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Wichtige Weichenstellungen für Schutz, Struktur und Zusammenarbeit

26.5.2026

Trotz vieler anspruchsvollen Themen herrschte auf der Gemeindeversammlung ein geschwisterlichen Miteinanders (Foto: Kannenberg)

Von Iris Kannenberg

 

WERDOHL + Zur Gemeindeversammlung traf die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl in den Räumen des Gemeindehauses der Christuskirche zusammen. Die Versammlung bot dem Presbyterium Gelegenheit, die Gemeinde umfassend über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und zukünftige Perspektiven zu informieren. Im Mittelpunkt standen dabei sowohl inhaltlich sensible Themen als auch strukturelle Fragen, die die Arbeit der Gemeinde in den kommenden Jahren maßgeblich prägen werden.

 

Ein Thema der Gemeindeversammlung war die offizielle Vorstellung des Schutzkonzepts zur Prävention sexualisierter Gewalt. Dieses Konzept wurde gemeinschaftlich von der evangelischen Kirchengemeinde Werdohl sowie mehreren christlichen Partnerorganisationen erarbeitet, die ebenfalls die Räumlichkeiten der Gemeinde nutzen. Dazu zählen unter anderem die Landeskirchliche Gemeinschaft, der CVJM, der EC sowie die Evangelische Jugendallianz. Ziel des gemeinsamen Vorgehens ist es, ein einheitliches und verbindliches Schutzkonzept für alle beteiligten Gruppen zu schaffen und damit klare Standards im Umgang mit Kindern, Jugendlichen und schutzbedürftigen Erwachsenen zu etablieren.

 

Das Presbyterium machte deutlich, dass Präventionsarbeit nicht nur eine formale Verpflichtung darstellt, sondern Ausdruck einer bewussten Verantwortung gegenüber allen Gemeindemitgliedern ist. Schulungen, Transparenz, Verlässlichkeit und klare Zuständigkeiten sollen dazu beitragen, Vertrauen zu stärken und kirchliche Räume als sichere Orte zu erhalten.

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung lag auf der aktuellen und zukünftigen Pfarrstellenentwicklung im Kooperationsraum. Das Presbyterium informierte darüber, dass mehrere personelle Veränderungen bevorstehen, die Auswirkungen auf die pastorale Versorgung der Gemeinden haben werden. Genannt wurden unter anderem der vorzeitige Ruhestand von Pfarrerin Laddach in Ohle zum 31. Oktober 2026 sowie der geplante Ruhestand von Pfarrer Brühl in Eiringhausen im Frühjahr 2027. Darüber hinaus ist eine Pfarrstelle in Neuenrade weiterhin unbesetzt. Zusätzlich kommt hinzu, dass Pfarrerin Rosner seit dem 1. Mai 2026 nicht mehr für Aufgaben in der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg zur Verfügung steht und bis auf weiteres Vertretungsaufgaben im Kirchenkreis übernimmt. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass die personelle Situation im Kooperationsraum weiterhin dynamisch ist und flexible Lösungen erfordert. Vor diesem Hintergrund gab es bereits ein Treffen, bei dem sich der Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid‑Plettenberg Dr. Christof Grote mit Verantwortlichen der Kirchengemeinden über das weitere Vorgehen abstimmte. Die Gesamtsituation bleibt aber komplex und eine große Herausforderung für den Kirchenkreis und die Gemeinden.

 

Ein sensibler Tagesordnungspunkt: Die Zusammenlegung von Friedenskirche und Christuskirche. Statt wie geplant 2030 wird diese bereits auf Mitte 2027 vorgezogen. Erhalten bleibt der Gemeinde die Christuskirche, die schon wegen ihrer zentralen Lage, ihrer Größe und des Gemeindehauses zur ersten Wahl wurde. Was genau aus der Friedenskirche wird, ist laut Pfarrer Dirk Grzegorek bisher noch unklar. Die Gemeinde selbst reagierte verständnisvoll, da allen die Situation der evangelischen Kirchen Deutschlands durchaus bewusst ist. Stetiger Mitgliederschwund, nicht besetzte Pfarrstellen und demografischer Wandel lassen keine Wahl. Man muss sich von vielen der alten, liebgewonnenen Gebäude trennen. Eine insgesamt traurige Nachricht, hoffte man doch, zumindest noch bis 2030 in der schönen kleinen Friedenskirche verbleiben zu können.

 

Auch wenn es viele nicht leichte Themen gab, so zeigte sich Pfarrer Dirk Grzegorek mit dem Ablauf der Gemeindeversammlung insgesamt zufrieden. Sie war gut besucht und das Interesse riesengroß trotz oder gerade wegen der anspruchsvollen Themen. Sein Fazit: „Wir dürfen auf einen Abend des geschwisterlichen Miteinanders zurücksehen, mit viel Verständnis dafür, warum wir einige Entscheidungen besonders zu unseren Gebäuden so und nicht anders treffen müssen. Den meisten ist klar, dass die Gesamtsituation sich nicht über Nacht ändern wird und wir entsprechend reagieren müssen. Wünschen würden wir uns, dass noch mehr Gemeindemitglieder persönlich in unserer Kirche mitarbeiten. Z.B. im Presbyterium aber auch als Prädikant sowie in der Jugend-, Kinder- oder Seniorenarbeit. Das würde vieles einfacher machen. Alles in allem sind wir jedoch grundsätzlich bereits jetzt froh über das große Potential in unserer Gemeinde. Sie ist gut besucht, authentisch und engagiert. Für uns ist die offene Information und Kommunikation, die wir pflegen ein Zeichen lebendiger Gemeindekultur.“

 

Die Gemeindeversammlung zeigte insgesamt, wie wichtig der offene Austausch zwischen Leitungsgremium und Gemeindemitgliedern ist. Durch die transparente Darstellung sensibler Themen und struktureller Herausforderungen bot das Presbyterium den Anwesenden die Möglichkeit, Entwicklungen nachzuvollziehen und sich informiert in den weiteren gemeindlichen Diskurs einzubringen.

 

Damit unterstrich die Gemeindeversammlung einmal mehr den Anspruch der evangelischen Kirchengemeinde Werdohl, Veränderungen nicht hinter verschlossenen Türen zu gestalten, sondern gemeinsam mit der Gemeinde Verantwortung für Gegenwart und Zukunft kirchlichen Lebens zu übernehmen.

Bildimpressionen von der Gemeindeversammlung (alle Fotos: Kannenberg)

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