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Das neue Schutzkonzept zur Prävention vor sexualisierter Gewalt

25.4.2026

Freuen sich über das gemeinsame Schutzkonzept zur Prävention vor sexualisierter Gewalt (v.l.n.r) - Anja Jeismann, Marco Malms, Dirk Grzegorek, Olaf Krähahn vor der Christuskirche in Werdohl (Foto: Kannenberg)

Von Iris Kannenberg

 

WERDOHL + Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, das alle gesellschaftlichen Bereiche betrifft – auch die Kirche. Die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl nimmt ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitgliedern ernst und hat ein umfassendes Schutzkonzept zur Prävention vor sexualisierter Gewalt entwickelt, das am 10. April 2026 in den Räumlichkeiten des Gemeindehauses der Christuskirche Werdohl vorgestellt wurde.

Ziel ist es, einen sicheren Raum für Kinder, Jugendliche und schutzbedürftige Erwachsene zu schaffen und jede Form von Grenzverletzung, Übergriff oder Missbrauch konsequent zu verhindern. Dazu nahm Werdohl diejenigen „mit an Bord“, die eng mit der Evangelischen Kirche zusammenarbeiten und deren Räume für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ebenfalls nutzen.

 

Zum Team, das so entstand und gemeinsam das Schutzkonzept entwickelte, gehören daher verantwortlich Marco Malms (CVJM), Anja Jeismann (EC-Jugendarbeit), Christopher Weber (Evangelische Jugendallianz), Olaf Krähahn (Landeskirchliche Gemeinschaft) sowie Anja Rittinghaus und Dirk Grzegorek (Evangelische Kirche Werdohl). Pfarrer Grzegorek begründet diesen Schritt: „Warum alles fünfmal machen? Das war unser Gedanken dahinter. Da wir eng zusammenarbeiten und unsere Arbeit gerade mit Kindern und Jugendlichen nicht zu trennen ist, war es für uns schlüssig, dieses Konzept gemeinsam zu entwickeln. Mit dem Ergebnis, dass wir alle auf dem gleichen Stand sind, eine einheitliche Basis schaffen und von dieser Basis aus zusammen losmarschieren. Wir wollen Transparenz schaffen und ein stabiles Gerüst, das Sicherheit gibt. Für unsere Schutzbefohlenen genauso wie für die Mitarbeitenden unserer christlichen Gemeinschaften. Der Zusammenschluss erspart viel Zeit, da das Entwickeln eines solch umfangreichen Konzeptes langwierig und anspruchsvoll ist. Wir greifen auf unsere gemeinsamen Erfahrungswerte zurück, um Werdohl ein stimmiges Gesamtkonzept zu präsentieren, mit dem alle gleichermaßen leben und arbeiten können. Wichtig ist uns, dass wir dies zu Ehre Gottes tun, für den wir als Christen ein glaubhaftes Zeugnis sein wollen.“

 

Das Schutzkonzept der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl basiert auf den Leitlinien der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und den gesetzlichen Vorgaben zum Kinderschutz. Im Zentrum steht die Achtung der Würde und Integrität der anvertrauten Menschen. Die Evangelische Kirche versteht dabei Prävention generell nicht als einmalige Maßnahme, sondern als fortlaufenden Prozess, der sich im Alltag bewähren und aktiv gelebt werden muss.

 

Alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Kindern, Jugendlichen oder schutzbedürftigen Erwachsenen arbeiten, sind nun u.a. verpflichtet, regelmäßig an Präventionsschulungen teilzunehmen. In diesen Schulungen werden sie für das Thema sensibilisiert, lernen Warnsignale zu erkennen und angemessen zu reagieren. Außerdem wird ihnen der erarbeitete Verhaltenskodex vermittelt, der klare Regeln für den Umgang miteinander festlegt.

 

Er beschreibt eine respektvolle und grenzachtende Kommunikation und die sich daraus ergebende Handlungsweisen. Jede Person, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, unterschreibt eine Selbstverpflichtung zur Einhaltung dieser Regeln. Ein erweitertes Führungszeugnis ist Pflicht. Damit wird ein klares Signal gesetzt: Sexualisierte Gewalt hat in der Gemeinde keinen Platz. Ebenso wenig wie die bewusste Ausgrenzung einer Person oder Mobbing.

 

Sollte es zu einem Verdachtsfall kommen, gibt es nun klar definierte Ansprechpersonen und Meldewege. Vertrauenspersonen stehen Betroffenen, Angehörigen und Mitarbeitenden zur Seite und begleiten den weiteren Prozess. Die am Schutzkonzept beteiligten arbeiten ergänzend eng mit externen Fach- und Beratungsstellen zusammen, um professionelle Unterstützung sicherzustellen.

 

Das Schutzkonzept ist kein statisches Papier, sondern soll im Alltag innerhalb der kirchlichen Gemeinschaften lebendig gelebt und regelmäßig überprüft werden. Im Gottesdienst, bei Gruppenstunden, Freizeiten oder Veranstaltungen – überall soll der neue Interventionsleitfaden dabei helfen, offen mit dem schwierigen Thema „Missbrauch“ umzugehen. Und eine Gesprächskultur zu fördern, in der Platz ist für genau die richtige Portion Ehrlich- und Wachsamkeit, die den Mitarbeitenden das Rüstzeug dafür in die Hand gibt, sich für das Thema zu sensibilisieren, ohne dabei zu „Kontrollfreaks“ zu mutieren.

 

Dazu gehört, Schutzbefohlene bei eventuellen Beschwerden verstärkt ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und auf das Gehörte unmittelbar zu reagieren. Mit dem Ziel, Klarheit zu schaffen. Auch dafür gibt es nun konkrete Anleitungen, wie die Mitarbeitenden sich in solchen Fällen zu verhalten haben, was hilfreich ist und eventuelle Unsicherheiten auf beiden Seiten ausräumen soll. Ziel ist ein offener und vertrauensvoller Dialog inmitten eines Schutzraumes, der Sicherheit und Geborgenheit vermittelt.

Ein wichtiger Bestandteil des Schutzkonzepts ist zudem die aktive Beteiligung der jeweiligen christlichen Gemeinschaften an dessen Umsetzung. Kinder, Jugendliche, Eltern und Mitarbeitende werden dafür regelmäßig über die Inhalte und Ziele des Konzepts informiert. Rückmeldungen und Anregungen werden ernst genommen und fließen in die Weiterentwicklung ein.

 

Vorgestellt wurde das Konzept auch im Rahmen einer Gemeindeversammlung am 29. April 2026 (Bericht folgt). Das Team um Pfarrer Dirk Gzegorek ist gespannt auf die Reaktion der Gemeinde und erwartet viele Fragen, aber auch Erleichterung. Weil man nun einen tragfähigen Rahmen hat, an den man sich verbindlich halten darf und nicht mehr im „luftleeren Raum“ handelt, der in der Vergangenheit für Unsicherheit und manchmal auch für Angst sorgte.

 

Mit ihrem Schutzkonzept zur Prävention vor sexualisierter Gewalt setzt die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl gemeinsam mit ihren Partnern nach außen und nach innen ein klares Zeichen: Der Schutz und die Unversehrtheit der Menschen stehen an oberster Stelle. Durch konsequente Präventionsarbeit, Schulungen, klare Regeln und eine offene Gesprächskultur schafft die evangelische Gemeinschaft Werdohls insgesamt einen sicheren Ort für alle – und übernimmt damit Verantwortung für ein respektvolles und vertrauensvolles Miteinander.

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