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Worte sagen, Geschichten erzählen, Hoffnung teilen, einander begegnen

12.7.2026

Das Wort zum Sonntag heute mit Gedanken von Mechthild Börger, Gemeindereferentin der Kath. Kirchengemeinde St. Medardus Lüdenscheid (Grafik: EKKLP)

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Es war nicht in Lüdenscheid, sondern in Ennepetal. Dort wohnte ich im Pfarrhaus neben der Martinskirche und dem Kindergarten gegenüber. Am frühen Freitagabend klingelte es und zwei Punks standen vor der Tür, eigentlich noch Kinder, furchterregend ausstaffiert und etwas streng riechend. Eigentlich wollten sie in den Kindergarten, aber der war schon zu. Einer der beiden wollte dort ein Schulpraktikum machen, der andere war mitgekommen, um ihn zu unterstützen. Treuherzig erzählten sie, mit ihrem Aussehen sei es nicht so leicht, eine Stelle zu finden, aber die Leiterin der Kita wolle dem jungen Mann eine Chance geben.

Auf meine Nachfrage erklärten sie, sie sein Punks und ich fragte nach, was das denn für sie bedeute.

 

Da fingen sie mit einer Aufzählung an: sie seien gegen rechts, gegen Diskriminierung und gegen alles Mögliche andere. Durch ihr Äußeres zeigten sie ihre Haltung, meinten sie.

Meine Frage, ob es denn auch etwas gebe wofür sie seien, verblüffte und überforderte sie.

 

An diese Begegnung musste ich mal wieder denken, als ich vom Aufruf der „Omas gegen Rechts“ für die Veranstaltung am vergangenen Sonntag hörte. Es hat mich gefreut, als ich erfuhr, dass die „Omas“ sehr wohl wissen, wofür sie sind und dass sie „Aufstehen“ wollten „für Demokratie“.

Es wurden Reden gehalten, Worte wurden mit Applaus bedacht. - Bewirken sie etwas?

 

Mit welchem Inhalt sind wichtige Worte gefüllt? Was bedeutet „Demokratie“? Wie kann sie heute gelebt werden? Welche Bedeutung hat Geld und seine Verteilung? Wer hat Macht, und welche Verantwortung bedeutet es, Macht zu haben? Wie funktioniert Meinungsbildung? Wie schaffen wir Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen? Wie wichtig sind Argumente? Welche Rolle spielen Gefühle? - Und auch das: Welche Fragen haben andere?

 

Am Sonntag waren wir miteinander unterwegs, eine gute Möglichkeit, hier und da ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ein Anfang?

 

Über Worte denken auch die Schrifttexte nach, die am kommenden Sonntag weltweit in den kath. Kirchen gelesen werden: Da heißt beim Propheten Jesaja: „Es kehrt nicht leer zu mir zurück...“. Matthäus spricht vom Sämann, der das Wort aussät, mag sein, dass es vergeblich ist, aber ein guter Teil bringt reiche Frucht.

 

Worte sagen, Geschichten erzählen, Hoffnung teilen, einander begegnen – da könnte was wachsen.

Einen frohen – und vielleicht auch nachdenklichen Sonntag wünsche ich Ihnen,

 

Mechthild M. Börger

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