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Schutzkonzepte gehören nicht in Schubladen, sondern in die Köpfe

17.6.2026

Pfarrer i. R. Matthias Schwarz ging in einem sehr persönlichen und beeindruckenden Vortrag auf das Thema ein. Er Eindringlich appellierte eindringlich an die Synodalen, die Berichte Betroffener ernst zu nehmen (Foto: Büdenbender)

Von Wolfgang Teipel

 

KIRCHENKREIS + „Schutzkonzepte gehören nicht in die Schubladen, sondern in die Köpfe“. Pfarrer i. R. Matthias Schwarz machte als Gast der Sommersynode des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg deutlich, dass aus seiner Sicht der Kampf gegen sexuelle Gewalt in der Kirche stärker verankert werden müsse. Schwarz ist Betroffenenvertreter in der Fachstelle Sexualisierte Gewalt der Ev. Kirche in Hessen und Nassau. Er selbst erlitt als Kind sexuelle Übergriffe und sagt: „Ich kann dem Täter nie vergeben.“

 

Eindringlich appellierte er an die Synodalen, die Berichte Betroffener ernst zu nehmen. Bei der Aufarbeitung von Fällen sexueller Gewalt könne die Kirche nur lernen. Seine These: „Jeder, der Täter schützt, schädigt die Kirche.“

 

Sein beeindruckender Vortrag und der Besuch von Dr. Charlotte Nieße, zeigen, dass der Kirchenkreis seine Verantwortung gegenüber Opfern sexualisierter Gewalt ernst nimmt. Dr. Charlotte Nieße ist Kriminologin und arbeitet seit Januar 2026 als Beauftragte für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung in der Ev. Landeskirche von Westfalen.

Jutta Tripp, Präventionsbeauftragte des Kirchenkreises, zeigte in einer Bilanz ihrer Arbeit auf, dass alle Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises Schutzkonzepte erstellt haben. Zudem sind bereits 2414 Menschen durch den Kirchenkreis zu diesem wichtigen Thema professionell geschult worden (Foto: Büdenbender)

Der Kirchenkreis nimmt das Thema ernst. So untermauerten die Synodalen ihre Haltung mit einem einstimmigen Votum. Danach bekennt sich die Synode des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg zu ihrer Verantwortung für die Aufklärung begangener sexueller Gewalt und die Verpflichtung zu umfassender Prävention in ihren Gemeinden und Einrichtungen. Die dafür notwendigen Mittel sollen bereitgestellt werden. Darüber hinaus wird der Superintendent gebeten, für den Kirchenkreis einen Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung der Betroffenenperspektive zu gestalten. „Dieser Gottesdienst muss keine einmalige Veranstaltung sein. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt“, antwortete Superintendent Dr. Christof Grote auf eine Nachfrage aus der Versammlung.

 

Zuvor hatte Jutta Tripp, Präventionsbeauftragte des Kirchenkreises, eine Bilanz ihrer Arbeit vorgelegt. Danach haben alle Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises Schutzkonzepte erstellt. Rund 80 Prozent aller hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen haben eine erste Schulung durchlaufen. „Das sind immerhin 2414 Menschen“, betonte Jutta Tripp.

Die Ausstellung „Angefasst“, die man im Rahmen der Synode ansehen konnte, hinterließ bei den Synodalen einen starken Eindruck – auch bei Superintendent Dr. Christof Grote und Susanne Falcke, Theol. Vizepräsidentin der Ev. Landeskirche von Westfalen (Foto: Büdenbender)

So seien die Arbeitsverträge für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den zwei Präventionsteams um drei Jahre bis 2029 verlängert worden. Damit seien weitere Schulungen gesichert. Außerdem werde an der Weiterentwicklung der Schutzkonzepte gearbeitet. Ziel sei es auch, die Zusammenarbeit mit den zahlreichen Netzwerkpartnern zu verstetigen, erklärte Jutta Tripp.

 

Die Ausstellung „Angefasst“ mit Bildern des Fotografen Thomas Groth hinterließ bei den Synodalen einen starken Eindruck. Sie zeigt Fotos von Menschen, die Grenzverletzungen und Machtmissbrauch erlitten haben. Zu sehen sind Frauen und Männer hinter einer mit Wasser besprühten Glasscheibe. Die Tropfen verzerren den Blick – wie Erinnerungen – und lassen die Menschen dennoch sichtbar bleiben. „Angefasst“ versteht sich als Teil einer Erinnerungskultur, die das Erlebte nicht abschließt, sondern weiterträgt.

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