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„Gemeinsam bekommen wir das hin!“
27.2.2026

Von Iris Kannenberg
LÜDENSCHEID + Die Erlöserkirche in Lüdenscheid zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten der Stadt und ist weit über die Region hinaus als eindrucksvolles Baudenkmal bekannt. Errichtet zu Beginn des 19. Jahrhunderts, prägt sie seitdem das Stadtbild und fungiert als lebendiges Zeugnis der religiösen, gesellschaftlichen und architektonischen Entwicklung Lüdenscheids.
Das Kirchenschiff wurde zwischen 1823 und 1826 im Stil des späten Klassizismus erbaut, einem Baustil, der durch seine Kombination verschiedener historischer Architekturelemente besticht und durch sorgfältig gearbeitete Schmuckelemente und einen imposanten Turm ergänzt wird. Das Innere der Kirche beeindruckt durch seine hohe Gewölbedecke und die kunstvoll gestalteten Fenster, die biblische Szenen und Motive darstellen.
Historisch betrachtet spiegelt die Entstehung der Erlöserkirche die Blütezeit der Industrialisierung in Lüdenscheid wider. Zu dieser Zeit wuchs die Bevölkerung der Stadt rasant, und mit ihr der Bedarf an neuen Kirchenräumen für die evangelische Gemeinschaft. Die Kirche wurde damit zum Symbol für gesellschaftlichen Wandel und Zusammenhalt und ist bis heute ein zentraler Ort für Gottesdienste, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen.
Besonders der Turm der Kirche prägt seit nunmehr 950 Jahren das Stadtbild und ist nicht nur weithin sichtbar, sondern auch das älteste Gebäude im Märkischen Kreis. Mit seiner charakteristischen Silhouette und der eindrucksvollen Architektur zieht er sowohl Gemeindemitglieder als auch Besucher in seinen Bann. Als ehemaliger Wehrturm, von dem die Schießscharten zeugen, die heute teilweise in den Innenraum zeigen, da die Kirche später angebaut wurde, kann man auf beeindruckende Weise nachvollziehen, welch große Bedeutung der Turm über Jahrhunderte hinweg für die Lüdenscheider Bevölkerung hatte.
Gemeinsam steigen Finanzkirchmeisterin Iris Espelöer, Pfarrer Jürgen Jerosch und Presbyter Jan Trimpop die engen Stiegen zu dem einzigartigen Uhrwerk der Kirche hinauf. Keine einfache Angelegenheit, da der Platz sehr beengt ist. Die drei klettern über eine schmale Holztreppe bis hoch zu den Glocken. Man kann sich nur schwer der geschichtlichen Bedeutung des Turmes verschließen, wenn man sich inmitten der dicken Mauern befindet. Hier spürt man hautnah und bei jedem Schritt die Präsenz von Generationen tapferer Wehrleute, die in diesen Mauern für den Schutz der Stadt sorgten.
Doch die Spuren der Zeit machten leider trotz der massiven Bauweise vor dem ehrwürdigen Turm nicht Halt. Jahrzehntelange Witterungseinflüsse, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen führten zu sichtbaren Schäden an der Bausubstanz. Risse im Mauerwerk, abplatzender Putz sowie herunterfallende Dachschindeln sind deutliche Zeichen dafür, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die Sicherheit und den Fortbestand des Turmes zu gewährleisten.
Die Renovierung des Turms wurde daher zu einem ehrgeizigen und aufwändigen Projekt. Unter der Leitung erfahrener Restauratoren und mit Unterstützung zahlreicher Spenden aus Gemeinde und Bevölkerung sowie Fördermitteln des Bundes begann die Sanierung zunächst einmal mit einer umfassenden Bestandsaufnahme und Schadensanalyse. Dabei wurden auch moderne Techniken wie Drohnenaufnahmen und Lasermessungen verwendet, um den Zustand des Turmes präzise zu dokumentieren.
Zu den wichtigsten Maßnahmen, während der im März beginnenden Renovierung wird die fachgerechte Restaurierung der Turmhaube zählen. Sollten Ausbesserungen des Mauerwerks von Nöten sein, werden diese vorgenommen, solange das Gerüst steht. Besonderes Augenmerk gilt der originalgetreuen Wiederherstellung historischer Details, damit der Turm auch nach der Sanierung seinen einzigartigen Charakter behält. Darüber hinaus wird die Glockenmechanik überholt und moderne Blitzschutzanlagen installiert, um die Sicherheit nachhaltig zu erhöhen.
Fast nebenbei hält die Renovierung noch ein weiteres Detail bereit: Mit der Instandsetzung des Turmes wird auch das Hauptportal, ebenfalls wegen Bauschäden seit Jahren geschlossen, wieder seine Pforten öffnen. Bislang gelangt man lediglich durch den Seiteneingang in die Kirche. Die Gemeinde freut sich nun umso mehr, dann wieder durch den Haupteingang den schönen Innenraum mit seiner einzigartigen Orgel betreten zu können.
Als Baudenkmal ist die Kirche ein herausragendes Beispiel für die gelungene Symbiose aus Tradition und Innovation in der Architektur und vermittelt einen Eindruck von der Bedeutung des kirchlichen Lebens für die Stadtentwicklung. Zudem dient sie als Erinnerungsort, der die Geschichte Lüdenscheids lebendig hält und Identität stiftet. Trotzdem ist es nicht einfach, die Mittel für die Restaurierung zusammenzubekommen. Der erste Förderantrag wurde schlichtweg abgelehnt. Aber man gab nicht auf und bekam schließlich ca. 370.000 Euro aus Bundesmitteln zugesagt. Dazu kommen im Moment noch 106.000 Euro an Spenden. Trotz dieses großen Einsatzes klafft bei den Gesamtkosten von ca.760.000 Euro im Moment also noch ein Loch von 284.000 Euro, das gestopft werden muss und den Haushalt der Kirchengemeinde damit belastet.
Doch die Gemeinde ist weiterhin zuversichtlich. Iris Espelöer erklärt: „Wir haben bereits so viele Hürden genommen, so hart gekämpft und uns so eingesetzt für dieses unersetzliche Baudenkmal mitten in unserer Stadt, dass wir jetzt nicht vorhaben, aufzugeben. Wir glauben daran, die Restsumme auch noch aufzubringen und hoffen dabei auf das Engagement der Stadt und ihrer BürgerInnen. Die Erlöserkirche als Ganzes ist unersetzbar für das Stadtbild. Sie gehört zu Lüdenscheid wie kaum ein anderes Gebäude. In ihrem Schatten rasten die Bürger im Sommer, erfreuen sich an der Schönheit der Anlage und an der wunderbaren Atmosphäre rund um die Kirche. Jetzt zerstört ein Bauzaun diesen besonderen Ort.“ Jan Trimpop ergänzt: „Die Kirche gehört nicht nur den Gläubigen, sondern allen Lüdenscheidern, was sich auch darin widerspiegelt, dass sie immer wieder durch öffentliche Veranstaltung als kultureller Magnet fungiert. Ob bei den Lichtrouten, an denen wir regelmäßig teilnehmen oder bei den großartigen Orgelkonzerten, zu denen die Kirche bis zum letzten Platz besetzt ist. Oder als Probe- und Konzertraum für die Musikschule Lüdenscheid. Das kulturelle Spektrum ist riesig und wird gern wahrgenommen. Von daher ist es uns mehr als wichtig, Kirche und Turm für die Lüdenscheider nutzbar zu erhalten.“
Pfarrer Jürgen Jerosch weist ergänzend darauf hin, dass Kirchen ein gemeinsames Kulturgut von Stadt und Gemeinde sind, die es zu erhalten gilt. Sie wurden von den vergangenen Generationen für die heutigen mit viel persönlichem und finanziellem Einsatz, Glauben und Hoffnung erbaut. Als Wahrzeichen einer funktionierenden Gemeinschaft, die weit in die Zukunft blickte. Die Erlöserkirche ist und bleibt daher ein lebendiges Denkmal, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet. Iris Espelöer wünscht sich stellvertretend für die Gemeindemitglieder noch viele Spenden aus der Bevölkerung, um das Projekt Turm abschließen zu können. Dann verschwindet auch der Bauzaun, das Portal erstrahlt in neuem Glanze und die Mauern, Nischen und Bänke rund um die Kirche laden erneut zum ungestörten Verweilen ein. „Wir sind dankbar für jede noch so kleine Spende und garantieren, dass sie direkt dort ankommt, wofür sie gedacht ist. Nämlich bei der Renovierung des Turmes. Wir sind völlig transparent und geben gerne Auskunft über die Verwendung des Geldes. Dazu bieten wir auch Führungen durch die Kirche und den Turm an. Wir sind dankbar für alle, die sich bereits engagiert haben und sich noch engagieren. Sehr dankbar!“
Die Renovierung wird spätestens bei ihrem Abschluss einmal mehr zeigen, wie wichtig der Erhalt historischer Kirchen in unseren Innenstädten ist. Sie dürfen nicht einfach verschwinden. Man stelle sich Lüdenscheid ohne einen seiner schönsten Plätze vor. Eigentlich unvorstellbar. Daher, wer sich angesprochen fühlt, darf gern spenden über:
Evangelische Kreiskirchenkasse, IBAN: DE22 3506 0190 2001 1936 11, Stichwort 41160 Turm Erlöserkirche
… und sich später daran freuen, ein wichtiger Teil des Erhalts des 950 Jahre alten Wehrturmes mit herausragender historischer Bedeutung gewesen zu sein.
Um mit den Worten meiner drei Gastgeber zu sprechen: „Das trauen wir Lüdenscheid zu. Wir sind eine starke Gemeinschaft, die schon ganz andere Herausforderungen bewältigt hat. Gemeinsam bekommen wir das hin!“



