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Die Kraft der Musik als weltweit verbindendes Element zwischen den Kulturen

27.8.2026

Burkhard Waimann (Klarinette), Carsten Elsner (Fagott) und Johannes Leung (Klavier) bei einer gemeinsamen Probe im Proberaum in Burkhards Lüdenscheider (Foto: Kannenberg)

Von Iris Kannenberg

 

LÜDENSCHEID + Klezmer-Musik im Sauerland ein Widerspruch? Wo man hierzulande doch scheinbar am liebsten das Sauerland-Lied singt und ansonsten eher dem Singer-Songwriter oder gleich der „ordentlichen“ Rockmusik zugewandt ist? Ein Vorurteil und weit gefehlt. Auch bei uns hat die Klezmer-Musik eine große Anhängerschaft, die zudem Jahr für Jahr wächst. Als bedeutender Vertreter dieser Musikrichtung in unserer Region gilt Burkhard Waimann, der den Lüdenscheidern zunächst einmal als freundlicher Apotheker und engagierter evangelischer Christ (ErLebt-Gemeinde) bekannt ist. Burkhard Waimann hat sich generell als Musiker und Kulturförderer einen kompetenten Namen gemacht. Als Klarinettist und Schüler des weltbekannten Klezmer-Interpreten Giora Feidman platziert er zudem besonders die emotionalen Klänge dieser traditionsreichen jüdischen Musik direkt in die Herzen seiner Zuhörer.

 

Gern holt sich der Lüdenscheider für seine Auftritte gleichgesinnte hochformatige Musiker hinzu. Im August und September spielt er gemeinsam mit Carsten Elsner (Fagott) und Johannes Leung (Klavier) gleich mehrere Konzerte im Märkischen Kreis. In ihren gemeinsamen Interpretationen gelingt es ihnen, die für Klezmer typische Verbindung von Melancholie, Sehnsucht, Hoffnung und Lebensfreude hör- und fühlbar zu machen. Ihre Auftritte beweisen eindrücklich, dass diese Musik weit mehr ist als eine historische Tradition. Sie ist mitreißend lebendig und wird von dem Trio grandios umgesetzt.

 

Klezmer-Musik gehört zu den faszinierendsten und ausdrucksstärksten Musiktraditionen der Welt. Die Wurzeln der Klezmer-Musik reichen bis ins Mittelalter zurück. Sie entwickelte sich vor allem in den aschkenasischen jüdischen Gemeinden Osteuropas, insbesondere in den Gebieten des heutigen Polen, der Ukraine, Rumäniens, Litauens und Moldawiens. Der Begriff „Klezmer“ stammt aus dem Hebräischen und setzt sich aus den Wörtern klei (Instrumente) und zemer (Gesang oder Melodie) zusammen. Über Jahrhunderte begleitete sie das jüdische Leben bei Festen, Hochzeiten und religiösen Anlässen, da sie immer auch die Anbetung Gottes zum Inhalt hat. Davon ist sie nicht zu trennen. Daher eignet sie sich ohne weiteres für Gottesdienste und Konzerte in Kirche und Gemeinden.

Die nationalsozialistische Verfolgung und die Ermordung von Millionen jüdischer Menschen während des Holocaust führten zu einem drastischen Rückgang der traditionellen Klezmer-Kultur in Europa. Erst in den 1970er Jahren begann eine weltweite Wiederentdeckung. Musiker, Musikwissenschaftler und Nachkommen osteuropäischer Juden sammelten alte Aufnahmen, Noten und Erinnerungen. Daraus entstand eine internationale Klezmer-Renaissance. Heute erlebt Klezmer weltweit große Aufmerksamkeit und gilt als ein bedeutendes kulturelles Erbe des jüdischen Volkes.

 

Charakteristisch für Klezmer ist die starke emotionale Ausdruckskraft. Eine Klezmer-Melodie kann innerhalb weniger Minuten zwischen überschwänglicher Freude und tiefer Melancholie wechseln. Gerade dieser Wechsel gelingt Burkhard Waimann, Johannes Leung und Carsten Elsner virtuos. Hier sind Profis am Werk. Es passt zwischen den dreien. Durch seine abwechslungsreichen Konzerte macht das Trio die kulturelle und ethnische Tiefe dieser Musik zudem einem breiten Publikum zugänglich. Klarinette, Fagott und Klavier entwickeln zusammen die Kraft, Klezmer nicht nur einfach zu interpretieren, sondern das Publikum mitzureißen. Denn über jede menschliche Barriere hinweg konzentriert sich diese Musik auf den Wert des Lebens und das Verbindende und Bewahrende. Klezmer ist somit ein echter Segen in einer Welt voller Spannungen und gegenseitiger Vorbehalte.

 

Wer jetzt neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen, persönlich zu testen, ob Klezmer es schafft, ihn oder sie zu begeistern. Aber Vorsicht: Es könnte sein, dass man von dieser Musik völlig unvermutet völlig hingerissen ist, und übergangslos zum Fan wird. Denn Klezmer ist lebendig, geht zu Herzen und führt dazu, dass man zumindest mitwippt oder gleich mittanzt. Eine Erfahrung mit dem großen Potential, ein virtuos dargebotenes Feuerwerk aus Musik gegen den oft eher tristen Alltag auszutauschen. Und einfach einmal einen Abend lang nichts anderes als glücklich zu sein…

Klezmer-Konzerte:

 

Samstag, 29.8.2026, 18.00 Uhr Monatsschlussgottesdienst mit Burkhard Waimann (Klarinette) und Kantor Wolfgang Kimpel, Christuskirche Lüdenscheid


Samstag, 19.9.2026, 14.00 Uhr Lünsche-Apotheke Lüdenscheid und Sonntag, 20.9.2026, 17.00 Uhr, Stiftung Altstadtorgel / Erlöserkirche Lüdenscheid mit Burkhard Waimann (Klarinette), Carsten Elsner (Fagott) und Johannes Leung (Klavier). Bei den Konzerten im September werden zudem neben Klezmer auch weitere Triowerke für Klarinette, Fagott und Klavier gespielt.

Bildimpressionen des Klezmer-Musik-Trios (alle Fotos: Kannenberg)

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