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Das Tragen fremder Lasten macht das Leben leichter

7.7.2019

Das Wort zum Sonntag: Diesmal mit Gedanken von Bärbel Wilde, Pfarrerin i.R. - Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg (Grafik: EKKLP)

Sadhu Sundar Singh, ein indischer Christ, berichtete von einem Erlebnis in Tibet. Es passt mehr in einen kalten Winter als in einen warmen Sommer. Aber es passt genau zum Wochenspruch für diese Woche: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“:

 

„Als ich mich im Hochland in einem Schneesturm zusammen mit einem Tibeter durch den Schnee kämpfte, sahen wir einen Mann, der bewusstlos am Boden lag. Ich sagte meinem Begleiter: „Wir müssen hingehen und ihm helfen.“ Er aber erwiderte: “Niemand kann von uns verlangen, dass wir uns um seine Errettung bemühen, während wir doch selber in Gefahr sind, in der Kälte umzukommen.” Ich sagte: “Wenn du denkst, dass wir auch sterben müssen, ist es besser, wir sterben, wenn wir ihm helfen.“ Er stimmte mir nicht zu und ging seinen Weg alleine weiter. Ich hob mir mit viel Mühe den Mann auf meine Schultern und schleppte mich weiter. Durch die Anstrengung, die es mich kostete, mit der Last auf dem Rücken vorwärts zu kommen, wurde ich erwärmt. Das übertrug sich auf den anderen. So erreichten wir schließlich beide das nächste Dorf. Mein Begleiter, der alleine weitergangen war, um sich nicht zu belasten, wurde später in der Nähe des Weges im Schnee gefunden. Er hatte es nicht bis zum nächsten Dorf geschafft und war erfroren.“

 

Indem Sadhu Sundar Singh den bewusstlosen Mann rettete, rettete er sich selbst. Denken wir selbstsüchtig nur an uns, wird unser Herz kalt und wir werden irgendwann einsam sterben. Traget euch einander, miteinander, füreinander, so werdet ihr das Gesetz der Liebe Christi erfüllen. Denn Christus hat die Last der Welt auf seine Schultern genommen.  

 

Bärbel Wilde

Pfarrerin i.R. - Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg

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