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„Begeisterung lässt sich nicht für sich behalten"
25.6.2026

LÜDENSCHEID + Es gibt Sonntage, die bleiben hängen. Und Pfingstsonntag war in der Kreuzkirche so ein Tag. Vorne knien, die segnend aufgelegten Hände des Superintendenten Dr. Christof Grote sowie von Pfarrer Steffen Pogorzelski und Gemeindepädagogin Birgit Bethke, die Gemeinde still und mitbetend – in diesem Moment wurde Reiner Westerhoff in seinen neuen Dienst gesendet: als Prädikant.
„Prädikant" – das klingt zunächst nach Kirchenamtsdeutsch. Gemeint ist etwas sehr Konkretes: Reiner Westerhoff ist von nun an offiziell beauftragt, Gottesdienste eigenverantwortlich zu leiten, zu predigen und die Sakramente zu verwalten. Eine Gemeinde vertraut damit einem aus ihrer Mitte etwas Kostbares an – die öffentliche Weitergabe des Evangeliums. Dass das ausgerechnet an Pfingsten geschah, passt gut: An diesem Fest feiern wir, dass Gottes Geist Menschen begeistert und in Bewegung bringt.
Genau hier setzte Superintendent Grote in seiner Ansprache an. Eine Einführung, so sagte er, habe zwei Seiten. Die eine ist gut geregelt und durchaus wichtig: der Beschluss des Presbyteriums, das Votum des Superintendenten, ein Auswahlseminar, die Ausbildung in Villigst, Onlineschulungen und schließlich der Probegottesdienst. Ein langer, sorgfältiger Weg liegt hinter Reiner Westerhoff. Die andere Seite aber sei viel weniger verwaltungsmäßig – und sie sei die eigentliche: Begeisterung. Gottes Heiliger Geist begeistere uns, und wer begeistert ist, könne gar nicht anders, als von diesem Gott weiterzuerzählen und zu ihm einzuladen.
So wurde es dann auch gefeiert. Nach der Beauftragung trugen die beiden Assistenten die biblischen Lesungen vor: Pfarrer Steffen Pogorzelski las aus Jesaja 55 die Zusage, dass Gottes Wort nicht leer zurückkehrt, sondern wirkt, wozu Gott es sendet. Gemeindepädagogin Birgit Bethke las aus dem Lukasevangelium, wie der auferstandene Christus seinen Jüngern die Schrift öffnet und sie zu Zeugen macht.
Nach dem Glaubensbekenntnis griff der Superintendent ein altes Pfingstlied auf – „O komm, du Geist der Wahrheit … rühr Herz und Lippen an." Was die Gemeinde sang, betete er danach ganz persönlich für Reiner Westerhoff: dass Gott ihm Herz und Lippen anrühre, damit er von seiner Liebe künden kann.
Dann kam der Augenblick, auf den alles zulief. Auf die Frage, ob er bereit sei, dieses Amt zu übernehmen, antwortete Reiner Westerhoff klar und ruhig: „Ja, mit Gottes Hilfe." Und auch die Gemeinde wurde gefragt – ob sie bereit sei, ihn zu begleiten, zu unterstützen und für ihn zu beten. Ihr „Ja, mit Gottes Hilfe" füllte die Kirche. Das war kein Zuschauer-Moment, sondern ein gemeinsames Versprechen.
Reiner Westerhoff kniete nieder, Superintendent und Assistenten legten ihm die Hände auf, sprachen ihre Segensvoten und sandten ihn mit dem Wort Jesu: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." Urkunde und Geschenke schlossen die Einführung ab.
Und dann ließ sich Reiner Westerhoff gleich beim Wort nehmen: Seine erste Predigt als Prädikant hielt er noch im selben Gottesdienst – über die Pfingstgeschichte aus Apostelgeschichte 2. Im Mittelpunkt stand ein Bild, das jeder kennt: das Geschenk. Er bekomme leidenschaftlich gern Geschenke, erzählte er – das Auspacken gehöre einfach dazu. Genauso sei der Heilige Geist: seit Pfingsten dauerhaft auf der Erde, ein Teil Gottes selbst, der bei uns bleibt – auch mitten in Hass und Unfrieden der Welt. Gott lässt uns nicht allein. Dieses Geschenk, so seine Einladung, dürfen wir mutig auspacken – in der Stille oder im Lobpreis.
Am Ende legte Reiner Westerhoff der Gemeinde zum ersten Mal in seinem neuen Amt den Segen auf – den alten Segen Aarons, mit dem Israel und Kirche seit Jahrtausenden auseinandergehen.
Natürlich wird nicht jeder Sonntag so festlich sein. Der Superintendent hat es offen gesagt: Zum neuen Amt gehört Schönes und Erfüllendes, aber auch Schweres – Begegnungen, in denen man sich fragt, ob man dem Auftrag gerecht geworden ist. Doch das Entscheidende ist die Pfingstverheißung: Gott lässt den, den er sendet, nicht allein. Sein Geist steht bei, sein Segen geht mit. Und eine ganze Gemeinde hat versprochen, mitzubeten.
Lieber Reiner, wir freuen uns mit dir und wünschen Gottes reichen Segen – Deine ERlebt Kirchengemeinde Lüdenscheid. ©EEKG



