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Eine Tagesration Zuversicht
27.9.2026

"Es ist nicht zum Aushalten: der Sprit ist teuer, das Leben kaum noch zu bezahlen, die Menschen immer unfreundlicher und aggressiver, überall Krieg, und die Regierenden kriegen wenig bis nichts zustande." So fühlen viele Menschen. Die Litanei der Klagen ist schier endlos und da soll man noch guten Mut und Zuversicht behalten? Der Vorrat an beidem ist bei vielen Menschen sehr klein geworden. Um Widerstand gegen all diese Erfahrungen zu leisten, nein, da reicht die Kraft nicht.
Diese Erfahrung ist nicht neu. Die Israeliten in der Wüste haben sie gemacht: kein auf Gott in jeder Lebenslage vertrauendes Volk, sondern ein müder, desillusionierter Haufen, der hungert und die guten Zeiten damals in Ägypten wieder herbeisehnt. Da schwindet die innere Widerstandskraft. Aber sie bekamen Hilfe, himmlische Speise, Manna. Von diesem Manna ließen sich aber keine Vorräte anlegen, sie verdarben. So konnten sich die Menschen nur darauf verlassen, dass es jeden Tag neu gegeben wurde.
Für mich heißt das: Vorräte an Mut und Hoffnung sind nicht unbegrenzt haltbar. Es braucht die kleine tägliche Ration an Zuversicht, die ich bekomme. Die kleine tägliche Portion Glaube, Liebe, Zuversicht, die Gott mir schenkt. Und nicht nur mir, allen Menschen will er sie geben. So eine kleine Tagesration mag wenig, zu wenig erscheinen. Dietrich Bonhoeffer hat es so gesagt: "Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlasse. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein."

Bettina vom Brocke,
Pfarrerin i.R. im
Ev. Kirchenkreises
Lüdenscheid-Plettenberg



