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Eine tragende Rolle
8.11.2026

Haben Sie schon mal die Tasche oder den Koffer von jemandem getragen? Mir passiert das im Moment recht häufig, da meine älteste Tochter seit diesem Sommer zur Schule geht. Wenn ihr der Tornister zu schwer wird, trage ich ihn. Für den Schulweg ist das kein Problem für mich. Aber, wenn ich mir vorstelle, dass ich selbst dieses „leichte“ Gewicht den ganzen Tag tragen müsste, würde mich das schon ziemlich belasten, anstrengen und einschränken.
Was bei einem Tornister absurd erscheint, geschieht in einem anderen Bereich unseres Lebens immer wieder – wenn Menschen an uns schuldig werden: Der Herr, der sich an der Kasse vordrängelt; die Frau, die die Vorfahrt nimmt; die Tochter, die uns enttäuscht hat; der Kollege, der wieder nur an sich denkt. Wir sind dann verletzt oder verärgert oder traurig und „tragen Menschen etwas nach“. Das Problem ist, dass wir dabei die „tragende Rolle“ haben, was uns je nach Schwere der Schuld wirklich belasten kann. Wie werden wir diese Last, diese „tragende Rolle“ wieder los?
Durch Vergebung. Das Angebot Jesu ist: Trage nicht du die Schuld den anderen hinterher. Trage sie zu mir. Die Bibel sagt: „Unsere Sünden hat er ans Kreuz hinaufgetragen, mit seinem eigenen Leib.“ (1 Petrus 2,24) Die eine Seite des Sterbens Jesu für uns ist, dass uns vergeben wird. Die andere ist, dass wir vergeben können. Vergebung meint dabei durchaus das Unrecht und den Schmerz zu benennen, aber dann, im Bild gesprochen, den Rucksack unter das Kreuz Jesu zu stellen. „In deinem Namen, Jesus, vergebe ich ihm/ihr und höre auf die Schuld hinterher zu tragen.“ Dass das ein schwerer Schritt sein kann, weiß schon C.S. Lewis, der sagt: „Vergebung ist eine wunderschöne Idee, bis man etwas zu vergeben hat.“ Aber wenn es gelingt, ist es wunderbar befreiend. Ich wünsche Ihnen den Mut zu vergeben und Gottes Segen dafür.

Steffen Pogorzelski,
Pfarrer der Evangelischen ERlebt Kirchengemeinde Lüdenscheid



