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Alle sind willkommen

12.8.2019

Iris Jänicke ist Geschäftsführerin des Diakonisches Werkes im Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg.

Liebe Leser und Leserinnen,

 

und wieder mal, wie schon so oft, stand es letzte Woche in der Zeitung, schwarz auf weiß: Die Mitglieder der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland „schwinden rasant“. Die Zahl der Protestanten ging im Jahr 2018 um etwa 395.000 zurück, die Zahl der Katholiken sank um knapp 309.000, in der Summe ein Verlust von rund 704.000 Mitgliedern. Erst vor wenigen Wochen geisterte eine andere Zahl durch die Presse: Bis 2060 soll die Zahl der Kirchenmitglieder von 44,8 auf 22,7 Millionen Menschen in Deutschland schrumpfen. Ist das Schwarzmalerei oder die unausweichliche Folge demografischer Entwicklung, mangelnder Taufbereitschaft und zu vieler Austritte? „Die Kirchen verlieren ihre prägende gesellschaftliche Kraft“ jammern die einen und frohlocken die anderen – je nach persönlicher Sichtweise. Und ich frage mich etwas bang: was bedeutet das für die Diakonie als soziale Arbeit der evangelischen Kirche? Kirche und Diakonie sind untrennbar verbunden, die eine als Wort, die andere als Tat des Evangeliums.

 

Unzählige freiwillige Helfer und Helferinnen verschiedener Religionen und Konfessionen engagieren sich gemeinsam mit den Hauptamtlichen bei der Diakonie in unserem Kirchenkreis für ihre Mitmenschen. Bei der Tafel, bei der Flüchtlingshilfe, beim Generationencafé, beim Besuchs- und Einkaufsdienst. Oder im Fahr – und Begleitdienst für ältere Menschen. Freiwillige engagieren sich als Ausbildungspaten, Sprachkurslehrerinnen, beim Kleidersortieren, beim Reden und Zuhören. Der Kirchraum des Paul-Gerhardt-Hauses in Plettenberg ist am Sonntag sakraler Gottesdienstraum  - an den Werktagen lernen dort Menschen aus aller Welt Deutsch. Ohne Berührungsängste. Jeden Donnerstag findet hier das Sprachcafé statt. Alle sind willkommen, die einzige Vorgabe lautet, dass nur Deutsch gesprochen wird. Im Sozialzentrum gibt es einen Mittagstisch und nebenan kann man sich neu einkleiden, die Spendenbereitschaft der Bevölkerung für gut erhaltene Kleidung ist enorm.

 

Wenn ich mir all dieses vielfältige Engagement so anschaue, spüre ich: Diakonie IST Kirche. Jeden Tag. Auch ohne Fragen nach Mitgliedschaft, Konfession oder Religionszugehörigkeit. Ich spüre aber auch: Diakonie BRAUCHT Kirche, eine starke Kirche, ihre Botschaft und ebenso ihre „prägende gesellschaftliche Kraft“, siehe oben. Wäre das nicht ein Grund, liebe Leser und Leserinnen, NICHT aus der Kirche auszutreten oder vielleicht sogar wieder einzutreten? Egal ob bei Kirche oder Diakonie – Sie sind herzlich willkommen.

 

Ihre

Iris Jänicke / Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg

 

 

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