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Ehrenamtliche Sprachlehrer unterrichten mit Ehrgeiz und Ausdauer

7.1.2020

Erfahrungsaustausch beim gemeinsamen Frühstück im Paul-Gerhardt-Haus: Brigitte Decker, Heike Schaefer, Verena Knabe, Philipp Wever und Martin Meißner. Foto: Wolfgang Teipel

Plettenberg. Mit kleinen Schritten immer weiter, auch wenn’s schwierig ist. Brigitte Decker hat einen fordernden Job übernommen. Die frühere Grundschullehrerin trifft sich regelmäßig mit einer jungen Frau aus Eritrea. Sie soll und will Deutsch lernen. „Es funktioniert. Aber man braucht unglaublich viel Geduld“, sagt Brigitte Decker. Das Hörgerät, das ihr Schützling tragen muss, mache die Sache wohl nicht leichter. „Aber die unglaubliche Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit der jungen Frau gleicht alles wieder aus.“

 

Am schön dekorierten Frühstückstisch im Paul-Gerhardt-Haus sitzen mit ihr auch Verena Knabe, Martin Meißner und Philipp Wever. Auch sie arbeiten in den Integrationskursen auf freiwilliger Basis ehrenamtlich als Sprachlehrer mit Migranten. Die Geflüchteten sollen ein Gefühl für die deutsche Sprache erhalten und an das systematische Erlernen der Sprache herangeführt werden. Das Angebot wendet sich an Menschen, die noch keinen Anspruch auf einen von der Agentur für Arbeit geförderten Sprachkurs haben und dringend individuelle Förderung benötigen.

 

Heranführen an A2 oder B1-Niveau

 

Das große Ziel: „Wir wollen alle an das Niveau A2 oder  B1 heranführen“, sagt Martin Meißner. Bei Menschen mit einer gewissen Vorbildung ist das meistens kein Problem. Schwieriger wird es, wenn Migranten das lateinische Alphabet nicht lesen oder schreiben können. Martin Meißner, übrigens auch ein ehemaliger Grundschullehrer, und die anderen Sprachlehrer besitzen aber genügend Ausdauer und Ehrgeiz, um alle in kleinen Schritten voranzubringen.

 

Wichtig ist es, zu den eigenen Werten zu stehen

 

Philipp Wever ist schon seit 2015 in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit aktiv. Als damals die ersten Migranten in der Oesterhalle untergebracht wurden, fühlte sich der junge Werkzeugmacher verpflichtet, aktiv zu werden. „Ich wollte mich einbringen, weil ich es wichtig finde, zu den eigenen Werten zu stehen“, blickt er zurück.

 

Wie die anderen hält er die ehrenamtliche Arbeit als Sprachlehrer für eine persönliche Bereicherung. „Wir kommen mit Menschen unterschiedlichster Kulturen zusammen, in die wir sonst nie einen näheren Einblick bekämen“, sagt Martin Meißener. Zu den Schützlingen der beiden Männer zählten schon Migranten aus der Mongolei, aus Aserbaidschan und vielen anderen Ländern. „Man erfährt viel Neues und vermittelt etwas Neues.“ Außerdem: „Wenn man diese Menschen und ihre Geschichten kennenlernt, relativiert sich schnell der Blick auf das eigene Leben.“

 

Das Leben der Migranten verändert sich

 

Die Sprachlehrer spüren auch, wie sich das Leben mancher Flüchtlinge nach und nach verändert. Im Kurs von Martin Meißner und Philipp Wever mühen sich auch muslimische Frauen mit der deutschen Sprache ab. „Inzwischen kommen sie sogar ohne die Begleitung ihrer Männer“, berichtet Martin Meißner. „Ihr glaubt gar nicht, welch großer Vertrauensbeweis das für euch ist“, kommentiert Verena Knabe diese Entwicklung.

 

Zurzeit sechs Ehrenamtliche aktiv

 

Der Bedarf an ehrenamtlicher Sprachförderung ist im Laufe der Jahre gesunken. „Anfangs waren zwischen 15 und 20 ehrenamtliche Sprachförderer aktiv“, berichtet Heike Schaefer, Leiterin der Plettenberger Freiwilligenzentrale des Diakonischen Werkes. Zurzeit seien es noch sechs.

Eine wichtige Funktion hat auch das wöchentliche Sprachcafé im Paul-Gerhardt-Haus. Hier kommen Menschen aus zahlreichen Nationen zusammen, um einige schöne Stunden zu verbringen. Einzige Bedingung: Sie alle müssen an diesem Nachmittag Deutsch sprechen. Auch das gehört zu den vielen kleinen Schritten auf dem Weg zur Integration.

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