Kirchenkreis
„Untätigkeit passt wohl nicht zu meiner Persönlichkeit.“
15.4.2026

Pfarrer i. R. Dr. Uwe Renfordt unterstützt seit September 2025 mit viel persönlichem Engagement die Evangelische Kirchengemeinde in Werdohl
Text: Iris Kannenberg
WERDOHL + Pfarrer i.R. Dr. theol. Uwe Renfordt ist drahtig ist und durchtrainiert, mit wachen blauen Augen, die dem Blick nicht ausweichen. Ebenso wenig wie den Fragen, die ich ihm stelle. Denn eigentlich ist er seit 2023 im wohlverdienten Ruhestand. 33 Jahre war er Pfarrer der Kirchengemeinde Haßlinghausen-Herzkamp-Silschede, die ihn nur ungern ziehen ließ. Jetzt füllt er seit dem 1. September 2025 die Vakanz aus, die durch die Pensionierung von Pfarrer Martin Buchhaus in der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl entstand. Sein Dienst hat einen Stellenumfang von 50 Prozent und ist zunächst auf ein Jahr befristet.
Warum er arbeitet, will ich wissen, er könnte sich doch ein bequemes Leben machen, reisen, seinen Hobbys nachgehen und Gott danken für einen langen gesegneten Dienst. Die Antwort: „So bin ich einfach nicht. Untätigkeit passt wohl nicht zu meiner Persönlichkeit.“ Er sucht die Herausforderung, ist offen für Neues und liebt das, was er tut. Stillstand mag er generell nicht, dazu ist ihm Bewegung zu wichtig. Nicht nur geistig, sondern auch körperlich. Er hält sich fit, läuft regelmäßig, liebt das Skifahren und nahm sogar an Marathons teil. Dr. Uwe Renfordt ist neugierig und lernbereit und teilt sein profundes Wissen gern mit anderen. Pfarrer sein ist für ihn Berufung nicht Beruf.
Nach drei Jahrzehnten im Bergischen Land zog der geborene Sauerländer gemeinsam mit Ehefrau Heike 2023 zurück in sein Elternhaus nach Nachrodt-Wiblingwerde. Von dort aus ist es nicht weit nach Plettenberg, wo er bereits 2024 die Vertretung einer Kollegin übernahm, die in die Elternzeit ging. Nach ihrer Rückkehr wechselte er nach Werdohl, um Pfarrer Dirk Grzegorek zu unterstützen.

Neben seiner seelsorglichen Arbeit widmet sich der promovierte Theologe mit Begeisterung der kirchlichen Forschung. Hier hat es ihm besonders die Erweckungs- und Reformationsgeschichte angetan. Beide Themen sind für ihn nicht „graue Vergangenheit“, sondern lebendig, gegenwartsbezogen und aktueller denn je. Seine Forschungen zum Thema „Samuel Collenbusch, Arzt, Pietist und Kritiker der Aufklärung“, schloss er 2014 an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal mit dem Titel „Doktor der Theologie“ ab. Regelmäßig hält er Vorträge. Nicht nur im kirchlichen, sondern auch im säkularen Bereich. Mit Erfolg - seine Veranstaltungen sind gefragt.
Ihm macht es Freude. „Das ist das Gute am Ruhestand,“ sagt er, „ich kann mir aussuchen, was ich tun will und was nicht. In der Gemeindearbeit übernehme ich nicht mehr alles. Mein Aufgabenbereich ist deutlich kleiner geworden, weil ich mit einigen Dingen tatsächlich abgeschlossen habe. Die möchte ich nicht mehr machen. Es bleiben jedoch immer noch genug Bereiche, die ich gern ausfülle. Dazu gehören das Predigen sowie die Unterstützung bei Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten. Und ich investiere mehr in meine Vorträge, die ich z.B. auch in unserer Gemeinde anbiete.“
Dem Pfarrer i.R. gefällt es in Werdohl. „Ich arbeite Hand in Hand mit Pfarrer Dirk Grzegorek, die Gottesdienste sind gut gefüllt und es herrscht spürbare Erweckungsluft. Das drückt sich in einem Glauben aus, der in Werdohl lebendig gelebt wird, er ist präsent und ein wichtiger Teil des öffentlichen Lebens. Er findet nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern prägt die Stadt maßgeblich mit. So sollte es sein, denn Kirche war nie als Randerscheinung gedacht, sondern als zentraler Teil des menschlichen Miteinanders.“

Pfarrer Dr. Uwe Renfordt ist ein Gewinn für die Evangelische Kirchengemeinde in Werdohl. Er fällt positiv auf, Kollegen und Gemeindemitglieder vertrauen ihm. Mit seiner offenen Art und seinem Engagement für die Menschen vor Ort hat er sich als verlässlicher Ansprechpartner etabliert. Man schätzt ihn zudem für seine Authentizität und seine Fähigkeit, zwischenmenschlich stabile Brücken zu bauen. Und würde es bedauern, ihn zu verlieren. Zu gut hat er sich ins Geschehen eingefügt und bereichert die Gemeinde mit seiner Anwesenheit.
Wie er sich seine Zukunft vorstellt, will ich wissen. Er lächelt und sagt: „Die Vertretung dauert immer jeweils nur ein Jahr, dann wird neu nachgedacht. Ich halte es mir offen, wie es danach weitergeht, bin jedoch sehr gern hier und könnte mir vorstellen, in Werdohl meinen Dienst zu verlängern. Mal schauen, was Gott zukünftig für mich bereithält…“
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