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Genussvoll glauben – ein biblisches Whisky-Tasting

23.3.2020

Die vier 'Whiskytiere' (v.l.n.r.): Manuel Mengel, Sven Jessegus, Dirk Grzegorek und Klaus Gröne auf Mission (Foto: Kannenberg)
Die vier 'Whiskytiere' (v.l.n.r.): Manuel Mengel, Sven Jessegus, Dirk Grzegorek und Klaus Gröne auf Mission (Foto: Kannenberg)

WERDOHL + Die Werdohler Friedenskirche lud zu einem eher ungewöhnlichen Event ein. Zumindest für eine evangelische Kirche. Vier Männer präsentierten 42 Gästen insgesamt sechs Whiskys. Nicht irgendwelchen aus dem Supermarkt, sondern echten schottischen Hochland-Whisky.

 

Whisky-Tasting ist gerade in und erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit. Warum gerade jetzt, mag man da fragen. Nun, bei diesen Events wird Whisky nicht nur verköstigt, sondern geradezu zelebriert. Und dazu nicht nur das Getränk an sich, sondern auch Ruhe, Gelassenheit und Gemeinschaft. Also all das, was vielen Menschen in ihrem stressigen Alltag fehlt. Vielleicht erzeugt das die besondere Faszination.

 

Vorgestellt wurden vielschichtige Whiskys aus kleinen Brennereien. Jeder für sich zeichnete sich dabei durch einen einzigartigen Geschmack und einen besonderen Duft aus. Whisky kann würzig, fein, nach Schokolade, Vanille oder Brombeere schmecken, und dabei rauchig, scharf, sanft oder rassig daherkommen. Das liegt, wie man an diesem Abend lernen durfte, an den Fässern, in denen er gelagert wird und natürlich daran, dass jede Brennerei ihr eigenes kleines Geheimnis bei der Herstellung „ihres“ Whiskys hat. In manchen wird er z.B. über Torf geschwenkt. Sechs Stunden lang. Das nennt man dann eine „torfige Note“.

 

Pfarrer Dirk Grzegorek begründet dieses ungewöhnliche Event in seiner Kirche folgendermaßen: „Der Kirche wird immer noch vorgeworfen, ziemlich trocken und öde daher zu kommen. Und nichts so richtig zu genießen. Das ist aber ganz und gar nicht so. Jesus selbst wusste, was Genuss ist. Er hat genussvoll gelebt, sich mit seinen Freunden getroffen, gegessen, gelacht, gefeiert und dabei auch mal einen Wein getrunken. Glauben und genussvolles Leben sind daher keine Gegensätze, sondern eine Einheit, einfach, weil unser Glaubensgeber eine sehr lebendige und lebensbejahende Person ist.“

 

Und so war das Thema dieses Abends auch „Genussvoll glauben – ein biblisches Whisky-Tasting“. Inspiration holte sich Pfarrer Grzegorek dabei von Stephan Zeipelt und Kuno Klinkenberg, beide sind ebenfalls Pfarrer der evangelischen Landeskirche. Sie haben zu diesem Thema ein viel beachtetes Buch herausgebracht und bieten auch selbst Tastings in ganz Deutschland an.

 

Die Leitung des Events harmonierte perfekt: Sven Jesseguss und Manuel Mengel sind begeisterte Whisky-Fans und waren beide schon bei vielen Tastings dabei. Sie sind echte Profis. Klaus Gröne ist ein bekannter Fotograf mit Whisky-Affinität, der gerade von einer Fotosession aus Curacao wiederkam. Der vierte im Bunde war Pfarrer Dirk Grzegorek, der eh in keine Schublade passt und sich gerne auch einmal im Namen des Herrn in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang stürzt.

 

Der Raum an sich war schlicht gestaltet und mit blauem Licht geheimnisvoll ausgeleuchtet. Als Kontrast dazu diente die große Leinwand, auf der Bilder von den jeweiligen Whisky-Regionen gezeigt wurden. Die Tische waren mit verschiedenen Gläsern, Kerzen, Wasser und Brot dekoriert. Wasser und Brot dienten  dazu, den Geschmack zu neutralisieren und den Gaumen auf den nächsten Whisky vorzubereiten.

 

Dirk Gzegorek eröffnete das Tasting mit einer kleinen Einführung ins Thema. Von Beginn an war die Stimmung unter den Gästen angenehm und gut. Der Pfarrer gestand später am Abend, dass er mit soviel Resonanz gar nicht gerechnet hatte. Für ihn war es in erster Linie wichtig, dass hier Christen und Nichtchristen zusammen feierten, sich kennenlernten und Freundschaften schlossen. Eine Kirche ist für ihn ein Ort der Begegnungen, gerade für Menschen, die sich noch nie mit dem Glauben auseinandergesetzt haben. Um einfach auch einmal einen gemütlichen Abend zu verbringen.

 

Das fand Manuel Mengel auch. Ihm war die Begeisterung für seinen Whisky deutlich anzumerken. Er sprach von Vanille- und Honignoten, von dunkler Schokolade im „Abgang“, Duft und Geschmack und natürlich von Fässern, Fässern, Fässern. Die sind nämlich für einen guten schottischen Whisky enorm wichtig. Die Anwesenden bekamen einen Schnellkurs in „Fässerkunde“ und lernten, dass es in den USA noch bis vor kurzem ein Gesetz gab, das verbot, amerikanischen Whisky in gebrauchten Fässern zu lagern.

 

Davon profitieren die pfiffigen Schotten bis heute. Sie kaufen nämlich die „Gebrauchten“ auf und sparen sich damit die Herstellung. So geht Nachhaltigkeit auf Schottisch. Derweil gingen Klaus Gröne und Sven Jesseguss mit dem jeweils vorgestellten Whisky von Tisch zu Tisch, schenkten ein und fachsimpelten mit den Gästen. Zu denen durchaus echte Profis gehörten. Wie z.B. der Verein „Neuenrader Whisky Freunde“. Das Wissen seiner Mitglieder erwies sich als riesig und wurde gern mit den Tischnachbarn, aber auch den Gastgebern selbst  geteilt.

 

Pfarrer Dirk Grzegorek übernahm auch den geschichtlichen Teil. Die Anwesenden amüsierte es, dass Whisky, wie kann es anders sein, von Mönchen gebrannt wurde. Was wäre Europa und die Welt ohne die vielen fleißigen mittelalterlichen Mönche? Bier, Wein, Whisky – sie waren diejenigen, die die Brau- und Brennkunst ebenso vollendeten wie das Keltern. In Schottland heißt Whisky „Uisge na beatha – Wasser des Lebens“. In den alten schottischen Schriften, die vor allem von besagten Mönchen erstellt wurden, wird dieses Lebenswasser hochgelobt. Es sei „gut gegen Krankheit, wärme das Herz und erleuchte den Geist“. Alles in Maßen und genussvoll zelebriert, dürfte da durchaus etwas Wahres dran sein.

 

Später las der Pfarrer der Friedenskirche noch Psalm 23. Auch dort geht es um einen gut gedeckten Tisch „Denn Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde“. Pfarrer Grzegorek ermunterte die Anwesenden dazu, sich darüber Gedanken zu machen, was Gott ihnen wohl ganz persönlich auftischen würde, um zu zeigen, wie wichtig jeder einzelne ihm ist. Die nachfolgenden Gespräche drehten sich um dieses Thema und es wurde darüber spekuliert, was man sich wohl wünschen würde, wenn Gott tatsächlich und in echt jetzt gerade mitten unter ihnen wäre. Pizza oder Currywurst vielleicht? Gott ein Genießer? Jemand, der Tische für seine Lieben deckt? Eine erstaunliche Vorstellung.

 

Sechs Whiskys weiter und um einiges schlauer, waren aus 42 Menschen, die sich zum größten Teil zu Beginn gar nicht kannten, so etwas wie Freunde geworden. Zum Abschluss gab es dann auch noch eine heiße Gulaschsuppe und das eine oder andere Bier, mit dem man das Whisky-Tasting gemütlich ausklingen lassen durfte.

 

Biblisches Whisky-Tasting macht Spaß und verbindet in einer ganz erstaunlichen Art und Weise.  Die vier Gastgeber machten ihre Sache richtig gut und sehr professionell und saßen später auch noch mit an den Tischen, um angeregt mit ihren „Eleven“ zu plaudern.

 

Pfarrer Grzegorek war ebenfalls sehr zufrieden. Der Abend war abwechslungsreich und nicht nur für ihn ein gelungenes Abenteuer. Die Kirche an sich erwies sich als passende Location für eine biblische Genuss-Reise, die im Mittelalter einen kleinen Stopp machte, um dann in der Neuzeit zu enden. Man darf sich daher zu recht wünschen, dass dieses Whisky-Tasting in der Friedenskirche nicht das letzte seiner Art bleibt, sondern bald wiederholt wird. Die Gäste der Kirche waren sich jedenfalls einig: Sie sind dann wieder dabei. Alle! ©IK

Bildergalerie vom biblischen Whisky-Tasting in Werdohl (Fotos: Iris Kannenberg)

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