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„Herz der Stadt“ - 200 Jahre Erlöserkirche in Lüdenscheid

1.5.2026

Die Erlöserkirche wurde nicht nur zu den Festlichkeiten ins besondere Licht gerückt. Sie ist regelmäßig Ort von Events, wie hier bei einer Kulturveranstaltung der Stadt (Foto: Kannenberg)

Von Iris Kannenberg

 

LÜDENSCHEID + Mit einem Festgottesdienst, Musik, Ausstellungen und Führungen feierte die Evangelische Versöhnungskirchengemeinde Lüdenscheid das 200-jährige Bestehen der Erlöserkirche – eines der bedeutendsten Bauwerke der Stadt und Teil ihrer bewegten Geschichte. Beeindruckende 200 Jahre nach der Grundsteinlegung und immerhin nach zwei Weltkriegen, steht das Gotteshaus immer noch auf seinem Platz im Herzen von Lüdenscheid. Nicht nur als Ort des Glaubens, sondern auch als Symbol für Beständigkeit, Zusammenhalt und Erneuerung in Zeiten des Wandels. Die Lüdenscheider Bürger fühlen sich verbunden mit „ihrer“ Erlöserkirche. Daher kamen im Laufe dieses Sonntags hunderte Besucherinnen und Besucher zu den verschiedenen Veranstaltungen, um das Jubiläum persönlich mitzuerleben. In ein Gotteshaus, das Lüdenscheids Geschichte so eng begleitet wie kaum ein anderes.

Im Jahr 1826 wurde die Erlöserkirche als klassizistischer Saalbau, nach jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen Stadt, Kirchengemeinde und preußischen Behörden, errichtet. Selbst Preußens oberster Baumeister Karl Friedrich Schinkel und der Lüdenscheider Architekturtheoretiker Wilhelm Tappe waren in den Streit um Planung und Ausführung verwickelt. Erst nach über zehn Jahren konnte der Neubau abgeschlossen werden – eine Episode, die damals Lüdenscheid spaltete und heute fester Teil der Stadtgeschichte ist.

 

Erhalten blieb der alte romanische Wehrturm, dessen Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Damit ist er eines der ältesten Bauwerke im märkischen Sauerland – und ein beeindruckendes und deutlich sichtbares Bindeglied zwischen Mittelalter, Klassizismus und Moderne. Heute beherbergt er die Glocken der Kirche und wird von einem hohen Kirchturmdach gekrönt. Dicke Mauern, bestückt mit ehemaligen Schießscharten, treffen auf den kunstvoll bemalten, offenen Kirchenraum im Stil des 19. Jahrhunderts. Mit dem stimmungsvollen Altarraum, den geschnitzten Kirchenbänken und den bunten, originalen Kirchenfenstern bietet die Erlöserkirche insgesamt nicht nur einen Ort der Besinnung und Nähe zu Gott, sondern auch ein einzigartiges Ambiente. Wehrhaftigkeit und Glaube sind hier eine beeindruckende Synthese eingegangen und erinnern in ihrer Gesamtheit an das wohl bekannteste Lied von Martin Luther: „Eine starke Burg ist unser Gott.“

 

Gemeinde-Pfarrer Jürgen Jerosch würdigte die vielen Generationen, die in der Kirche getauft, getraut oder beerdigt wurden: „Die Erlöserkirche ist mehr als Stein und Schiefer“, erläuterte der Pfarrer. „Sie ist Herz und Geschichte unserer Stadt.“  Er begrüßte zahlreiche Gäste, darunter den Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, Dr. Christof Grote, sowie den Bürgermeister der Stadt Sebastian Wagemeyer.

 

Im Rahmen des Jubiläums blickt die Gemeinde erwartungsvoll in die Zukunft. Nach Jahren der Planung und etlichen Verzögerungen soll die unbedingt nötige Sanierung von Turm und Dach in diesem Jahr abgeschlossen werden. Fördermittel von Bund und Land sowie zahlreiche Spenden ermöglichen die Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes, das künftig multifunktional genutzt werden soll – für Konzerte, Kunst, Kulturveranstaltungen, Begegnungen und soziale Projekte.

Neben dem offiziellen Gottesdienst standen musikalische Beiträge der Heinrich-Schütz-Kantorei sowie eine Ausstellung zur Baugeschichte auf dem Programm. Nach dem Gottesdienst lud die Gemeinde zum gemeinsamen Essen ins Gemeindehaus ein. Neben Grußworten von Bürgermeister Wagemeyer und Pfarrer Claus Optenhövel von der katholischen Kirchengemeinde St. Medardus, hielt Presbyter Bruno Trester einen erhellenden Vortrag zur Geschichte des Gotteshauses. Schüler der Geschichtswerkstatt des Bergstadt-Gymnasiums präsentierten zudem digitale Modelle der Kirche im Wandel der Zeit und Kreiskantorin Nicole Trester lieferte mit ihrem Chor „ChorAlle“ einen stimmungsvollen Auftritt.

Finanzkirchmeisterin Iris Espelöer betonte mit Nachdruck, dass die Kirche künftig noch vielfältiger genutzt werden soll: „Wir möchten, dass die Erlöserkirche nicht nur ein zentraler Ort des Glaubens bleibt, sondern noch mehr ein Haus der Begegnung, Kunst, Musik und Kultur für die ganze Stadt wird.“

 

Am Abend füllte Orgelmusik den Gottesdienst-Raum und die altehrwürdigen Mauern wurden in farbiges Licht getaucht. Auch dies ein Symbol dafür, was die Erlöserkirche seit 200 Jahren für Lüdenscheid bedeutet: Ein Ort des Lichts, der den christlichen Glauben bewahrt, die Stadt seit Generationen prägt und im vollen Umfang im 21. Jahrhundert angekommen ist. Das „Herz der Stadt“ pulsiert und ist voller Leben. Gott hat mit dieser Kirche eine Wohnung in Lüdenscheid. Zentral und mittendrin. Irgendwie beruhigend…

Bildimpressionen der Feierlichkeiten der Erlöserkirche (alle Fotos: Kannenberg)

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