Aktuelle Artikel

Musikalische Leidenschaft trifft starkes Engagement

20.4.2026

Portrait: Nicole Trester Chmiel, Kreiskantorin im Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg (Foto: Kanneberg)

Musikalische Leidenschaft trifft starkes Engagement für den Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid Plettenberg – Nicole Trester-Chmiel ist die neue Kreiskantorin. Ein Portrait.

 

Von Iris Kannenberg

 

Nicole Trester-Chmiel ist ein echtes „Gemeindekind“. Hineingeboren in die damalige Lüdenscheider Erlöserkirchen-Gemeinde, die mitten in der Altstadt steht und das Stadtbild maßgeblich prägt, wurde sie dort getauft, wuchs heran, wurde konfirmiert und begann bereits in jungen Jahren, sich für ihre Kirche zu engagieren. Dort erkannte man bereits früh ihr musikalisches Talent und begann es zu fördern, was zunächst zu einer Ausbildung zur C-Kirchenmusikerin führte und dann zu einer Festanstellung in der Ev. Versöhnungs-Kirchengemeinde Lüdenscheid. Parallel dazu wirkte sie bei verschiedenen musikalischen Projekten mit, unterrichtete und hatte den ein oder anderen Nebenjob im Einzelhandel.

 

Als sei dies nicht genug, machte sie „ganze Sache“ und begann 2016 in Witten an der Evangelischen Popakademie, die zur Hochschule für Kirchenmusik in Westfalen gehört, ein Studium zur „Popkantorin“*, dass sie 2022 mit dem Master abschloss. Sie erzählt: „Auch dabei hat mich die Gemeinde in allem unterstützt, ermutigt und mir viele Wege freigeschaufelt. Ebenso wie meine Familie, Freunde und allen voran mein Mann Tobias. Sie waren immer für mich da in dieser Zeit, die durchaus anstrengend war und mir viel abverlangte. Allein die Fahrerei nach Witten, aber eben auch das anspruchsvolle Studium. Ich bin sehr dankbar für den Rückhalt, den so viele liebe Menschen mir in dieser Zeit gegeben hat.“

Nicole Trester Chmiel bei der Probe mit dem Gemeindechor „CHORalle“ (Foto: Kanneberg)

Die Popkantorin* machte sich bereits vor ihrer Berufung zur Kreiskantorin des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg einen Namen. Als leidenschaftliche Musikerin und engagierte Christin hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, traditionelle Kirchenmusik mit modernem Worship zu verbinden und dabei durchaus unkonventionelle Wege zu gehen. Mit viel Herzblut und Kompetenz leitet sie verantwortlich den musikalischen Teil von Gottesdiensten und evangelischen Events und generiert Musikprojekte, in denen sie Menschen aller Altersgruppen für das gemeinsame Singen und Musizieren begeistert. Besonders ihre Gabe, transparent und offen zu kommunizieren, wird von ihren Kolleginnen und Kollegen und den Gemeindemitgliedern sehr geschätzt. Dank ihres unermüdlichen Einsatzes und ihrer innovativen Ansätze galt sie daher bereits lange vor der „Kreiskantorin“ als eine der prägenden Persönlichkeiten im Bereich der modernen Kirchenmusik im Kreis.

* Was ist eigentlich eine Popkantorin / ein Popkantor?

 

„Das Popkantorat setzt musikalische Akzente in den Bereichen Pop, Rock, Gospel und Jazz. All diese verschiedenen Formen der Popularmusik sind Ausdruck des heutigen Lebensgefühls und überbringen die zeitlose Frohe Botschaft. Populäre Musikstile verdrängen die klassischen nicht, sondern ergänzen sie sinnvoll. Dieses Angebot verbindet Menschen in der Region über die Musik miteinander. Kirchenmusik als Teamwork zu etablieren und zu organisieren, ist ein gutes Ziel für die Zukunft und Antwort auf die sich verändernden Bedingungen in Kirche.“

 

„Wir begeistern Menschen, durch moderne Musik und Sprache,
damit sie sich heute von der Botschaft des Evangeliums bewegen lassen und Kirche neugestalten.“

(Quelle: https://kirche-cappel-istrup.de/popkantorat/)

2025 wurde sie nach dem Weggang von Dmitri Grigoriev, der das Amt 12 Jahre innehatte, folgerichtig zur Kreiskantorin berufen. Ihr Masterstudium und ihr langjähriges Engagement halfen dabei, waren jedoch nicht nur entscheidend bei der Wahl. Maßgeblich dürfte gewesen sein, dass Jesus bei ihr im Mittelpunkt steht und sich das in ihrer ganzen Person wahrnehmbar ausdrückt. Sie berührt, wenn sie spielt und singt durch die spürbare Präsenz Gottes, die sich in echtem Lobpreis und leidenschaftlicher Anbetung manifestiert. Ansteckend - auch für die Musiker, die gemeinsam mit ihr auf der Bühne stehen.

 

Die 33-Jährige besitzt trotz ihrer jungen Jahre zudem natürliche Autorität und Ausstrahlung, die ihr nun für ihre Arbeit als Kreiskantorin zugutekommen. Was sie sagt, hat Hand und Fuß, man folgt ihr gerne.

 

Das erste Jahr in ihrem neuen Amt ist nun vorbei und auf die Frage, womit sie die letzten zwölf Monate verbracht hat, antwortet sie: „Ich sehe mich als Netzwerkerin. Daher habe ich diese Zeit genutzt, unsere MusikerInnen im Kreis kennenzulernen. Die Gemeinden zu besuchen und persönliche Gespräche zu führen, Netzwerke zu schaffen, die der Kommunikation untereinander, aber auch der gegenseitigen Hilfe und Kreativität dienen. Was mir dabei noch einmal ganz neu klar wurde: Wir decken eine riesige Bandbreite an Musik ab. Vom klassischen Orgelspiel, über modernen Lobpreis bis hin zum HipHop, Gospel und Jazz, traditionellen Kirchenliedern und einem gelungenen Mix aus den verschiedenen Musikstilen.

 

Ich erlebe unsere kirchlichen MusikerInnen als engagiert, kompetent und begabt. Sie verfügen über ein großes Potential an Talent und Hingabe. Mir ist es daher umso wichtiger, dass die MusikerInnen sich untereinander kennenlernen, gemeinsame Projekte entwickeln und voneinander partizipieren. Netzwerke bilden, die tragfähig sind. Dazu gab es bereits ein großes Treffen, zu dem alle eingeladen waren, die unsere Kirche mit ihrem Talent unterstützen. Es war großartig. So ein kreativer „Schatz“ quer durch alle Altersgruppen mit dem gemeinsamen Willen, Gott anzubeten, ist schon ein echtes Geschenk. Ich bin mir sicher, dass daraus noch viel mehr werden kann, wenn es uns gelingt, uns auch weiterhin auszutauschen und unser Potential miteinander zu teilen.

Mit Leidenschaft im Einsatz: Nicole Trester Chmiel mit dem Gemeindechor „CHORalle“ (Foto: Kanneberg)

Für mich ist es zudem wichtig, zu motivieren und zu unterstützen und als zuverlässige Ansprechpartnerin für die Gemeinde-MusikerInnen da zu sein. Ich wünsche mir, dass unsere MitarbeiterInnen sich wertgeschätzt und gesehen fühlen. Dafür plane ich weitere Treffen, Vernetzungen und gemeinsame Zeit, in der wir uns richtig gut kennenlernen können.“

 

Seit 2025 hat Nicole Trester-Chmiel wieder einen regelmäßig stattfindenden Chor. Jede Woche trifft sich „CHORalle“, um für Gottesdienste, Gemeindefeste oder Konzerte zu proben. „Es ist wirklich schön, wieder einen Chor zu haben. Ich liebe die Chorarbeit – danach gehe ich glücklich nach Hause. Für mich könnte es keinen schöneren Job geben“. Auch die Arbeit mit Bands, von denen sie derzeit zwei in der Gemeinde leitet, liegt ihr sehr am Herzen. Sie freut sich sehr über die engagierten Bandmitglieder, die mit ihr zusammen Musik machen und Gott loben.

 

„Ich wünsche mir, dass Kirche wieder sichtbar wird als wichtiger Teil unseres täglichen Lebens. Dass es Menschen in die Kirchen zieht, weil es dort etwas einmaliges gibt: Einen Gott, der seine Menschen liebt, der sich kümmert, Kraft und Hoffnung gibt und das Leben mit uns teilen will. Musik spielt dabei eine zentrale Rolle als Quelle der Anbetung, der Freude und des Glücks. Wo wird schon so viel musiziert wie in unseren Gemeinden? Was macht den Glauben sichtbarer und lebendiger als Musik? Sie hat das Potential, zu verändern, weil sie das Herz ganz direkt berührt. Ich wünsche mir, Kirche wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu holen. Durch die „Gute Nachricht“, nicht durch schlechte.

Der Gemeindechor „CHORalle“ bei der Probe. (Foto: Kanneberg)

Auch das ist Aufgabe eines Kreiskantors, unseren MusikerInnen die Freiheit zu geben, zeigen zu können, was in ihnen steckt. Kirche durch sie anziehend zu machen, Neugier zu wecken und Menschen positiv anzusprechen. Wir haben viel zu geben. Unser Glaube bietet Antworten auf die drängenden Probleme unserer Zeit. Und eine Heimat für all diejenigen, die sich verunsichert und ängstlich fühlen. Dafür kann Musik eine Brücke sein, die Gott uns gegeben hat, um Menschen zu ihm zu ziehen.“

 

Wenn die Musikerin erzählt, scheint sie von innen heraus zu strahlen. Man nimmt ihr ab, dass sie meint, was sie sagt. Ihre Begeisterung für Gott und seine Kirche ist echt, ansteckend und mitreißend. Sie steht auf dem festen Grund ihres Glaubens und trotz ihrer noch jungen Jahre wirkt sie gereift, realistisch und ihrer Aufgabe zu 100% gewachsen. Alles, was sie sagt, greift auf ihr festes biblisches Fundament zurück und zeugt davon, dass der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg allem Anschein nach einen echten Glücksgriff getan hat.

 

Nicole Trester-Chmiel besitzt die Kraft und genau die richtige Portion „Chuzpe“ um innovative Projekte ins Leben zu rufen, die greifen und die Kirche auch für junge Menschen anziehend macht. Man darf gespannt sein. Auf zeitgemäße musikalische Entwicklungen, aber auch auf die Bewahrung und Förderung jahrhundertealter Kirchenmusik von Bach bis Paul Gerhard. Alles hat seinen Platz im Kirchenkreis und darf sich von seiner besten Seite zeigen. Glück wünscht man ihr daher, der neuen Kreiskantorin. Weisheit und das Durchhaltevermögen, das sie brauchen wird, um ihre Pläne von einer offenen, attraktiven Kirche auch durch die Bildung starker und tragfähiger Netzwerke weiterhin umzusetzen.

Nicole Trester-Chmiel, die neue Kreiskantorin - Bildimpressionen (alle Foto: Iris Kannenberg)

zurück zur Übersicht