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Ein Tür, die schützt, aber nicht trennt.

26.4.2026

Das Wort zum Sonntag: Diesmal von Stefan Hegerich, Ständiger Diakon der Pfarrei St. Medardus, Lüdenscheid und Christus König, Halver (Grafik: EKKLP)

Kennen Sie das? Man kommt vom Einkauf vollgepackt nach Hause sucht den Schlüssel zur Haustür und findet ihn nicht sofort? Da kommt ein Nachbar und öffnet die Haustür, hilft sozusagen der Türöffner zu sein. Eine Erleichterung der Situation und gleichzeitig eine empfangene Wohltat.

 

Eine Szene, die sich oft abspielt im Alltag und keine Erwähnung findet im Leben. „Ich bin die Tür“, sagt Jesus. Eine merkwürdige Aussage.

 

Er lädt ein, über diese geschlossene Tür nachzudenken: Was öffnet sich da eigentlich? Und was bleibt verschlossen? Wer öffnet diese Tür?

 

Im Bild vom Hirten und der Tür geht es nicht um ein frommes Gehege, sondern um Orientierung in einer unübersichtlichen Welt. Wir hören viele Stimmen, die versprechen, was „das Leben“ sei – Erfolg, Leistung, Geld, Likes. Doch oft führen sie in Sackgassen. Jesus spricht von einer Tür, die zu „Leben in Fülle“ führt. Das klingt nicht nach Überangebot, sondern nach Tiefe: Leben, das getragen, vertrauensvoll, frei ist.

 

Eine Tür schützt – sie kann Sicherheit geben. Aber sie trennt nicht, sie erlaubt auch Durchgang. Wer durch diese Tür geht, wechselt die Perspektive: von Angst zu Vertrauen, von Abschottung zu Begegnung. Vielleicht ist das gerade heute aktuell – in einer Zeit, in der viele Mauern bauen, ob real oder in den Köpfen.

 

Jesu Wort erinnert daran: Leben gelingt nicht, wenn wir uns einmauern. Es wächst, wo wir Türen öffnen – zu Gott, zu anderen, vielleicht auch zu uns selbst. „Ich bin die Tür“, sagt er – nicht als Schlagbaum, sondern als Einladung.

Stefan Hegerich

Ständiger Diakon der Pfarrei St. Medardus, Lüdenscheid und Christus König, Halver

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