Aktuelle Artikel

Zukunftsgebäude Christuskirche

11.4.2026

Der südliche Chorraumbogen mit neuer Verschieferung. (Foto: Hartmut Damschen)

Von Hartmut Damschen

 

PLETTENBERG + Bis in das 11. Jahrhundert lassen sich die Anfänge der jetzigen Plettenberger Christuskirche zurückverfolgen. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Ein an das ursprüngliche Langhaus angebauter Fluchtturm wurde zum späteren Haupteingang, der Altarraum mit dem Querschiff verlieh der Kirche seine Kreuzform und das Äußere war durch seine Vielzahl von einst 9 Türmen mitgeprägt. Der große Stadtbrand Plettenbergs im Jahr 1725, dem fast alle Gebäude im Inneren der Stadtmauern zum Opfer fielen, ließ die Kirche nicht unbeschadet. Der mit dem Spitzdach versehene Fluchtturm verlor seine 4 Ecktürme und es blieben nur noch darüber hinaus die zwei Flankentürmchen über dem Chorraum.

Diese Flankentürmchen, eine bauliche Seltenheit nördlich der Alpen, kamen in die Jahre. Nein, besser: in die Jahrhunderte und zeigten jede Menge Mängel auf. Das Wetter nagte an der Bausubstanz. Im Sommer ließ die Sonne die Mauerfugen trocken und rissig werden, während der Regen und die Kälte im Winter die Fugen und Steine sprengten. Ganze Hände konnten in den Spalten verschwinden. Um dem Verfall Einhalt zu gebieten, wurde die Sanierung der Flankentürmchen beschlossen.

Ausbesserungsarbeiten am Langhaus (Foto: Hartmut Damschen)

Eine Kirche mit Zukunft

Bei der Gemeindeversammlung der Ev. Kirchengemeinde Plettenberg am 18.02.2025 wurde auch das Gebäudekonzept für die Kirchengemeinde vorgestellt. Darin erläuterte Peter Winkemann das, was am Ende an Kirchen und Gemeindehäusern in Plettenberg übrigbleiben wird (wir berichteten). Der Christuskirche wurde bescheinigt, dass sie als ein Gebäude mit Zukunft gesehen und bleiben wird. Gründe dafür gibt es genug. Hier ein paar Beispiele: Hohe Auslastung, Versammlungsort für Gottesdienste, Andachten, Gebete, Konzerte und Kirchenmusik, aber auch ein Ort guter Erreichbarkeit, der durch die Funktionalität des Kirchplatzes eine nochmalige Aufwertung erfährt. Bedingung ist aber auch der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes durch die notwendigen Sanierungsarbeiten.

 

Prioritätenliste nach Begutachtung

Bei einer Begutachtung der gesamten Kirchenbausubstanz durch den Dombaumeister der Soester Wiesenkirche, Gunther Rohrberg, gemeinsam mit dem Plettenberger Presbyteriumsvorsitzenden Peter Winkemann wurde eine Liste der Schäden mit ihrer Priorität angefertigt.

So stand ganz oben der südliche Flankenturm in dieser Aufstellung.

Mitte 2025 wurde ein der Aufgabenstellung speziell angepasstes Gerüst errichtet und der auf Baudenkmalpflege ausgerichtete Fachbetrieb Mathies aus Bad Driburg begann mit der Restaurierung des ersten Flankentürmchens. Parallel erfolgte bereits im Oktober ein Schieferplattentausch an den Fehlstellen des Langhausdaches durch Bedachungen Sönchen aus Meinerzhagen.

Chorraum Südseite mit Folienschutz der Schalung vor der Verschieferung (Foto: Hartmut Damschen)

Finanzierung noch nicht sicher

Das ging ganz einfach so? Ohne finanzielle Schwierigkeiten? Sicher nicht. Wie wir im vergangenen Jahr berichteten, wurden die gesamten Arbeiten mit rund 435.000 Euro beziffert. Rund 200.000 Euro sind über das Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes sicher, während aus der Substanzerhaltungsrücklage der Ev. Kirchengemeinde Plettenberg durch einen Beschluss des Presbyteriums rund 150.000 Euro bereitgestellt werden. Durch eine Spendenaktion soll die noch offene Lücke geschlossen werden. Peter Winkemann erklärte im vergangenen Jahr, dass mit kreativen Aktionen und Aufrufen die Menschen motiviert werden sollten, die baldige Sanierung zu ermöglichen. Auf der Homepage der Ev. Kirchengemeinde Plettenberg ist begleitend ein Spendenbarometer eingerichtet worden, auf dem stets der aktuelle Spendenstand der angestrebten 80.000 Euro zu verfolgen ist. Im Moment sind erst, trotz vieler Aktionen in, um und für die Sanierungsarbeiten der Christuskirche knapp 11.000 Euro abzulesen.

Christof Sönchen zeigt auf die Bogenschnitt-Schieferdeckung (Foto: Hartmut Damschen)

Ein Umdisponieren erforderlich

Nachdem das Gerüst eine noch genauere Betrachtung der Schieferbedachung über dem Altarraum ermöglichte, wurden weitere Schäden daran festgestellt. Mehr Geld? Woher nehmen? Also wurde ein Plan B entwickelt, der die kostenintensive Kupferbedachung der Flankentürmchen nicht mehr berücksichtigte. Stattdessen nahm Firma Sönchen die neue Schieferbedachung des Querhauses und des südlichen Chorraumbogens in Angriff. Der nördliche Chorraumbogen wird, so Winkemann, nach der Umstellung des Gerüstes zum nördlichen Flankenturm erneuert. „Diese Maßnahmen wurden mit der Bezirksregierung abgestimmt:“, erklärte Winkemann. Und weiter: „Wir werden den Austausch der Kupferhelme an den Flankentürmchen auf später verschieben müssen. Noch halten sie dem Wetter stand.“ Der Meinung ist auch Seniorchef Christof Sönchen, der gerade die Kehle, den Übergang vom Querhaus zum Chorraumbogen in Arbeit hatte. Eine schwierige Tätigkeit, weil, je enger es in der Kehle geht, müssen die Schiefersteine (der Fachmann sagt nicht Schieferplatten, wie Sönchen erklärte) immer kleiner werden. Diese Bogenschnitt-Schieferdeckung erfordert größte Präzision, weil jeder Schieferstein individuell angepasst und verlegt werden muss. Die Befestigung erfolgt mit Edelstahl-Schieferstiften. Der Schiefer, den die Firma Sönchen verarbeitet, kommt übrigens aus Spanien.

Eins der Werbetransparente am Bauzaun (Foto: Hartmut Damschen)

Spenden für die Zukunft im Vorbeigehen

Ein Wissen um die eigene Geschichte hilft, die Zukunft zu gestalten. Im übertragenen Sinn wirbt die Ev. Kirchengemeinde Plettenberg mit Transparenten am Bauzaun der Christuskirche um Unterstützung, die Kirche zukunftsfest zu machen. Wie oben beschrieben, lautet das Spendenziel 80.000 Euro, um die Arbeiten auch finanziell zu bewältigen.

In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es genau so schwer, die Bevölkerung zur Spendenbereitschaft zu bewegen. Doch ist Peter Winkemann weiterhin optimistisch, auf die Unterstützung der Plettenberger Menschen und Firmen bauen zu können.

So heißt es auf dem Transparent: Damit aus Geschichte Zukunft wird: Ihre Spende macht den Unterschied. QR-Codes helfen bei einer problemlosen Finanztransaktion sogar im Vorbeigehen.

zurück zur Übersicht