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Feierliche Wiedereröffnung der Evangelischen Apostelkirche Herscheid
3.1.2026

Von Iris Kannenberg
HERSCHEID + Nach knapp zweijähriger Renovierungsphase feierte die Evangelische Apostelkirche Herscheid ihre Wiedereröffnung und schlugt damit ein neues Kapitel in der Geschichte des seit über 1000 Jahren bestehenden christlichen Wahrzeichens auf.
Die Wiedereröffnung markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte der Kirche, die seit Jahrhunderten das Leben und die Kultur des Ortes maßgeblich prägt.
Die Apostelkirche Herscheid steht seit dem Mittelalter als zentrales Gotteshaus in der Dorfmitte. Ihr charakteristisches Erscheinungsbild mit dem hohen Turm und den kunstvollen Glasfenstern ist weit über Herscheid hinweg als historisches Baudenkmal von Bedeutung bekannt. Im Laufe der Jahre wurde sie mehrfach restauriert und erweitert, um den Anforderungen der jeweiligen Zeit gerecht zu werden.
Bei der Kirche handelt es sich um eine Hallenkirche mit zweischiffigem Querhaus, Chor und ungegliedertem Westturm, die als sogenannte „Wehrkirche“ dem Schutz der Bevölkerung diente. Romanische, gotische und barocke Elemente treffen ungehindert auf die Moderne und gehen eine ausdrucksstarke und dabei sehr anmutige Symbiose ein. Seit 1000 Jahren haben hier Menschen Gott angebetet, ihre Sorgen vorgetragen, geklagt, aber auch ihrem Schöpfer gedankt. Eine lange Zeit. In Westfahlen gehörte diese Kirche zu den zwölf „Ur-Pfarreien“. Sie wurden von Karl dem Großen gegründet. Er strukturierte die Kirche in Deutschland damals neu und schuf mit solchen Gründungen die Voraussetzungen zur Manifestierung des späteren Deutschen Reiches.
Das Älteste, was baulich noch aus der Romanik vorhanden ist, sind zwei runde Säulen im hinteren Bereich. Die stammen aus dem 13. Jahrhundert, der Blütenzeit dieser Epoche.
Als ehemalige Dorfkirche entstand sie nicht aus einem Guss. Man baute sie allmählich fertig. An den vielen unterschiedlichen Stil-Formen, die in der Kirche zu sehen sind, erkennt selbst das ungeübte Auge, sich hier Menschen über Jahrhunderte hinweg verewigt haben.
Sie wechselte mit der Reformation den „Besitzer“. Wie der anwesende Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg treffend formulierte: „Tatsächlich war die Apostelkirche einmal katholisch, so dass wir uns heute umso mehr freuen, den Vertreter der Katholischen Kirche Thomas Bartz zu einem Grußwort bei uns begrüßen zu dürfen“, so Christof Grote.
Früher hieß die heutige Apostelkirche „Sankt Cyriacus“ nach einem katholischen Schutzheiligen. Er gehört zu den 14 Nothelfern und damit zu den Heiligen, die man auch heute noch anruft, wenn es mal „brenzlig“ wird.
Die Schließung der Apostelkirche war notwendig, um umfangreiche Renovierungs-Arbeiten durchzuführen. Im Fokus stand die Sicherung des Dachstuhls, die Modernisierung der Heizungs- und Lichtanlagen sowie die Restaurierung der historischen Innenausstattung. Ziel war es, das Gebäude sowohl für Gottesdienste als auch für kulturelle Veranstaltungen optimal zu erhalten und zukunftsträchtig zu machen. Jetzt erstrahlt die Kirche in neuem Glanze.
Die Wiedereröffnung der Apostelkirche wurde mit einem feierlichen Gottesdienst und anschließenden Grußworten begangen. Zahlreiche Vertreter von Gemeinde und Land sowie Unterstützer des Projekts waren anwesend. Darunter Landrat Ralf Schwarzkopf, Bürgermeister Uwe Schmalenbach, Superintendent Dr. Christof Große, die leitende Architektin der Renovierung Cathrin Brückmann, der Pfarrbeauftragte der katholischen Kirche St. Marien Thomas Bartz und Uwe Köster für das Presbyterium der Kirche. Auch Pfarrer a.D. Bodo Meyer hatte es sich nicht nehmen lassen, an dem Festakt teilzunehmen. Gerade er hatte sich als Gemeindepfarrer von Herscheid über Jahre hinweg für den Erhalt der Kirche vehement eingesetzt. Umso erfreulicher, dass er nun die Früchte seines Engagements genießen durfte.
Die musikalischen Beiträge des Posaunenchors Brüninghaus-Herscheid, der unter der Leitung von Jens Voss feierlich in die Kirche einzog sowie Christoph Pithan an der Orgel machten die Veranstaltung zudem zu einem emotionalen und unvergesslichen Erlebnis.
Übereinstimmend betonten die jeweiligen Redner, dass Herscheid durch die Wiedereröffnung nicht nur seinen kirchlichen Mittelpunkt zurückgewinnt, sondern auch seinen kulturellen Treffpunkt für Konzerte, Vorträge und gemeinschaftliche Aktivitäten.
Zusammen blickt man nun optimistisch in die Zukunft. Sonntägliche Gottesdienste, Gemeindeaktivitäten und Veranstaltungen, kulturelle Projekte und ein verstärktes Miteinander sollen das Leben rund um und in der Apostelkirche nun aufs Neue bereichern. Sie wurde schmerzlich vermisst, umso mehr freut sich die Gemeinde, die Kirche wieder in vollem Umfang nutzen zu können. Die gelungene Sanierung sichert den Fortbestand des Bauwerks zudem für kommende Generationen.
Die Wiedereröffnung der Apostelkirche Herscheid war ein bewegendes Ereignis. Viel Gutes wurde gesagt und die Freude kannte keine Grenzen. Endlich ist sie wieder nutzbar. Herscheid hat sein Herz zurück, steht diese Kirche doch seit 1000 Jahren für einen lebendigen Glauben, Gotteslob und bewahrende Tradition aber auch für Innovation und großen Gemeinschaftssinn. Ein starkes Zeugnis. Und wie das Motto des Gottesdienstes an diesem Tag so treffend auszudrücken wusste: „Renovierung Apostelkirche Herscheid – Deiner Seele ein Zuhause.“



