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„Dass nur für Jesus und sein Reich etwas herauskommt.“

14.2.2020

Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg verstarb am 07. Februar 2020 mit 65 Jahren. Ihr Lieblingsbibelvers stammt aus dem Römerbrief 14, Vers 8: "Leben wir, dann leben wir dem Herrn. Sterben wir dann sterben wir dem Herrn. Deshalb, ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn!" Das war ihre Zuversicht. (Foto: Kannenberg)

Von Iris Kannenberg & Matthias Willnat (EKKLP)

 

KIRCHENKREIS / OBERRAHME + Monika Deitenbeck-Goseberg, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte und beliebte Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Oberrahmede, verstarb am Freitagmorgen plötzlich und unerwartet, nur wenige Tage nach ihrem 65. Geburtstag. Sie hinterlässt damit nicht nur in ihrer Familie, bei ihren Freunden, in ihrer Kirchengemeinde und dem Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg eine große Lücke, sondern auch in der Stadt Lüdenscheid, in Deutschland und weit darüber hinaus.

 

Nach Bekanntwerden der traurigen Nachricht, versammelten sich viele Menschen noch am Freitagabend zum gemeinsamen Gedenken an ‚ihre Moni‘ in der Kirche Oberrahmede. „Wir stehen als Gemeinde unter einem großen Schock. Unser gemeinsamer Trost ist: Moni ist jetzt bei Jesus und eines Tages werden wir uns alle wiedersehen, das ist gewiss. Bis dahin lebt sie in unseren Herzen weiter. Nicht nur in den Herzen unserer Gemeindemitglieder, sondern überall in unserer Stadt und unserem Land. Und weit darüber hinaus. Wir alle haben ihr viel zu verdanken. Und sie wird uns unendlich fehlen. Ihre Liebe, ihr Mut, ihre Einsicht, ihre Herzlichkeit und ihr riesengroßes Herz. Sie ist jetzt da, wo wir alle einmal hingehen werden. Jung, fröhlich, gesund. Vielleicht tanzt sie gerade mit Jesus einen rasanten Walzer. Und sie wartet auf uns. Bis dahin lasst uns gemeinsam ihr Werk fortführen und an der Hand Jesu diese Welt ein bisschen besser machen. Das hätte sie sich sicher gewünscht, denn sie war eine Hoffnungsträgerin. Eine lodernde Flamme, die nun nach Hause geholt wurde. Wir durften viel von ihr lernen, lasst uns das Gelernte niemals vergessen“, war es von Ev. Kirchengemeinde Oberrahmede zu hören. 

 

„Sie wird geliebt, denn sie wollte allen mit Liebe begegnen: Obdachlosen, Ausländern, Kranken, Trauernden, Glaubenden und Suchenden. Jeden umarmte sie, für jeden holte sie aus ihrem unerschöpflichen Vorrat ein kleines Geschenk – immer mit einer Spruchkarte als Einladung zum Gottvertrauen“, so Bärbel Wilde, bis 2008 ebenfalls Pfarrerin in Lüdenscheid und enge Wegbegleiterin von Monika Deitenbeck-Goseberg.

 

Auch Klaus Majoress, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, würdigt in seinem Nachruf die große Bedeutung von Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg: „Sie war nicht nur eine begnadete Predigerin und Seelsorgerin. Sie hatte auch ein Herz für die Menschen, wie es kaum noch einmal zu finden ist. Getragen vom Glauben an die grenzenlose Liebe Gottes war ihr jeder Mensch wichtig. Es ist nicht nur in unseren Gemeinden und im Stadtbild von Lüdenscheid unvorstellbar, dass sie nicht mehr da ist. Sie hat weit über die Kreise unserer Region hinaus mit einer unvorstellbaren Schaffenskraft gewirkt und Menschen die Freude unseres Glaubens und die Hoffnung auf Gottes Ewigkeit nahe gebracht. Für uns alle war sie eine glaubwürdige Zeugin des Evangeliums von Jesus Christus.“

 

 

Unermüdlicher Einsatz


Die Arbeit mit Flüchtlingen war ihr eine echte Herzensangelegenheit (Foto: Kannenberg)

 

Als Pfarrerin der Oberrahmede gründete sie nicht nur den Obdachlosenförderkreis (OFK), sondern war auch in der Flüchtlingshilfe aktiv. Tatsächlich war sie 2015 diejenige, die den ersten Konvoi von Flüchtlingen - damals noch am Lüdenscheider Dickenberg - begrüßte und sich von da an unermüdlich für sie einsetzte.

 

Ihr letztes "Großprojekt" war die "Arche Lüdenscheid e.V.", die Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörige auf ihrem Weg des Abschieds berät und begleitet. Monika Deitenbeck-Goseberg und ihr Team kämpften drei Jahre dafür, dass die Arche endlich Realität wurde.

 

 

Tragende Säule

Die Einheit unter den Christen - wie hier bei den "Gedenktagen zum 3. Oktober" in der Medarduskirche - waren ihr wichtig (Foto: Kannenberg)

 

Sie war auch überkonfessionell tätig. Die "Gemeinsame Wege Initiative" und die "Gute Stube Lüdenscheid" würde es nicht geben ohne sie. Sie war bei ProChrist, bei den "Gemeindetagen unter dem Wort", der "Allianzgebetswoche" und vielen anderen Großevents der christlichen Kirchen Lüdenscheids eine tragende Säule.

 

Ihr Herz schlug für die Einheit, das gegenseitige Annehmen und die Liebe unter den verschiedenen christlichen Denominationen und so war sie über Jahrzehnte hinweg ganz selbstverständlich auch eine der treibenden Kräfte in der ‚Deutschen Evangelischen Allianz‘, mit der sie zutiefst verbunden war. „Monika Deitenbeck-Goseberg ist uns mit ihrem Leben ein kraftvolles Vorbild im Glauben an einen starken, den Menschen freundlich zugewandten und lebendigen Gott. Ich habe selten so eine authentische Christin kennen gelernt“, schrieb Reinhardt Schink, Generalsekretär der Evangelischen Allianz, nach auf seiner Facebook- Seite.

 

Politisch wachsam

Gemeinsam mit Lüdenscheider PolitikerInnen im bei einer Europa-Kundgebung Rosengarten. Dieses Thema ging Monika Deitenbeck-Goseberg immer etwas an (Foto: Kannenberg)

 

Monika Deitenbeck-Goseberg beobachtete gerade in den letzten Jahren mit Besorgnis den Rechtsruck und die damit verbundene schleichende Demontage der Demokratie in Europa. Ihr war es wichtig, aktiv dagegen zusteuern.

 

Gemeinsam mit vielen Politikern der Stadt Lüdenscheid, sowie den "Gedenkzellen e.V." und anderen Verbänden der Stadt organisierte sie Kundgebungen zum Thema "Europa", um die Menschen aufzurütteln und ihren Blick auch politisch zu schärfen. Sie wünschte sich wachsame, mündige Bürger, die sich Freiheit und Frieden nicht einfach so wegnehmen lassen.

 

 

Der Bürgermeister und die Pfarrerin

Diese zwei verband echte Freundschaft: Bürgermeister Dieter Dzewas (links) und Monika Deitenbeck-Goseberg bei einem Treffen mit dem Lüdenscheider Stadtmarketing (rechts: Der Leiter des Stadtmarketings André Westermann) (Foto: Kannenberg)

 

Mit dem Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid, Dieter Dzewas, übernahm sie so auch immer wieder die Schirmherrschaft über ihnen beiden wichtige Veranstaltungen. Zuletzt bei der "Gedenkfeier zum 3. Oktober", die in der katholischen Kirche "St. Peter und Medardus" stattfand und mit einem Sternmarsch und einer großen Kundgebung auf dem Sternplatz endete.

 

Aber auch für das kunterbunte BAUTZ-Festival trommelte sie eine Mannschaft aus Helfern zusammen, die zwei Tage lang die große Hüpfburg betreute und dann noch den "Family-Day" am Sonntag nach BAUTZ rundum organisierte. Der Bürgermeister übernahm auch für den "Family-Day" die Schirmherrschaft und so zogen die zwei einmal mehr am selben Strang.

 

 

Brennendes Herz

Wenn man all das aufzählen könnte, was sie für Stadt und Land getan hat, wäre es schwer ein Ende zu finden (Foto: Kannenberg)

 

Auf den Punkt gebracht, kann man über ihr öffentliches Leben eines ganz gewiss sagen: Sie hatte ein brennendes Herz für Gerechtigkeit und Frieden. Sie war bereit, laut und deutlich auf Missstände aufmerksam zu machen und scheute sich nie davor, dies aus der ersten Reihe und an vorderster Front zu tun. „Mit Dir konnte man lachen, weinen, beten, denken, glauben, lieben, hoffen und das alles zur gleichen Zeit. Pfarrerin mit Leib und Seele, Allianzfrau, Brückenbauerin - die Liebe Gottes nochmal anders sagen. Du konntest auch ‚Moll‘, wusstest von Tiefen, Krankheit, von Zweifel und Sorgen - und auch darin warst Du echt“, würdigte Michael Diener, Vorsitzender bei Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband, Monika Deitenbeck-Goseberg.

 

 

Ihre Kraft kam aus ihrem Glauben

Die Kraft dazu gab ihr ihr unbeirrbarer Glauben. „Sie war eine fröhliche, überzeugende Botschafterin des Evangeliums von Jesus Christus und eine Ermutigerin für viele, auch für mich“, erinnert sich Ulrich Parzany, ehemaliger Generalsekretär des CVJM Deutschland und Vorsitzender von ‚ProChrist‘.

Und sie hatte eine Familie und eine Gemeinde, die vieles aktiv mittrugen, was Monika Deitenberg-Goseberg auf dem Herzen hatte. Auch auf diesen Rückhalt konnte sie sich immer verlassen.

 

 

Verabschiedung war geplant


Sie mochte die jungen Menschen in ihrer Gemeinde sehr und fühlte eine innige Verbundenheit zu ihnen (Foto: Kannenberg)

 

Am Reformationstag 2020 war die Verabschiedung von Monika Deitenbeck-Goseberg als Gemeindepfarrerin geplant. Dann sollte der ‚Ruhestand‘ folgen. Sie wollte noch einmal ganz neu anfangen und steckte voller Pläne. In diesem Monat war bereits ihr Umzug geplant, von der Gemeindewohnung in der Kirche Oberrahmede ins frisch renovierte Elternhaus gegenüber der Kreuzkirche.

 

Das Leben, oder besser gesagt ‚Ihr Vater im Himmel‘, schreibt aber seine eigenen Gesetze und Biografien. Monika Deitenbeck-Goseberg ist nun tatsächlich umgezogen, jedoch nicht in ihr Haus in der Worthstraße, sondern in das Zuhause, worauf ihr ganzes Leben ausgerichtet war. Sie war schon seit 2018 immer wieder krank. Sehr krank sogar. Familie und Gemeinde machten sich Sorgen und hätten sich gewünscht, sie würde kürzertreten. Sich mehr Erholung gönnen. Trotzdem hätte niemand in ihrer direkten Umgebung daran geglaubt, dass sie jetzt schon heimgerufen wird.

 

Monika Deitenbeck-Goseberg in der Lüdenscheider Kreuzkirchengemeinde. In dieser Gemeinde war ihr Vater, Paul Deitenbeck, Pfarrer. Sie wurde dort groß. Ihre Verbundenheit mit dieser Gemeinde hat nie aufgehört. Sie bestand über all diese Jahre hinweg ungebrochen (Foto: Kannenberg)

 

 

Noch einmal alles geben

Tatsächlich schien es jedoch gerade in den letzten Monaten so, als würde sie noch einmal eine "Schippe" drauflegen. Noch einmal alles geben, was sie zu geben hatte. Ob sie eine Vorahnung hatte, dass ihr dafür nur noch wenig Zeit bleibt? Das ist reine Spekulation!

Eines aber ist sicher: Sie glaubte fest an ein Leben nach dem Tod und wusste sich geborgen in ihrem Gott. Sie hatte keine Angst, zu gehen. Sie freute sich sogar darauf und predigte diese aus ihrer Sicht berechtigte Freude auf ein ewiges Leben, oft am Sonntag von ihrer Kanzel.

 

 

Ihre Zuversicht

Monika Deitenbeck-Goseberg war eine lodernde Flamme. Nicht vielen Menschen ist es gegeben, in ihrem Leben so viel zu bewirken und so viel zu verändern. Gegangen ist sie als Ehefrau, Mutter und Großmutter, als Pfarrerin, Freundin und Vorbild. Sie hinterlässt tatsächlich eine große Lücke. Große Trauer. Aber auch große Dankbarkeit in den Herzen derer, die jetzt zurückbleiben und ein festes Fundament, auf dem ihre Gemeinde und ihr Kirchenkreis weiter bauen können.

 

Ihr Lieblingsbibelvers stammt aus dem Römerbrief 14, Vers 8: "Leben wir, dann leben wir dem Herrn. Sterben wir dann sterben wir dem Herrn. Deshalb, ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn!" Das war ihre Zuversicht. Das hat sie geglaubt.

 

„In allen Begegnungen war es mir immer mein Anliegen: Ich will es den anderen leichter machen zu leben, zu lieben, zu leiden, zu glauben. Das ist mir mein Lebensanliegen“, sagte Monika Deitenbeck-Goseberg einmal. So übernahm sie auch für ihr Leben und Wirken den Wahlspruch ihres bekannten Vaters Paul Deitenbeck: „Dass nur für Jesus und sein Reich etwas herauskommt.“

 

Ruhe in Frieden, liebe Monika Deitenbeck-Goseberg. Deine Familie, Deine Gemeinde, Dein Kirchenkreis, Deine Stadt und so viele Menschen in unserem Land, und darüber hinaus, werden Dich niemals vergessen. Wir sehen uns wieder, ganz sicher! Irgendwann bei unserem Vater im Himmel!

 

Die Allianzkonferenz in Bad Blankenburg der deutschen evangelischen Allianz. Monika Deitenbeck-Goseberg war immer dabei.

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