hörvermögen anfühlen können, das erfuhr eine Gruppe Plettenberger Konfirmanden an einem Nachmittag im Sozialzentrum an der Schubertstraße. Die jungen Leute nehmen am Diakoniepraktikum teil, das vor wenigen Wochen als Pilotprojekt gestartet ist.

 

Ursi Schiller bereitete die Gruppe auf ihren Praxiseinsatz auf dem Arbeitsfeld Senioren vor. Das Stichwort lautete: Sensibilisierung für die Sorgen, Ängste und Wünsche älterer Menschen.

 

Praktische Übungen

 

Ein praktisches Beispiel: Eine Teilnehmerin aus der Gruppe steckte sich Stöpsel ins Ohr, andere tuschelten. „In so einer Situation fühlen sich ältere Menschen, die oft nicht mehr so gut hören, ausgeschlossen. Sie fragen sich: „Reden die über mich? Ist was gegen mich im Gange?“, erklärte Ursi Schiller. Ihre Empfehlung lautet: „Immer offen und wenn’s geht auch langsam sprechen.“

 

Das gelte insbesondere für Telefongespräche. Oftmals seien Ältere auch in ihren Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt, könnten den Telefonhörer nur unter Anstrengungen richtig halten und bekämen große Schwierigkeiten, wenn sie zusätzlich noch etwas notieren müssten, beispielsweise einen Namen oder eine wichtige Adresse.Ein Teil der Katechumenen absolviert das Praktikum auf dem Arbeitsfeld Senioren. Foto: Wolfgang Teipel

Sie haben sich für das Arbeitsfeld Senioren entschieden. Foto: Wolfgang Teipel

 

Eine andere Situation: Haare kämmen oder Körperstellen eincremen. Das war ein wenig ungewohnt für die jungen Leute. „Ein komisches Gefühl“, bekannte eines der Mädchen. Bei der Körperpflege komme es auf viele Kleinigkeiten an, erläuterte Ursi Schiller. Vor allem dürften die Älteren nicht das Gefühl haben, ruppig behandelt zu werden. Ihr wichtigster Rat für den Einsatz in der Praxis: „Denkt daran: Der Mensch besteht aus Körper, Geist und Seele.“

 

Zum Diakoniepraktikum: 23 Mädchen und Jungen nehmen an dem Pilotprojekt teil. Diakonie-Geschäftsführerin Iris Jänicke, Heike Schaefer, Leiterin der Freiwilligenzentrale, und Andreas Hirschberg, Pfarrer im Pfarrbezirk II (Holthausen), wollen dazu beitragen, dass die jungen Leute in den nächsten Wochen ein tieferes Verständnis für die Arbeit der Diakonie entwickeln. Aus den Erkenntnissen des Pilotprojekts soll ein Leitfaden entwickelt werden. Er wird allen Gemeinden im Kirchenkreis zur Verfügung gestellt, die junge Leute während des Konfirmationsunterrichtes in besonderer Weise in die Aufgaben und Arbeit der Diakonie und den Dienst am Nächsten vorbereiten wollen.

 

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