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Alles ist möglich! Ene Gedenkveranstaltung von „Gemeinsame Wege“

9.10.2020

Der neue Bürgermeister Sebastian Wagemeyer (r.) der Stadt Lüdenscheid gemeinsam mit Irmtraut Huneke (m.) (Foto: Kannenberg)
Der neue Bürgermeister Sebastian Wagemeyer (r.) der Stadt Lüdenscheid gemeinsam mit Irmtraut Huneke (m.) (Foto: Kannenberg)

Von Iris Kannenberg

 

LÜDENSCHEID + Am 3. Oktober feiert Deutschland den Tag der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland. Dieses historische Datum jährte sich im Jahr 2020 zum 30. Mal. Grund genug, diesen Tag würdig zu begehen. Und sich damit auch an diejenigen zu erinnern, die diesen Tag erst möglich gemacht haben: Die engagierten Bürgerrechtlerinnen der ehemaligen DDR, die mit ihrem Protest den Grundstein legten für eine friedliche Revolution, wie sie so in der Menschheitsgeschichte noch nicht vorgekommen ist.

 

Auch in Lüdenscheid sollte dieser Tag gefeiert werden. Träger der dafür ausgerichteten Open-Air-Veranstaltung auf dem Lüdenscheider Rathausplatz, waren die „Gemeinsamen Wege“, ein überkonfessionelles Netzwerk von Christen aus den evangelischen, katholischen und freikirchlichen Gemeinden Lüdenscheids. Das Netzwerk organisierte an diesem Abend bereits das dritte Mal in Folge die Gedenkveranstaltung zum Mauerfall und der daraus erfolgten Wiedervereinigung.

Altbürgermeister Dieter Dzewas spricht das Grußwort an die BürgerInnen (Foto: Kannenberg)
Altbürgermeister Dieter Dzewas spricht das Grußwort an die BürgerInnen (Foto: Kannenberg)

Punkt 19.00 Uhr eröffnete an diesem 3. Oktober 2020 die engagierte Lüdenscheider Christin, Buchautorin und Predigerin Irmtraut Huneke (1. Vorsitzende der Evangelischen Allianz Lüdenscheid und Mitglied der „Gemeinsamen Wege“) den Abend mit einem Grußwort an die vielen Besucher. Anschließend spielte die Band96 einen ersten Worship-Song und stimmt so die vielen Gäste auf die kommende Gedenkveranstaltung ein. Dabei trotzten sie ebenso wie alle anderen Teilnehmer dem eiskalten aber trockenen Oktoberwetter, das diesen Festabend begleitete.

Birgit Elste spricht über ihre Kindheit und Jugend als DDR-Bürgerin (Foto: Kannenberg)
Birgit Elste spricht über ihre Kindheit und Jugend als DDR-Bürgerin (Foto: Kannenberg)

Irmtraut Huneke moderierte die Veranstaltung und bat als ersten Gast des Abends Altbürgermeister Dieter Dzewas auf die Bühne. Er richtete nicht nur ein Grußwort an die anwesenden BürgerInnen, sondern erzählte auch auf bewegende Weise, wie er diesen Tag vor dreißig Jahren ganz persönlich erlebte. Nach ihm ging es weiter mit  Pastor Johannes Broxtermann (St. Joseph und Medardus-Kirche Lüdenscheid), der einen geistlichen Impuls zum Thema weitergab und mit den Anwesenden für die Einheit des Landes, für Stabilität in den Beziehungen und das stetige, friedliche Zusammenwachsen von Ost und West betete.

 

Mit Birgit Elste und Judith Schulte holte Irmtraut Huneke dann zwei Zeitzeugen ans Mikrofon, die über ihre Eindrücke und Erlebnisse in der ehemaligen DDR berichteten. Birgit Elste ist als Tochter eines Pfarrers in der DDR aufgewachsen und wusste engagiert zu erzählen, wie gefährlich diese Revolution war, wie viel die daran beteiligten BürgerInnen riskierten und wie sie selbst die Wende und den Fall der Mauer als ein echtes Wunder erlebte. Judith Schulte war zur Zeit der letzten Montagsdemonstrationen vor dem endgültigen Fall in Leipzig zu Besuch. Sie geriet mit ihren Eltern mitten hinein in dieses große historische Geschehen und berichtete anschaulich davon, wie es war, als Westdeutsche nicht nur die damalige DDR zu besuchen, sondern zudem als Teenager Zeitzeuge des Geschehens zu werden.

Pfarrerin Ramona Winkler-Rudzio (Ev. Johanniskirchengemeinde) spricht den zweiten geistlichen Impuls (Foto: Kannenberg)
Pfarrerin Ramona Winkler-Rudzio (Ev. Johanniskirchengemeinde) spricht den zweiten geistlichen Impuls (Foto: Kannenberg)

Pfarrerin Ramona Winkler-Rudzio (Ev. Johanniskirchengemeinde), ebenfalls Mitglied von „Gemeinsame Wege“, leitete dann den zweiten geistlichen Impuls des Abends ein und brachte das Gehörte für die Besucher noch einmal auf den Punkt: Vor dreißig Jahren geschah ein echtes Wunder, ausgelöst durch einfache Gebete und den Willen einiger weniger Christen, die daran glaubten, dass jetzt die Zeit für die Wiedervereinigung gekommen war. Ihr Vertrauen auf Gott wurde erhört und es formierte sich aus den wenigen Visionären eine riesige Bewegung, die durch ihre beharrlichen Treffen und die berühmten Montags-Demonstrationen ohne jegliche Gewalt ein ganzes Regime zu Fall brachten.

 

Als letzten Gast des Abends begrüßte Irmtraut Huneke Sebastian Wagemeyer, den neuen Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid. Er erzählte von der gerade gewonnen Kommunalwahl, von seinem persönlichen Hintergrund und davon, wie er es nur langsam realisiert, dass er jetzt tatsächlich Bürgermeister ist. Er sprach zudem seinen ehemaligen Konkurrenten um das Bürgermeisteramt Christof Weiland ganz persönlich an. Dieser wohnte gemeinsam mit Stadtrat Ralf Schwarzkopf ebenfalls der Veranstaltung bei. Sebastian Wagemeyer gab glaubwürdig der Hoffnung Ausdruck, dass man ab jetzt den Wahlkampf hinter sich lassen und gemeinsam zum Wohl der Stadt agieren werde. Die Zuschauer durften an diesem Abend den Eindruck gewinnen, dass hier gegenseitige Sympathien bestehen, die wirklich ernstgemeint sind und sich auf das innerstädtische Leben positiv auswirken werden.

Pastor Johannes Broxtermann (St. Joseph und Medardus-Kirche Lüdenscheid) mit einem weiteren geistlichen Impuls (Foto: Kannenberg)
Pastor Johannes Broxtermann (St. Joseph und Medardus-Kirche Lüdenscheid) mit einem weiteren geistlichen Impuls (Foto: Kannenberg)

Irmtraut Huneke führte moderat und eloquent durch diese anspruchsvolle Veranstaltung, hatte für jeden ein gutes Wort und brachte den Abend mit einem gemeinsamen „Vater Unser“ zu einem gelungenen Ende. Unterstützt wurde sie dabei von einem ganzen Team von Ordnern sowie ihren Weggenossen von den „Gemeinsamen Wegen“, zu denen auch Volker Hagedorn (FeG Börsenstraße) als Organisator der Veranstaltung gehörte. Das Event wurde gut und professionell durchgeführt. Auch Technik und Bühne funktionierten trotz der Kälte und des nachmittäglichen Dauerregens tadellos, was besonders die verantwortlichen Bühnenbauer um Nicolas Leitgeb (Sound of Centuries) freute.

 

Musikalisch wurde der Abend wunderbar begleitet von der Band96, die der Kälte und ihren eiskalten Händen tapfer wiederstand und die Besucher mit ihren Songs mitzureißen wusste. Alles in allem eine schöne und wichtige Veranstaltung anlässlich eines großen Datums der deutschen Geschichte. Denn so lange unsere Erinnerungen an das „Deutsche Wunder“ lebendig bleiben, bleibt die Hoffnung, dass es auch den Wenigen und den scheinbar Schwachen möglich ist, eine ganze Welt zu verändern. Dies wurde vor dreißig Jahren eindrücklich bewiesen!

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