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Gedenktag zum 7. Oktober 2023

14.10.2026

Die Gedenkfeier fand im Gottesdienstraum der Evangelischen Markuskirche Lüdenscheid statt. Die Veranstaltung war bestens besucht (Foto: Kannenberg)

Von Iris Kannenberg

 

LÜDENSCHEID + Am 7. Oktober 2023 verübte die islamistische Terrororganisation Hamas einen beispiellosen Großangriff auf Israel. Tausende Raketen wurden aus dem Gazastreifen auf israelische Städte abgefeuert, während bewaffnete Hamas-Kämpfer die Grenze überwanden, Ortschaften, Militärstützpunkte und das Musikfestival „Nova“ angriffen. Dabei wurden etwa 1.200 Menschen getötet, überwiegend Zivilisten, und rund 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.  Der Angriff gilt als das schwerste Massaker an Jüdinnen und Juden seit dem Holocaust. Für viele Einrichtungen des christlich-jüdischen Dialogs in Deutschland wurde der 7. Oktober zu einem Wendepunkt. Seither stehen die Themen Antisemitismus, Solidarität mit jüdischem Leben sowie die Sorge um Frieden und Versöhnung im Nahen Osten noch stärker im Mittelpunkt ihrer Arbeit.

 

Mit einem Festakt in der evangelischen Markuskirche erinnerte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) an diesen schrecklichen Tag, der sich 2026 zum dritten Mal jährte. Gegründet wurde die Lüdenscheider „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ am 22. Oktober 2015. Sie hat sich unter der Leitung von Hella Goldbach weit über die Stadt hinaus zu einer wichtigen Stimme gegen Antisemitismus sowie für Dialog, Verständigung und gegenseitigen Respekt entwickelt.

 

Hella Goldbach ist unbestreitbar Herz und Motor der Gesellschaft und untrennbar mit ihrer Geschichte verbunden. Sie gehört zu den Gründungsinitiatoren und ist bis heute die 1. Vorsitzende der Gesellschaft. Bereits lange vor der offiziellen Gründung engagierte sie sich für den christlich-jüdischen Dialog, organisierte Vorträge, Ausstellungen und Israel-Reisen und setzte sich für die Erinnerung an die Opfer des Holocaust ein. Dabei bezieht sie immer eine sehr klare Position gegenüber Israel und den Juden. Egal ob diese gerade unbequem ist und gesellschaftlich angegriffen. Ihre Haltung ist klar und unverhandelbar: So etwas der Holocaust darf nie wieder passieren.

 

Die Feier zum 7. Oktober eröffnete sie mit einer eindringlichen und sehr ernstgemeinten Mahnung, sich aktiv gegen jede Form von Antisemitismus zu stellen. „Nie wieder darf Judenhass von deutschem Boden ausgehen,“ war ihre Botschaft. Danach forderte sie die vielen Besucher des Abends zu einer Schweigeminute auf, um der Opfer des 7. Oktobers zu gedenken.  

Nach der Eröffnung durch Hella Goldbach übernahm Pfarrer Sebastian Schulz die Moderation. Er ist Chagall-Kenner und Fan mit Leib und Seele. Es scheint nichts zu geben, was er nicht über den Maler und sein Werk weiß. Unterstützt wurde er von der israelischen Klarinettistin Irith Gabriely, die gemeinsam mit Peter Przystaniak am Klavier den Abend musikalisch gestaltete. Die in Haifa geborene Musikerin studierte an der Universität Tel Aviv Klarinette, Klavier, Dirigieren und Philosophie. Seit den 1970er Jahren lebt sie überwiegend in Deutschland und war viele Jahre Solo-Klarinettistin am Staatstheater Darmstadt. International bekannt wurde sie als Interpretin von Klezmer-Musik. Mit ihrem Ensemble „Colalaila“ feiert sie seit Jahrzehnten Erfolge auf europäischen Bühnen und erhielt den Beinamen „Queen of Klezmer“.

 

Ihren Auftritt eröffnete sie mit dem Blasen des Schofars, dem traditionellen jüdischen Widderhorn, das bereits in der Bibel eine große Rolle spielt. Der Schofar brachte z.B. die Mauern von Jericho zum Einsturz und kommt besonders an jüdischen Festtagen zum Einsatz. Ihrem Beinamen „Queen of Klezmer“ machte die Musikerin alle Ehre. Viele der Stücke, die sie spielte, waren Eigenkompositionen, sie erzählte dazu kleine Anekdoten und sang zu einigen Liedern im Wechsel mit der Klarinette und der einfühlsamen Klavierunterstützung von Peter Przystaniak.

 

Ein wichtiger Teil des Programms war die Bildbetrachtung zu Marc Chagall durch Pfarrer Sebastian Schulz. Für ihn ist Chagall neben Picasso der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts und steht für eine einzigartige Verbindung von jüdischer Spiritualität, biblischer Erzähltradition und moderner Kunst. Die leuchtenden Farben, schwebenden Figuren und traumhaften Bildwelten eröffnen einen Zugang zu den Geschichten der Bibel, der Herz und Verstand gleichermaßen anspricht. Marc Chagall überschreitet dabei bewusst die Grenzen zwischen Himmel und Erde, Vergangenheit und Gegenwart, Judentum und Christentum. In dieser Grenzüberschreitung steckt eine Botschaft, die von zentraler Bedeutung ist: Verständigung gelingt immer dort, wo Menschen bereit sind, die Perspektive des anderen einzunehmen. Sich füreinander ohne Vorbehalte zu öffnen, einander zuzuhören und das Gegenüber gleichwertig und wertgeschätzt zu behandeln.

 

Das Werk des jüdische Maler Marc Chagalls zeugt zudem von einer tiefen Sehnsucht nach Gott und seinem ewigen Shalom. Sebastian Schulz begann seine umfassende Bildbetrachtung mit den weltweit berühmten Kirchenfenstern, die der Maler 1985 für die Mainzer Pfarrei St. Stephan gestaltete. Sie wurden zu Symbolen der Aussöhnung zwischen Juden und Christen nach dem Holocaust.


Der Pfarrer erklärte die Bilder Chagalls in einem einzigartigen Vortrag mit Wissen und Tiefgang, der eines studierten Kunsthistorikers würdig gewesen wäre. Irith Gabriely ergänzte sie passend durch den Klezmer, der wie keine andere Musik die Aussagekraft von Chagalls Bildern zu unterstreichen weiß. Alles in allem bot der Abend einen authentischen Einblick in jüdische Geschichte, Kunst und Musik, der die Zuhörer zumindest ein wenig von der großen Liebe zum Leben aber auch dem Leid der Juden erahnen ließ.


Hella Goldbach, Irith Gabriely und Sebastian Schulz präsentierten sich als starkes Trio, dem man die Begeisterung für jüdisches Leben ebenso abnahm, wie die ehrliche Betroffenheit, die die Geschehnisse des 7. Oktobers bei ihnen nach wie vor auslöst. Gemeinsam erinnerten sie daran, dass die Opfer dieses Tages nie vergessen werden dürfen. Antisemitismus ist keine Option. Nie wieder und für niemanden. Er ist durch nichts begründbar oder zu entschuldigen. Ihm zu widerstehen, erfordert Mut, Liebe und eine Entscheidung, die sich glaubensvoll auf das unverrückbare Fundament der ewigen Wahrheit der Bibel und den Worten des Apostels Paulus im Römerbrief beruft: „Hat Gott Israel etwa verworfen? Das sei ferne!“ (Röm 11,1) … … denn Gottes Berufung und Gnadengaben können ihn nicht reuen (Röm 11,29).

Bildimpressionen vom Gedenkabend (alle Fotos: Kannenberg)

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