Aktuelle Artikel
Arme fordern uns heraus
19.6.2026

Arme werden in unserer Gesellschaft oftmals benachteiligt und ausgegrenzt, manchmal beschimpft, in extremen Ausnahmefällen werden Wohnungslose sogar im Schlaf angezündet. Arme fordern uns manchmal heraus, überfordern uns vielleicht auch mal, regen möglicherweise unser Gewissen an oder triggern gar unsere eigenen (Abstiegs-) Ängste. Ich schließe mich ausdrücklich in das „uns“ mit ein.
Jesus hat uns in der Bergpredigt eine (goldene) Regel gegeben, „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ (Mt. 7, 12) Wie wollen wir denn nun wirklich behandelt werden, wenn wir in andauernder finanzieller Not wären? Wollen wir Mitleid? Wollen wir beim Betteln einen Euro in die Hand gedrückt bekommen? Wollen wir bei der Tafelausgabe in der Schlange stehen? Oder wollen wir wieder ein selbstbestimmtes Leben führen und selbst entscheiden dürfen, was wir essen?
Bedford-Strohm hat geschrieben, „Weil Gott Mensch geworden ist, kann der Weg der Christen nie aus der Welt herausführen. Er führt immer in die Welt und ihre Konflikte hinein.“ Gemeinschaft mit Christus heißt auch immer das Schicksal mit Menschen zu teilen, die heute ein schweres Los tragen.
Christen wenden sich dem Nächsten so zu, wie sich Jesus ihnen jeden Tag neu zuwendet: ohne Ansehen der Person, mit Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Die unmittelbare Unterstützung für Arme ist unverzichtbar. Ebenso gefordert ist es, sie zu stärken, damit sie ihre eigenen Interessen vertreten können, und auf eine Verbesserung der Lebenssituation Benachteiligter zu drängen.
Lars Wiebke (Presbyter der Ev. KG Werdohl und Mitarbeiter des Diakonischen Werkes Lüdenscheid-Plettenberg)



