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In Sachen Courage lässt sich eine Menge machen

17.11.2019

Jürgen Albrecht vom Duo "Zuvielcourage" : Der Schauspieler und seine Kollegin Karin Kettling kämpfen für mehr Menschenwürde und gegen plumpe Parolen. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid/Plettenberg. „Menschenwürde“ – Jürgen Albrecht vom Duo „Zuvielcourage“ hielt das Schild mit dem zentralen Begriff gleich zum Beginn des Abends im Lüdenscheider Museum hoch. Wenn’s gegen die Menschenwürde geht, dann muss man sich einmischen. Das ist die Botschaft des Duos „Zuvielcourage“. Es rief an zwei Abenden im Plettenberger Paul-Gerhardt-Haus und im Museum Lüdenscheid dazu auf, Haltung zu zeigen, wenn Menschen ausgegrenzt werden oder wenn Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit aufkeimen.

 

Die beiden Schauspieler Karin Kettling und Jürgen Albrecht trafen auf ein dankbares Publikum. In Lüdenscheid wollten über 100 Gäste hören, warum es sich lohnt einzugreifen, wenn gehetzt wird. Bei der Veranstaltung in Plettenberg fiel der Zuspruch geringer aus.

Superintendent Klaus Majoress betonte in seinem Grußwort, dass ihm Haltung gegen Rassismus und Ausgrenzung ein wichtiges Anliegen ist. Foto: Wolfgang Teipel

Superintendent Klaus Majoress betonte in seinem Grußwort, dass ihm Haltung gegen Rassismus und Ausgrenzung ein wichtiges Anliegen ist. Foto: Wolfgang Teipel

 

„Aber es war in Ordnung“, zog Evangelia Kasdanastassi von der Integrationsagentur des Diakonischen Werk ein kurzes Resümee der Veranstaltung in der Vier-Täler-Stadt. Sie hatte zusammen mit einer Reihe von Kooperationspartnern zu den Auftritten von „Zuvielcourage“ eingeladen.

Karin Kettling und Jürgen Albrecht haben eine einfache Botschaft. „Heldentum halten wir für gefährlich. Dennoch: In Sachen Courage lässt sich noch eine Menge machen.“

 

Arbeit mit dem Publikum

 

Zusammen mit dem Publikum ergründete das Duo, welche inneren Stimmen jemand davon abhalten können, sich einzumischen. „Weil es nichts nutzt“ oder „Warum gerade ich?“ „Weil ich vielleicht nicht die passenden Argumente habe.“ Gemeinsam erarbeiteten Schauspieler und Gäste, warum es sich lohnen könnte einzugreifen, wenn üble Stammtischparolen laut werden. Freiheit könne kein Freibrief für Diskriminierung sein, hieß es. Oder: Es kann auch für das eigene Wohlbefinden gut sein, Hetzer in die Schranken zu weisen.

Evangelia Kasdanastassi von der Integrationsagentur hatte zu den beiden Veranstaltungen eingeladen. Foto: Wolfgang Teipel

Evangelia Kasdanastassi von der Integrationsagentur hatte zu den beiden Veranstaltungen eingeladen. Foto: Wolfgang Teipel

 

Wie es funktionieren könnte, zeigten die Schauspieler anschließend in einem kleinen Sketch. Als nörgelnder und rassistischer Besserwisser Herr Schröder ließ Jürgen Albrecht dabei pausenlos menschenfeindliche Vorurteile vom Stapel. Seine Kollegin versuchte als Frau Mutig, mit diesen Aussagen sinnvoll umzugehen, nachzufragen und sie zu entkräften. „Das Gespräch anhalten, ruhig und sachlich bleiben, neue Perspektiven einbringen, vor allem nicht besserwisserisch, arrogant, moralisierend und ohne Aggressionen oder Drohungen und ruhig mit etwas Humor auftreten – das sind die Empfehlungen von „Zuvielcourage“.

 

Spickzettel für mehr Zivilcourage

 

Ihre Strategien und der Workshop, den sie entwickelt haben, basieren auf Büchern von Klaus-Peter Hufer. Später verteilte das Duo einen „Spickzettel für mehr Zivilcourage“ auf dem neben Argumentationshilfen und typischen Erkennungsmerkmalen negativer Stimmungsmache auch Literaturtipps und Bezugsquellen zu finden sind.

 

Die Arbeit von Karin Kettling und Jürgen Albrecht wird mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ unterstützt. Das Bundesprogramm finanziert in mehreren Stufen Programme, die ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander fördern sollen.

Karin Kettling als Frau Mutig versuchte Jürgen Kettling (Herr Schröder) in die Schranken zu weisen und ihn zum Nachdenken zu bringen. Foto: Wolfgang Teipel

Karin Kettling versuchte als Frau Mutig Herrn Schröder (Jürgen Albrecht) in die Schranken zu weisen und ihn zum Nachdenken zu bringen. Foto: Wolfgang Teipel

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