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Gemeindeversammlung in Brüninghausen
27.4.2026

Von Monika Salzmann
LÜDENSCHEID + „Für uns alle beginnt heute ein Weg des Abschieds.“ Im Rahmen einer Gemeindeversammlung stimmte Pfarrer Steffen Pogorzelski von der Evangelischen ERlebt-Kirchengemeinde die Gläubigen am Standort Brüninghausen auf tiefgreifende strukturelle Veränderungen, sprich die Schließung der Brüninghauser Kirche im Jahr 2028, ein. Im Anschluss an einen Lobpreisgottesdienst, der sehr gut besucht war, machten Pfarrer und Presbyterium die Gemeinde unter dem Motto „Die Zukunft unseres Standortes hier in Brüninghausen“ mit den schmerzlichen Tatsachen der notwendigen Aufgabe von Kirche und Gemeindehaus sowie die Konzentration des Gemeindelebens auf den Standort Kreuzkirche bekannt. Im Anschluss an die Ausführungen der Verantwortlichen bestand Gelegenheit, Fragen zu stellen und über die Folgen der Schließung für die Gemeindearbeit vor Ort und für Brüninghausen zu diskutieren. Besonders die sehr gut laufende Kinderarbeit in Brüninghausen stand dabei im Fokus.
Einleitend beleuchtete Steffen Pogorzelski die aktuelle Lage der Landeskirche, des Kirchenkreises und des Kooperationsraums Lüdenscheid, die von weniger Gemeindemitgliedern und weniger Kirchensteuereinnahmen gekennzeichnet ist. 2023 habe es im Kooperationsraum 15 100 Gemeindemitglieder gegeben, 2030 seien es voraussichtlich nur noch 12 400 Mitglieder. Im Fall der ERlebt-Kirchenkirchengemeinde heiße das, dass die Zahl der Mitglieder von 4 800 (2024) auf 3 900 (2030) sinken werde. „Wir erleben hier einen erheblichen Strukturwandel“, führte der Pfarrer aus. Zudem sei die Zahl der Gemeindemitglieder relevant für die Zahl der Pfarrstellen. Im Kooperationsraum werde es für das gesamte Lüdenscheider Stadtgebiet 2030 nur noch zwei Pfarrstellen geben. Derzeit seien es fünf Pfarrstellen. „Wie das gestaltet werden soll, weiß ich nicht“ erklärte Steffen Pogorzelski. Bewerber für freie Pfarrstellen gebe es obendrein immer weniger.
Zahlen und Fakten brachte auch Finanzkirchmeister Rainer Bien der Gemeinde mit. „2027 sind die Lohnkosten erstmals höher als die Einnahmen aus der Kirchensteuer“, zeigte er die problematische Finanzentwicklung auf. Seit 2026 greife die neue Finanzsatzung des Kirchenkreises, nach der die Kirchensteuerzuweisung sich ausschließlich nach der Anzahl der Gemeindemitglieder richte. Durch eine Reduzierung der Gebäude sei es möglich, die Pflichtbudgetierung für die Instandhaltung zu senken und das eingesparte Geld dem allgemeinen Haushalt zur Verfügung zu stellen. Die Finanzdecke der Gemeinde sei derzeit noch gut, was auch mit guten Ergebnissen des Fördervereins zu tun habe. „Wir machen uns jetzt Gedanken, bevor wir reagieren müssen.“ Letzteres würde zwangsläufig Personalentscheidungen nach sich ziehen, was vermieden werden solle.
Auf einer Vorschlagsliste des Kirchenkreises zu Zukunfts- und Abschiedsgebäuden sei die Evangelische Kirche Brüninghausen als Abschiedsgebäude ausgewiesen worden, ergänzte Steffen Pogorzelski. Von daher sei das Presbyterium zu der Einschätzung gekommen, dass sich die ERlebt-Kirchengemeinde aus personellen und finanziellen Gründen nicht dauerhaft zwei Standorte leisten könne und sich daher vom Standort Brüninghausen verabschieden müsse. Pro Jahr bedeute das eine Einsparung von rund 55 000 Euro. Personell könnten Ressourcen gebündelt werden. Angedacht sei die Aufgabe von Kirche und Gemeindehaus 2028, wenn die Wahl eines neuen Presbyteriums anstehe. Der Weg des Abschieds beginne jetzt und er solle gemeinsam gestaltet werden. „Wir wollen gemeinsam fragen: „Wie kann die Arbeit Erlebt-Kirchengemeinde in Zukunft in den Stadtteilen vor Ort aussehen?“ Wunsch sei es, die Kirche zu verkaufen. Problem dabei sei der Denkmalschutz. Ein Arbeitskreis, bei dem auch das Kreiskirchenamt mit im Boot sei, werde sich damit befassen müssen. „Es ist uns bewusst, dass das eine schwere Entscheidung ist.“



