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Traumata nach Flucht und Gewalt: PSZ hilft Migranten

26.7.2019

Claudia Kaschitzki (rechts mit Diakonie-Geschäftsführerin Iris Jänicke) hat sich zur Fachberaterin für Psychotraumatologie ausbilden lassen. Foto: Wolfgang Teipel

Viele Migranten haben in ihrem Heimatland und auf der Flucht Schreckliches erlebt. Folter, Vergewaltigung und andere Formen von Gewalt. Das bleibt nicht zurück, wenn sie endlich in Sicherheit sind. „Rund 40 Prozent der Migranten leiden sehr stark unter diesen Belastungen“, sagt Claudia Kaschitzki vom Psychosozialen Zentrum des Diakonischen Werkes in Lüdenscheid. Das zeige sich durch posttraumatische Belastungsstörungen, die zumeist erst in der neuen Heimat aufträten. Ohne Unterstützung durch sozialpädagogische oder sozialpsychologische Therapien fänden sich diese Menschen auch in der für sie ungewohnten Umgebung nicht zurecht. Weiterer belastender Stress sei die Folge, wenn nicht rechtzeitig geholfen werden könne.

 

Ab sofort wieder öffentliche Sprechstunde

 

Das Psychosoziale Zentrum (PSZ) des Diakonischen Werkes an der Frankenstraße 1 in Lüdenscheid hat sein Angebot an den Bedürfnissen genau dieser Menschen ausgerichtet. Nachdem die öffentlichen Sprechstunden des PSZ vorübergehend eingestellt worden waren, werden sie wieder aufgenommen. Dienstags stehen die Berater nach telefonischer Anmeldung (Tel. 02351/4320937) ab sofort wieder zur Verfügung.

Das Land Nordrhein-Westfalen und der Kirchenkreis Lüdenscheid Plettenberg übernehmen die Kosten für die insgesamt 3,5 Stellen im PSZ.  Das interdisziplinär aufgestellte Team besteht aus zwei Psychologinnen, einer Psychologischen Psychotherapeutin, einer psychotherapeutischen Heilpraktikerin/Fachberaterin für Psychotraumatologie und einem Erziehungs- und Sozialwissenschaftler.

 

Fachfrau für Psychotraumatologie

 

Claudia Kaschitzki arbeitet seit 20 Jahren für den Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg. Vor zweieinhalb Jahren hat sie sich mit Unterstützung des Kirchenkreises zur Fachberaterin für Psychotraumatologie ausbilden lassen und verstärkt seitdem das PSZ-Team. Sie arbeitet oft auch mit muttersprachlichen Dolmetscherinnen und Dolmetschern zusammen. Sie helfen Betroffenen, ihre Ängste und Erlebnisse so zu schildern, dass die Beraterinnen und Berater konkrete Ansatzpunkte für Therapien finden.

Unterstützung erhalten Menschen

  • die mit starken Gefühlen, wie z.B. Angst, Wut, Trauer oder Einsamkeit im Alltag zu kämpfen haben
  • die sich energie- und antriebslos fühlen
  • die schlecht schlafen und Alpträume haben
  • die immer wieder von Bildern und Erlebnissen der Vergangenheit eingeholt werden
  • die über ihre Probleme in einem sicheren und verschwiegenen Rahmen reden möchten
  • die Entlastung im Alltag suchen
  • die ehrenamtlich mit Geflüchteten arbeiten und Beratung sowie Informationen benötigen.

Michael Winter neu im Team

 

Michael Winter unterstützt das Beraterteam und kümmert sich im Fachbereich Migration um sämtliche Verwaltungsarbeiten. Foto: Wolfgang Teipel

Neu im Team des Fachbereichs Migration ist Michael Winter. Der 50-jährige gebürtige Iserlohner, der seit zehn Jahren in Lüdenscheid lebt, entlastet die Mitarbeiter von der Verwaltungsarbeit. „Er hält uns den Rücken frei“, sagt Michael Wirth, Leiter des Fachbereiches Migration. Der neue Mann hat nach einer Ausbildung im Büro- und Verwaltungsbereich als Zeitsoldat bei der Bundeswehr gearbeitet. Die neue Stelle, bekennt er, habe ihn schon geprägt. „Inzwischen habe ich einen völlig neuen Blick auf alles, was mit Flucht und Migration zusammenhängt“, sagt Michael Winter. 

 

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