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Ein schmerzlicher Anlass

16.1.2026

Jeder konnte seine persönlichen Gedanken, Erlebnisse und Gefühle, die man zur Dreifaltigkeitskirche hatte, aufschreiben und als Erinnerungszettel in die Taufschale der Kirche legen (Foto: Damschen)

Von Hartmut Damschen

 

PLETTENBERG + Abschied nehmen von etwas Liebgewonnenem heißt Trauer und Schmerz zu verspüren. Selbst, wenn es etwas aus Stein und Beton ist, das aber Menschen zusammenführen konnte und ihnen sehr wichtig war.

 

Daher war der letzte Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche in Landemert für einige treue Gemeindemitglieder der Ev. Kirchengemeinde Plettenberg aus Landemert, das Presbyterium, Pfarrerin Christine Rosner, den Pfarrbeauftragten Johannes Westhoff und den Kirchenchor unter der Leitung von Verena Knabe ein schmerzliches Miteinander. Die Dreifaltigkeitskirche in Landemert konnte aufgrund der langfristig schwierigen Haushaltslage der Gemeinde finanziell nicht mehr gehalten und musste somit entwidmet werden. Künftig steht sie zum Verkauf.

 

Die Widmung als Gotteshaus, die am 3. Advent 1958 ausgesprochen wurde, gilt nun leider nicht mehr. Über die Gründe wurde vielfach gesprochen und nun war es so weit. In einem bewegenden letzten Gottesdienst galt es Abschied von dieser doch sich gut gehaltenen Kirche des Dorfes zu nehmen. Gut schaut sie allemal aus, eigentlich viel zu gut, um nicht mehr ihrem Zweck zu entsprechen. Doch das ist nun vorbei.

 

Pfarrerin Rosner begann den Gottesdienst nach dem musikalischen Vorspiel von Verena Knabe an der Orgel mit dem Text aus Jesaja 66 und fügte dann an: „Wir beginnen mit diesen Worten, aber gleichzeitig ist heute auch alles ein Ende.“ Sie erinnerte an Otto Frommann, der vor 70 Jahren kostenlos das Grundstück für den Kirchenbau zur Verfügung stellte. Voll Wehmut rief sie vor das geistige Auge der Anwesenden die Bilder von Gottesdiensten, Hochzeiten und Taufen. „Wir haben hier Gutes erfahren.“, sagte sie und fuhr fort: „Es liegt Würde darin, Dinge sein zu lassen, auch Gebäude loszulassen, statt sie krampfhaft festzuhalten. Lieber etwas bewusst und feierlich abschließen, als es irgendwann und irgendwie unwürdig abzuschließen.“

 

Der Vorsitzende des Presbyteriums, Peter Winkemann, machte mit dem Psalm 46 Mut: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge…“

 

Im Sündenbekenntnis resümierte Pfarrerin Rosner: „Es ist schon lange her, dass diese Kirche Woche für Woche, Sonntag für Sonntag voller Menschen war….“ Und selbstkritisch weiter: „Wie oft waren wir uns selbst genug…Wir sind weniger geworden und daran haben wir unseren Anteil. Das bekennen wir dir. Wir bringen dir unsere Trägheit, unsere Selbstgefälligkeit unser Versagen, unsere Schuld. Wir bitten dich, vergib uns…Herr erbarme dich.“ Sie gab aber auch gleich darauf mit Jesaja 54, 10 die Zusage Gottes: „Es sollen wohl Berge – und Gebäude – weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen…“

 

Auch Britta Stein machte mit ihrer Lesung Mut, die mit Römer 4 begann.

Nach dem Glaubensbekenntnis, zu dem Peter Winkemann aufrief, hielt Erhard Knabe seine Predigt. Im 3. Kapitel der Klagelieder jammert Jeremia über die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier, die Entführung der Bevölkerung, um Kontrolle über sie zu haben. Doch dann erinnert sich Jeremia an Gottes Erbarmen: „Die Güte des Herrn ist’s, dass wir noch leben, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sie ist alle Morgen neu. Und deine Treue ist groß.“ So wurde aus der Klage eine Hoffnung. Eindringlich verwies Knabe auf das Bibelwort „Nicht auf das sehen, was noch fehlt, sondern für das danken, was wir haben.“ Und das, was wir haben und Knabe beispielhaft aufzählte, ist eine Menge: Das tägliche Brot, sauberes Wasser, einen gefüllten Kleider- und Kühlschrank, Feuerwehr, Rettungsdienst, die Polizei und vieles mehr, wonach sich andere sehnen. Mit: „Die Sonnenblume wendet sich der Sonne zu, dem Licht.“, beschloss er seine richtungsweisende Predigt.

Die Fürbitten hielten GemeindeSchwester Sabine Hollweg, Kinderreferentin Anneke Westhoff, Pfarrerin Christine Rosner sowie Peter Winkemann, der auch Prädikant in der Gemeinde ist.

 

Was hatte es aber mit den Notizzetteln und Kugelschreibern an jedem Platz auf sich? Das wurde von Peter Winkemann erklärt: Jeder sollte seine persönlichen Gedanken, Erlebnisse und Gefühle, die sie zur Dreifaltigkeitskirche haben, aufschreiben. Dann wurde symbolisch der Auszug aus der Kirche vollzogen. Peter Winkemann trug das Altarkreuz in die bereitgestellte Truhe, Prädikantin Silke Bergmann die Osterkerze, Johannes Westhoff die Bibel und Christine Rosner die Taufschale. Zum Schluss dieser Aktion sollten die Erinnerungszettel in die Taufschale gegeben werden.

 

Den Gottesdienst beschlossen Pfarrerin Rosner und der Presbyter-Vorsitzende Peter Winkemann dann mit dem gemeinsam gespendeten Segen Gottes. Mit dem bewegenden Gottesdienst endete die Zusammenkunft aber noch nicht. Die Kirchengemeinde hatte organisiert, dass im Anschluss für alle Anwesenden die Gelegenheit bei einem Imbiss bestand, im persönlichen Rahmen manches frühere Erlebnis in der Gemeinde und der Dreifaltigkeitskirche in Landemert auszutauschen.

Bildimpressionen des Entwidmungsgottesdienstes (alle Fotos: Damschen)

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