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Harter Schnittt: Sondersynode beschließt Trennung von Haus „Alter Leuchtturm“
19.8.2026

Von Wolfgang Teipel
KIRCHENKREIS + Der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg trennt sich von seinem Haus „Alter Leuchtturm“ auf Borkum. Das hat eine Sondersynode am 18. August mit überwältigender Mehrheit beschlossen.
71 von 74 Synodalen stimmten dafür, die Ferien- und Tagungsstätte zum Ende dieses Jahres aufzugeben. Drei enthielten sich der Stimme. Damit sind die Pläne zu einer umfassenden Sanierung nach Jahren des Hoffens ad acta gelegt. Der Grund: Die Sanierungskosten belaufen sich nach neusten Berechnungen der Ingenieurgemeinschaft Henninga GmbH aus Wiesmoor auf 11,205 Millionen Euro.

„Als ich diese Zahl gesehen habe, war ich schockiert“, gestand Superintendent Dr. Christof Grote zu Beginn der kurzfristig einberufenen Sondersynode. Damit möglichst viele Synodale teilnehmen konnten, hatte sich der Kreissynodalvorstand für eine digitale Tagung entschieden. Das war zum einen der Urlaubszeit geschuldet, zum anderen aber auch dem Zeitdruck. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Hauses musste schnell getroffen werden.
Noch vor wenigen Wochen war der Kreissynodalvorstand davon ausgegangen, dass bei Sanierungskosten von 6,2 Millionen Euro und einem zu finanzierenden Anteil von sechs Millionen Euro die Sanierung zu stemmen sei. Zins und Tilgung von jährlich rund 235.000 Euro hätten aus dem jährlichen Liquiditätsüberschuss beim Betrieb des Hauses gezahlt werden können. „Wir haben das Haus aus der Defizitzone geholt und müssen nun leider feststellen: Es reicht bei weitem nicht“, bedauerte Christof Grote.

Nach der neusten Kostenberechnung vom 17. August tat sich dann eine Finanzierungslücke von rund 212.00 Euro auf. „Diese Lücke können wir nicht schließen“, erklärte Claudia Adams-Kuhbier, Geschäftsführerin des Hauses. Der „Alte Leuchtturm“ sei sanierungsbedürftig aber dennoch „eine Perle“. „Ich kann es nicht fassen, dass wir das Handtuch werfen müssen“, sagte sie mit brechender Stimme.
Das ursprüngliche Sanierungsmodell, nach dem alle Schäden (Setzrisse in der Fassade, Abplatzungen im Klinkerbereich und mehr) ist hinfällig geworden, nachdem weitere Schäden entdeckt wurden. Dazu zählen defekte Wasserleitungen in den Bädern sowie umfassende Schäden der Küche. „Außerdem muss die gesamte Elektroinstallation erneuert werden“, ergänzte Dr. Christof Grote. Eine Teilsanierung sei nicht möglich, auch weil die Gemeinde Borkum den Betrieb der Küche nur noch bis Ende dieses Jahres dulde. Mit Blick auf die geplante Sanierung waren für 2027 keine Buchungen mehr angenommen worden.

„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, plädierte Heike Esken, Presbyteriumsvorsitzende der Kirchengemeinde Halver, für die Trennung. Martin Cordt, Mitglied im Leitungsausschuss „Alter Leuchtturm“, erklärte: „Eine solche Hypothek dürfen wir nachfolgenden Generationen nicht aufbürden.“ Die Wucht der Zahlen nehme der Synode ja eigentlich die Entscheidung schon ab. Er regte an, mit Mitteln aus dem Verkaufserlös auch weiterhin den diakonischen Dienst zu unterstützen. Genau dafür sei das Haus vor 60 gebaut und Jahrzehnte betrieben worden.
Dies bekräftige auch Iris Jänicke, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis. Sie stellte fest, dass das Haus erst nach der Preiserhöhung vor wenigen Jahren seinen diakonischen Charakter nicht mehr umfänglich leisten konnte. So hätten sich bedürftige Zielgruppen wie Alleinerziehende, Behinderte und Empfänger von staatlichen Transferleistungen den Aufenthalt in der Ferienstätte nicht mehr leisten können. „Wir sollten froh darüber sein, dass wir mit diesem wichtigen diakonischen Angebot so lange durchgehalten haben“, betonte sie.

Der Beschluss, die Sanierungspläne nicht weiter zu verfolgen enthält auch einen Auftrag an den Kreissynodalvorstand. Er wurde mit der Vermarktung der Immobilie beauftragt. Die Chancen, einen Übernehmer zu finden, seien gut, sagte der Superintendent. Das Haus verfüge über eine Beherbergungsgenehmigung. Eine solche Erlaubnis zu erhalten, sei auf Borkum nicht so einfach. Aus diesem Grund neigten Investoren dazu, sanierungsbedürftige Gebäude zu übernehmen, statt neu zu bauen.
Am Ende der digitalen Synode waren auf dem Bildschirm ausschließlich nachdenklich-traurige Gesichter zu sehen. Besonders schmerzlich war der Beschluss auch für Rolf Meuser. Der Leiter des Hauses „Alter Leuchtturm“ nahm als Gast an der Sondersynode teil. Anschließend informierte er die Mitarbeiter.
Mit dem Synodenbeschluss enden 60 Jahre Geschichte im Haus „Alter Leuchtturm“. Während dieser Zeit beherbergte das Haus an der Wilhelm-Bakker-Straße 4 unzählige Freizeiten für Familien, Mutter-Kind-Kuren, Seniorenfreizeiten und andere Unternehmungen von Gemeinden und Vereinen. Damit leistete das Haus über Jahrzehnte einen großen und wichtigen Anteil an der diakonischen Arbeit des Kirchenkreis.



