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Suchtberatung bleibt wichtig: 481 Menschen suchten 2025 Hilfe bei der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes Plettenberg
28.4.2026

Die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes in Plettenberg blickt auf ein arbeitsreiches Jahr zurück. Insgesamt 481 Menschen nahmen im Jahr 2025 Kontakt zu der Einrichtung auf – ein deutliches Zeichen dafür, dass Suchterkrankungen weiterhin ein relevantes gesellschaftliches Thema sind.
Die Beratungsstelle wird von der Suchtberaterin und Suchttherapeutin Sabine Schneider sowie ihrem Kollegen Frank Horstmann, ebenfalls Suchtberater und Suchttherapeut, getragen. Gemeinsam bieten sie eine wohnortnahe Grundversorgung für suchtgefährdete und abhängige Menschen für die Städte Plettenberg, Werdohl, Neuenrade und für Teile des Kreises Olpe an. Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte legale stoffgebundene Süchte, insbesondere Alkohol und Medikamente, aber auch Verhaltenssüchte wie Spiel- und Kaufsucht. Angehörige von suchtgefährdeten und süchtigen Menschen finden hier ebenfalls Beratung und Unterstützung.
Von den Personen, die sich 2025 meldeten, kam es bei 122 Personen zu einer intensiveren Beratung oder Therapie. Rund zwei Drittel der Ratsuchenden suchten Hilfe wegen Alkoholproblemen. Etwa ein Fünftel der Beratungen betraf Angehörige, die Unterstützung im Umgang mit der Sucht eines nahestehenden Menschen suchten. „Sucht betrifft nie nur eine einzelne Person, sondern immer auch das Umfeld“, erklärt Sabine Schneider, „Angehörigenberatung ist daher ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.“
Ein besonderer Schwerpunkt der Einrichtung liegt auf der ambulanten Suchtrehabilitation, die neben der Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit auch Konsumenten von Drogen wie Haschisch, Amphetamine oder Kokain behandelt. Jeweils ein Einzel- und Gruppengespräch pro Woche, während einer Behandlungsdauer von 6-18 Monaten, helfen dabei, einen Ausstieg aus der Sucht und eine abstinente Lebensperspektive zu schaffen. Insgesamt 16 Menschen nahmen im vergangenen Jahr eine solche Maßnahme in Anspruch. Dabei bleiben die Betroffenen in ihrem gewohnten Lebensumfeld, während sie therapeutisch begleitet werden. Gerade dieser Ansatz bietet für viele Betroffene entscheidende Vorteile: Arbeit, Ausbildung und familiäre Verpflichtungen können häufig weitergeführt werden. Ein Umstand, der vielen Hilfesuchenden zugutekommen kann, die Kontakt zur Suchtberatungsstelle aufnehmen, denn rund zwei Drittel der beratenen Klientinnen und Klienten waren tatsächlich berufstätig oder befanden sich noch in der Ausbildung. Eine erstaunlich hohe Quote, die dem Vorurteil widerspricht, dass suchtkranke Menschen ihre Teilhabe am Sozial- und Arbeitsleben nicht mehr aufrechterhalten können. Ganz im Gegenteil: Suchtkranke Menschen sind mitten unter uns, leisten sehr wohl ihren Beitrag zum Sozialleben, nur eben mit der Last einer Sucht. Ambulante Therapie ermöglicht es ihnen, direkt im Alltag neue Strategien im Umgang mit der Sucht zu entwickeln, sogenannte Bewältigungsstrategien gemeinsam mit den Therapeuten zu erarbeiten, um potentielle Rückfälle zu vermeiden.
Zugleich entlastet ambulante Rehabilitation auch das Gesundheitssystem. Frühzeitige Beratung und Therapie können dazu beitragen, schwere Krankheitsverläufe, Arbeitsausfälle und andere Folgekosten zu vermeiden. Frank Horstmann ist sich diesbezüglich mit anderen Fachleuten einig: „Jeder frühzeitig unterstützte Weg aus der Sucht spart langfristig erhebliche gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten.“
Erfreulich auch, dass das Angebot der „DigiSucht“ vor allen Dingen von jungen Menschen zunehmend angenommen wird. Es bietet die Möglichkeit, schnell und anonym über ein Forum im Internet (https://app.suchtberatung.digital/login) Beratung per E-Mail, Chat oder Video-Chat zu bekommen. „Oft ergibt sich auch über diesen Zugang eine intensivere persönliche Beratung, was aber nicht zwangsläufig so sein muss“, erklärt Schneider, „denn manchmal suchen Konsumierende nur eine knappe Expertise über ihr Konsumverhalten, um anschließend ihr Verhalten reflektierter einschätzen zu können.“
Die Zahlen aus der Beratungsstelle zeigen, dass das Thema Sucht weiterhin an Bedeutung gewinnt. Niedrigschwellige, wohnortnahe Angebote seien deshalb unverzichtbar. Einrichtungen wie die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes bieten Betroffenen und ihren Angehörigen die Möglichkeit, frühzeitig Hilfe zu suchen – oft der entscheidende Schritt auf dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Hilfesuchende nehmen bitte telefonisch oder per E-Mail Kontakt zur Suchtberatungsstelle auf.
Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes Plettenberg
Bahnhofstr. 25
58840 Plettenberg
Tel. 02391/9540-20
E-Mail: sekretariat-sbst@diakonie-luedenscheid-plettenberg.de



