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Verein möchte Kirche in Rönsahl retten

30.10.2026

Die denkmalgeschützte Servatiuskirche in Rönsahl soll geschlossen und verkauft werden. Ein junger Verein möchte sie retten und als Eigentümer übernehmen (Foto: Salzmann)

Von Monika Salzmann

 

RÖNSAHL + Die Pläne sind ehrgeizig, aus Sicht des jungen Vereins „Dorf + Heimat = Rönsahl“, der die denkmalgeschützte Servatiuskirche in Kierspe-Rönsahl retten will, aber nicht unrealistisch. „Wir möchten die Kirche als Eigentümer übernehmen und vermarkten“, sagt Ortsbürgermeister Holger Scheel, der zum Kreis der engagierten Rönsahler gehört, die die von der Schließung bedrohte Kirche erhalten und mit Leben füllen möchten.

 

Hintergrund ist, dass die Evangelische Kirchengemeinde Kierspe und Rönsahl die denkmalgeschützte Kirche nicht mehr tragen kann und zum Verkauf anbieten möchte. Nicht nur das vertraute Glockengeläut würde dann verstummen. Der junge, aus den „Dorfpaten“ hervorgegangene Verein befürchtet auch einen Verfall der Kirche samt ihrem wertvollen Orgel-Altaraufbau, wenn es nicht gelingt, das Gotteshaus einer neuen Nutzung zuzuführen. Nach der Devise „Gemeinsam bewahren, was Rönsahl prägt“ hat sich der Verein auf die Fahne geschrieben, die Denkmäler im Dorf – zuvorderst die Servatiuskirche als Wahreichen und Mittelpunkt des Orts - zu erhalten. Darüber hinaus ist die Förderung des kulturellen Lebens in Rönsahl ein erklärtes Ziel der Vereinsmitglieder, die derzeit dabei ist, sich die Gemeinnützigkeit ihres Vereins bestätigen zu lassen.

 

In seiner Funktion als Ortsbürgermeister gehört Holger Scheel dem Gesamtvorstand an. Rede und Antwort beim Gespräch über das ambitionierte Vorhaben standen zudem Karl-Friedrich Marcus aus dem Vorstandsteam und Dorothea Neumann, die zum Beirat gehört. Dass ein Kraftakt auf sie zukommt, wenn sie das jahrhundertealte Gotteshaus mit seinem mächtigen Wehrturm aus spätromanischer Zeit – einst dem heiligen Servatius geweiht – übernehmen, ist den Rönsahlern bewusst. Dennoch brennen sie für ihre Idee, den Menschen das Wahrzeichen des Dorfes, um das sich viele Geschichten ranken, zu erhalten und in einen lebendigen Begegnungs- und Kulturort zu verwandeln. „1766 legte der Heilige Jakobus das Dorf in Schutt und Asche“, berichtet Holger Scheel. Bis auf den Wehrturm sei die Kirche damals niedergebrannt. Bereits zwei Jahre habe sie in ihrer heutigen Form wieder eingeweiht werden können und bilde seither das Zentrum des Orts.

 

Dieses Zentrum möchte der Verein für die nachfolgenden Generationen erhalten. Geschätzt 910 000 Euro für die Renovierung und rund 32 000 Euro Betriebskosten stehen im Raum, um die Kirche zu retten. Dringlich ist die Sanierung des Turms, an dem die Zeit deutliche Spuren hinterlassen hat. Die in der Kostenschätzung enthalten Renovierung des Dachs könnte nach Meinung von Holger Scheel noch etwas zurückgestellt werden. Die Renovierung des Turms allerdings nicht. Noch ungeklärt ist, wie hoch der Kaufpreis der Kirche ist. Die evangelische Kirchengemeinde freue sich jedoch, wenn die Kirche in gute Hände kommt, weiß Holger Scheel. Um die Finanzierung zu decken, denkt der Verein in verschiedene Richtungen. „Wir brauchen staatliche Fördermittel“, erklärt der Ortsbürgermeister. „Bis zu 50 Prozent könnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz decken.“ Gelder könnten zudem aus der Heimatförderung NRW und Leader Projekten kommen. Die verbleibenden Mittel müsste der Verein selbst erwirtschaften. An Veranstaltungen schweben den Vereinsmitgliedern Hochzeiten, Beerdigungen, Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und viele andere Veranstaltungen, aber auch weiterhin Gottesdienste vor.

 

Von erfreulich hohen Spendenzusagen berichten die Vereinsmitglieder. „Bei Jung und Alt besteht ein großes Interesse, die Kirche zu erhalten“, sagt Holger Scheel. Die Gemeinschaft im Dorf funktioniere. Auch ehemalige Rönsahler, die mittlerweile im Ausland leben, nähmen Anteil. Bei einer Info-Veranstaltung, die jüngst in der Kirche stattfand, hätten viele Unterstützung zugesichert. „Gut, dass ihr das macht“, sei vielfach zu hören gewesen. Machbar wäre nach Meinung Scheels auch das Catering bei Veranstaltungen. Ein Café, ein Restaurant und ein Catering-Service seien im Dorf vorhanden. Was der Verein jetzt brauche, sei Manpower. „Der Verein braucht noch Leute.“ Derzeit gehören zwölf Mitglieder dem Verein an. Angedacht ist, ein bis zweimal im Jahr ein Update zum Stand der Entwicklungen zu geben – bei Bedarf auch häufiger.  „Wir wollen alles transparent und offen gestalten.“ Näheres geht aus der Homepage heimat.roensahl.de hervor.

Bildimpressionen von der Servatiuskirche (alle Fotos: Salzmann)

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