Kirchenkreis
„Mut und Menschlichkeit“
13.4.2026

„Mut und Menschlichkeit“ – Der bekannte deutsche „Arzt ohne Grenzen“ Dr. Tankred Stöbe zu Gast in der Evangelischen Kirche Oberbrügge
Text und Fotos: Iris Kannenberg
HALVER-OBERBRÜGGE + Im März besuchte Dr. Tankred Stöbe im Rahmen einer Vortragsreihe zu seinem neuen Buch „Mut und Menschlichkeit“ die Evangelische Kirche in Halver-Oberbrügge. Erwartungsgemäß bei solch einer international bekannten Persönlichkeit, war die Kirche gut gefüllt. Der Arzt wusste spannend und abwechslungsreich von seinen vielen Auslandseinsätzen zu berichten, las aus seinem Buch, zeigte Fotos und erzählte persönliche Geschichten über die Menschen, die er in den vielen Jahren seiner Tätigkeit als „Arzt ohne Grenzen“ unter abenteuerlichen und oft lebensgefährlichen Umständen behandelte.
Tankred Stöbe ist ein deutscher Arzt, der durch sein außergewöhnliches Engagement im Bereich der humanitären Medizin und internationale Notfallhilfe bekannt wurde. Seine Arbeit hat zahlreiche Leben gerettet und setzt Maßstäbe für ärztliche Verantwortung im globalen Kontext. Er wurde in Deutschland geboren und absolvierte seine medizinische Ausbildung an renommierten Universitäten. Nach seinem Studium spezialisierte er sich auf Innere Medizin und Notfallmedizin. Bereits früh in seiner Karriere engagierte er sich für Hilfsprojekte im In- und Ausland.

Seit vielen Jahren ist er aktives Mitglied der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ (Médecins Sans Frontières). In seiner Rolle als Einsatzarzt und später als Präsident der deutschen Sektion leitete er zahlreiche Missionen in Krisengebieten, darunter in Konfliktregionen wie Syrien, Ukraine, Sudan und Haiti. Sein Einsatz umfasst dabei sowohl die medizinische Versorgung von Menschen in Not als auch die Koordination von Teams unter schwierigen Bedingungen. Dazu gehören Herausforderungen wie Epidemien, Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten. Er berichtet regelmäßig über die medizinischen und ethischen Herausforderungen, denen sich Ärzte in solchen Situationen stellen müssen. Seine Erfahrungen teilt er in Vorträgen, Interviews und Publikationen, um das Bewusstsein für humanitäre Krisen zu schärfen. Neben seiner Tätigkeit im direkten Einsatz ist Dr. Stöbe auch in der deutschen Öffentlichkeit präsent. Er setzt sich für eine stärkere Unterstützung humanitärer Organisationen und eine solidarische Flüchtlingspolitik ein. In zahlreichen Medienbeiträgen und Podiumsdiskussionen vertritt er die Position, dass medizinische Hilfe unabhängig von politischen oder religiösen Überzeugungen erfolgen sollte.
An diesem Abend in der Oberbrügger Kirche zeigte er sich nahbar, beantwortete gleich zu Anfang viele Fragen und beeindruckte durch seine lebendige Darstellung von Einsätzen mitten in Kriegsgebieten. Berührend die Geschichte von Nancy, die als Kind von ihren Eltern geraubt und in Uganda als Kindersoldatin zwangsweise rekrutiert wurde. Mit 17 Jahren gelang ihr die Flucht in das Camp von „Ärzte ohne Grenzen“. Gemeinsam mit ihrem Säugling. Ihr Schicksal ist so tragisch, dass man rein menschlich gesehen wenig Hoffnung für sie hat. Und doch zeigte sie einen ungebrochenen Lebenswillen und den Glauben daran, dass sie es dauerhaft schafft, ihren Unterdrückern zu entkommen.

Wahrscheinlich könnte der Arzt viele Abende damit verbringen, aus seinen ereignisreichen Einsätzen zu erzählen. Er verstärkt damit bei seinen Zuhörern definitiv das Bewusstsein dafür, dass die vielen weltweiten humanitären Katastrophen, über die nur teilweise in den Medien berichtet werden, echte Menschen betreffen. Dass es Einzelschicksale sind, die sich zu einer wahren Nemesis vereinen. Weil es so viele sind, dass man schier den Überblick verliert. Einzelschicksale bleiben dabei meist unbeachtet – von einer anonymen Masse kann man sich eben leichter distanzieren. Bei den Personen, von denen man an diesem Abend erfuhr, ist das nicht mehr so einfach. Man partizipiert unwillkürlich, wird direkt konfrontiert und muss sich dementsprechend einer Realität stellen, die so grausam ist, dass man sie nur schwer erträgt.
Dr. Tankred Stöbe steht für eine Medizin, die über Grenzen hinausgeht. Sein unermüdliches Engagement und seine Fähigkeit, auch unter extremen Bedingungen zu helfen, machen ihn zu einem Vorbild für humanitäre Hilfe und ärztliche Ethik. Für seine Verdienste wurde der Arzt völlig zu Recht mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Bundesverdienstkreuz. Seine Arbeit ist ein Beispiel für gelebte Solidarität und Mitmenschlichkeit und inspiriert viele junge Mediziner, sich ebenfalls in der internationalen Hilfe zu engagieren.

Er löst Bewunderung aus und gleichzeitig stellt man sich ziemlich schnell die berechtigte Frage, wie er das bloß aushält. Er scheint eine hohe Resilienz zu haben, denn Tankred Stöbe wirkt ungebrochen, beeindruckend stark und sehr realistisch. Für ihn ist sein Lebensstil normal. In seinem Blickfeld haben die Menschen, denen er hilft, Priorität. Ohne Vorbehalt, ohne Stolz auf die eigene Leistung und sehr selbstverständlich. Seine außergewöhnliche Lebensgeschichte zeigt daher einmal mehr, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und sich für das Wohl anderer einzusetzen. Über die eigenen Grenzen hinweg.

Weitere Artikel:
- Matthias-Claudius-Haus: Zeitreise mit Sven Schemmel
- Musikalische Leidenschaft trifft starkes Engagement
- Voll Hoffnung leben – in dieser Welt
- Elf Jahre „Wohnzimmer der Stadt“ – Die „Gute Stube Lüdenscheid“ feiert Geburtstag
- Wander-Nagelkreuz an Ev. Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt übergeben
- „Untätigkeit passt wohl nicht zu meiner Persönlichkeit.“
- „Mut und Menschlichkeit“
- Der springende Punkt
- Zukunftsgebäude Christuskirche
- TelefonSeelsorge Hagen-Mark sucht neue Ehrenamtliche
- Andrea Schmale geht in den Ruhestand
- Verabschiedung Margit Schmidt
- Wir trauern um Altsuperintendent Hans-Ulrich Köster
- Zeitumstellung bei der Turmuhr der Erlöserkirche
- Ostern - Gottes Einladung zu neuem Leben
- Maria stand vor dem Grab und weinte
- TelefonSeelsorge Hagen-Mark sucht neue Ehrenamtliche
- Kinder-Bibel-Wochenende in der Kreuzkirche
- Austausch über KiBiz-Reform und Werteorientierung
- Herzlich verbunden über Kontinente hinweg



