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„Wir sind eine Mitarbeitergemeinde – nicht Pfarrer zentriert“

5.9.2026

Pfarrer George Freiwat ist seit 30 Jahren in der Kirchengemeinde Kierspe. Bis heute hat sich in der Kirchengemeinde viel verändert. Doch bei allen Veränderungen und Herausforderungen hat Freiwat auch immer die positiven Dinge im Blick (Foto: Dettlaff-Rietz)

Von Ursula Dettlaff-Rietz

 

KIERSPE + Ursprünglich wollte George Freiwat, Pfarrer der evangelischen Kirche Kierspe – Rönsahl, ein Studium zum Jugendreferenten am Johanneum in Wuppertal absolvieren. Durch Gespräche im Konfirmationsunterricht änderte sich sein Berufsziel.  Er studierte evangelische Theologie, schloss ein Vikariat in Lüdenscheid an dann wählte ihn das Presbyterium der Kirchengemeinde Kierspe zum Pfarrer im Hilfsdienst. Vor 25 Jahren erhielt er die Anstellung als Pfarrer.

Heute ist er nicht nur Pfarrer der Kirchengemeinde, die inzwischen Ev. Kirchengemeinde Kierspe und Rönsahl heißt, sondern auch Vorsitzender des Presbyteriums. „Ich finde es spannend, gemeinsam mit der Gemeinde die Geschicke der Kirchengemeinde lenken zu können“, sagt George Freiwat. Ein Teil seines Aufgabengebietes ist Verwaltungsarbeit. „Im Laufe der Jahre hat sich natürlich personell, finanziell und was die Gebäude angeht, viel verändert“, fügt er hinzu. „Vor 30 Jahren zählte die Kirchengemeinde 8500 Mitglieder, jetzt sind es in Kierspe und Rönsahl zusammen 4850“, erklärt er. Das hat entscheidende Auswirkungen auf die finanzielle Zuweisung durch die Landeskirche. Sie orientiert sich nicht am Gebäudebestand, sondern an der Mitgliederzahl.

 

Das Presbyterium musste ein Konzept erarbeiten, das eine klare Fokussierung auf wenige Standorte beinhaltet. Sonst wäre die Gemeinde langfristig nicht mehr handlungsfähig. Zur Sanierung der Servatiuskirche wären Investitionen von 900.000 Euro notwendig, 1,65 Millionen für die Margarenthenkirche. Das Presbyterium entschied, dass die Margarethenkirche in Kierspe – Dorf erhalten bleibt und künftig den zentralen kirchlichen Standort bildet. Mit der Gründung eines Fördervereins soll die finanzielle Situation langfristig gesichert werden. Die Christuskirche in Kierspe – Bahnhof sowie die Servatiuskirche in Rönsahl werden aufgegeben. Eine Entscheidung, die allen Beteiligten schwerfiel.  Der Beschluss des Presbyteriums wurde mit sehr sehr großer Mehrheit gefasst. „Die Mitarbeitenden aus Rönsahl haben Verständnis für den Beschluss, zumal das Gemeindehaus erhalten bleibt“, erklärt Freiwat. Außerdem sollen weitere Gebäude  und Grundstücke um das Areal Kierspe Bahnhof veräußert werden.

 

Immerhin, ein positiver Aspekt lässt sich erkennen: die Mitgliederzahl hat keinen Einfluss auf die Anzahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. „Im hauptamtlichen Team besprechen wir, was wir inhaltlich machen, zum Beispiel Glaubenskurse und Predigtreihen. Einmal im Monat kommt das Presbyterium zusammen, so Freiwat. „In der Woche davor treffen wir uns zum Gebet“, fügt er hinzu. Dankbar ist er für die gute Zusammenarbeit im Bereich der Ökumene. „Auch wenn ich jetzt 30 Jahre in Kierspe bin, macht es immer noch Spaß“, hebt Freiwat hervor. Das liege daran, dass die Gemeinde Raum biete, Neues auszuprobieren. Mit unterschiedlichen Gottesdienstformen möchte das Presbyterium möglichst viele Menschen ansprechen. An dieser Stelle nennt er Vormittagsgottesdienste, 3-Generationen-Gottesdienste, King Size, den Gottesdienst für die ganze Familie und enjoyJesus, den Lobpreisgottesdienst. „Ich wünsche mir, dass weiterhin engagierte Laien in der Gemeinde mitarbeiten. Wir sind eine Mitarbeitergemeinde – nicht Pfarrer zentriert“, sagt er. Dazu gehöre, dass Laien bereit sind, sich zu Prädikanten oder Prädikantinnen ausbilden zu lassen. Nach Abschluss der Ausbildung sind sie befugt, Taufen, Trauungen und Beerdigungen abzuhalten.

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